Hier und jetzt –
gestern und verschwunden
Nachdem ich mir „Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter“ im Lenbachhaus München angeschaut habe (Link), bin ich im ersten Stock auf den Eingang zu „Was zu verschwinden droht, wird Bild. Mensch – Natur – Kunst“ gestoßen. Mein Interesse war geweckt, und deshalb kehrte ich nochmal zu dem Museum hinterhalb des Königsplatzes zurück, um weiter in die Kunstwelt einzutauchen.
„Was zu verschwinden droht, wird Bild. Mensch – Natur – Kunst“: Alles, was in Bildern festgehalten wurde, existiert nicht mehr oder nicht mehr in der dargestellten Form. In der Kunst findet sich das Thema Vergänglichkeit oft sinnbildlich umgesetzt, als Memento Mori oder melancholische Meditation über das Verschwinden von Dingen. Auch Bilder von Träumen, Begegnungen mit Menschen, Erkundungen der Natur zeigen nur vorübergehende Momente. Manchmal wird das Flüchtige explizit zum Thema einer Darstellung, die es trotzdem festzuhalten sucht: Wolken wandeln sich ständig, Schnee schmilzt bald, Bäume blühen nur kurze Zeit.
Man wandelt durch die Räume und lässt sich überraschen von den eingefangenen Szenerien recht unterschiedlicher Künstler: Albrecht Adam, Antoine-Louis Barye, Joseph Beaume, Rosa Marie-Rosalie Bonheur, Heinrich Bürkel, Maria Caspar-Filser, Lovis Corinth, Jean-Baptiste Camille Corot, Johan Christian Dahl, Alexandre-Gabriel Decamps, Narcisse Virgilio Diaz de la Peña, Jules Luis Dupré, Maria Eichhorn, Thomas Fearnley, Thomas Theodor Heine, Jacques Hérold, Wilhelm Jakob Hertling, Paul Hoecker, Wassily Kandinsky, Wilhelm Leibl, Franz Marc, Pierre-Jules Mêne, Christiane Möbus, Christian Ernst Bernhard Morgenstern, Gabriele Münter, Jean Bloé Niestlé, Blinky Palermo, Leo Putz, Gerhard Richter, Richard Riemerschmid, Carl Rottmann, Théodore Rousseau, Eduard Schleich d. Ä., Johann Sperl, Carl Spitzweg, Toni Stadler, Wilhelm Trübner, Timm Ulrichs, Johann Georg von Dillis, Wilhelm von Kobell, Franz von Lenbach, Gabriel von Max, Max Joseph Wagenbauer und Fritz Winter (Quelle: Lenbachhaus München). Es gilt, sich treiben zu lassen und sich Zeit zu nehmen, die Momente und Eindrücke aufzunehmen und genauer zu betrachten. Dabei stoße ich auf ein Gemälde, das in der Nähe meines Zuhauses entstanden ist, die kunstvolle Wiedergabe von Wolken und darauf, dass Kunst auch im Zusammenhang mit Lyrik stehen kann. Es sind große und kleinere bildgewaltige Aussagen der Künstler, die im Kontext des Ausstellungsthemas stehen.
Einen kleinen Einblick gewährt die BR-Sendung Capriccio (Link).
Die Ausstellung ist um die Augenblicke des Erkennens gebaut. Sie zeigt bekannte wie auch selten oder bisher noch nie gezeigte Werke des 19. und 20. Jahrhunderts aus den Sammlungen des Lenbachhauses, des Historischen Vereins von Oberbayern, der Christoph Heilmann-Stiftung, der Münchener Secession, der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, der KiCo Stiftung und des Förderverein Lenbachhaus e. V. Die Kunst arbeitet mit Vergänglichem und mit dem Wissen um Vergänglichkeit. Darin trifft sie sich mit der Idee des Museums, das Kunstwerke sammelt, bewahren wie auch vermitteln will.
Was zu verschwinden droht, wird Bild. Mensch – Natur – Kunst (bis Frühjahr 2027)
Kuratiert von Karin Althaus, kuratorische Mitarbeit Johannes Michael Stanislaus
Lenbachhaus München, s.a. Link
Audioguide
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