Punk Cabaret is back
Tailor Swift hatte ihre frühen Aufnahmen neu eingespielt, um die künstlerischen und finanziellen Rechte daran wieder zurückzubekommen. Das ist die augenzwinkernde Inspiration für The Dresden Dolls gewesen, ihr zentrales Werk Yes, Virginia… als “Tailor’s Version” neu aufzunehmen, nachdem der zwanzigjährige Vertrag mit Roadrunner Records auslief. Passend dazu ist der Klassiker “My alcoholic friends” erst kürzlich mit Platin ausgezeichnet worden. Das Punk-Cabaret-Duo besteht aus Sängerin und Pianistin Amanda Palmer und Schlagzeuger und Multiinstrumentalist Brian Viglione und hatte sich nach einer Halloween-Party 2000 in Boston gegründet.
Nicht nur die Musik wurde neu aufgenommen, auch das originale Artwork wurde von der südafrikanischen Malerin Niki McQueen überarbeitet und beinhaltet Handstickereien der polnischen Musikerin Gaba Kulka, mit der The Dresden Dolls eine langjährige Freundschaft verbindet. Zudem gibt es Gastauftritte von Veronica Swift auf “Sing” und Jinkx Monsoon auf “Me & the minibar”, die diese Songs zuvor vielbeachtet coverten. Zu guter Letzt liefert der neue Track “Yes, Virginia, there is a Santa Claus” gleichzeitig die Frage und Antwort, die mit dem offenen Albumtitel stets ein wenig unausgesprochen im Raum standen.
Unvergessen ist bei mir immer noch der legendäre und restlos ausverkaufte Auftritt 2004 im Münchner Atomic Café, der für alle Beteiligten damals einfach mindblowing war. Ich muss aber auch zugeben, ich hatte The Dresden Dolls jetzt lange nicht mehr gehört, weil sie irgendwann von meinem Radar abgetaucht sind. Amanda Palmers Soloaktivitäten habe ich nur sporadisch verfolgt, und von Brian Viglione habe ich quasi gar nichts mitbekommen.
Und dennoch ist das alte vertraute Gefühl sofort wieder da, und damit verbunden die ganze Bandbreite an menschlichen Emotionen zwischen Wut, Trauer und Verzweiflung auf der einen Seite, aber auch Stärke, Freude und Hoffnung auf der anderen. Auf den ersten Blick erscheinen mir die “neuen” Songs nicht so krass anders als die Originale, aber das war auch nicht die Intention der Neuaufnahmen. Jedoch lässt sich die langjährige musikalische Erfahrung und menschliche Reife der Musiker*innen spüren. Sie werfen leidenschaftlich alles in die Waagschale und erzeugen so eine neue Intensität, außerdem sorgen die Gastsängerinnen Veronica Swift und Jinkx Monsoon für zusätzliche Tiefe in den Songs.
Das alles macht Yes, Virginia… (Tailor’s Version) sowohl für die alten Fans von damals interessant, die wie ich The Dresden Dolls noch einmal für sich wiederentdecken, als auch für eine neue Generation, die vor zwanzig Jahren noch zu jung oder noch gar nicht geboren war. Punk Cabaret is back.
Dresden Dolls: Yes, Virginia… (Tailor’s Version)
Cooking Vinyl, Bertus Musikvertrieb, Vö. 21.08.2026
MP3 9,00 £ erhältlich über Bandcamp
CD 13,90 €, 2LP 34,90 € erhältlich über Flight 13 Records
Links:
https://dresdendolls.com/
https://www.instagram.com/dresdendolls/?hl=de
https://www.facebook.com/dresdendolls/?locale=de_DE
https://dresdendolls.bandcamp.com/
Tracklist:
Sex changes
Backstabber
Modern moonlight
My alcoholic friends
Delilah
Dirty business
First orgasm
Mrs. O.
Shores of California
Necessary evil
Mandy goes to med school
Me & the minibar
Sing
Yes, Virgin there is a Santa Claus
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