Anfang des Jahres bin ich zufällig auf die wunderschöne Musik und das aktuelle Album Nebelgeister von Ocinn gestoßen. Seitdem vergeht selten ein Tag, an dem mich ihre Musik nicht begleitet. Die süddeutsche Künstlerin webt aus düsteren, melancholischen Stimmungen berührende und dichte Klang(t)räume. Und wenn Nebel einen Klang hätte, dann würde er vielleicht klingen wie dieses Album.

Foto rechts: © Felicitas Yang & Armando Milano
Schon bei den ersten Piano-Klängen des Openers „Ich eile ins Nichts“ fällt es leicht, in die fragile, mystische und leicht unbehagliche Szenerie einzutauchen, wo die Welt still wird und nur noch das graue und diffuse Licht nebelverhangener Tage bleibt. Es ist mein Lieblingsstück auf Nebelgeister, ein Song, der mühelos in Dauerschleife laufen kann. Zarte Pianomotive entfalten sich zu einer berauschenden Melodie, während kontrastierende Streicher dem Stück Schwere und Traurigkeit verleihen. Die Musik steigt wellenartig an, verliert sich wieder und hallt wie ein fernes Echo im Nebel nach. Durch die geflüsterten Worte von John Never und die wechselnden Tonalitäten verdichtet sich diese fragile Dualität. Ocinn formt aus Gegensätzen ihre ganz eigene Klangsprache. Kaum erreicht eine Melodie ihren Höhepunkt, löst sie sich wie Nebel wieder auf und findet Ruhe in der Stille. Die Noten atmen, tief und intensiv, und dazwischen pulsieren Spannungen mit einem kaum greifbaren Unbehagen, das die Musik unaufhörlich in Bewegung hält.
Mit Nebelgeister macht Ocinn Zwischenräume hörbar und entwirft eine fesselnde Klangwelt, die Aufmerksamkeit verlangt und reich belohnt. In ihrer Musik wird Nebel zu einem Raum für Einsamkeit, innere Unruhe und Gedanken, die allmählich verblassen und in dieser faszinierenden Klangwelt widerhallen. Mein Lieblingsstück „Ich eile ins Nichts“ öffnet den Blick zu einer inneren Landschaft, und hier schließt sich der Kreis: zu einem überwältigenden Album, das tief berührt und lange nachwirkt.
Ocinn: Nebelgeister
Vö. 06.11.2025
Download ab 9,00 €, Vinyl ab 21,90 €
erhältlich über Shop | Ocinn oder Bandcamp
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