Füße pflegen und Seelen heilen

c) ARD

Völlig neue Situation für Kathi. Ihr Mann ist abgehauen, ihre fast erwachsene Tochter Lilly ist auch so gut wie weg. Sie steht auf einmal allein da und ohne Geld, da ihre Schreiberei, wie sie es selbst nennt, nicht sehr lukrativ ist. Da bewirbt sie sich in der „Beauty Oase“, einem kleinen Salon in Marzahn, wo sie auch lebt. Jenny, die Chefin, und Lulu werden schnell sowas wie Freundinnen, wenn nicht gar Familie. In den Salon kommen Leute, deren Probleme meist mindestens so groß sind wie Kathis eigene.

Alte, einsame Menschen, die der Geselligkeit wegen in den Salon kommen, Menschen, die im Berufsleben etwas darstellten, aber nun genauso eingewachsene Fußnägel haben, wie der Rest der Welt. Von Problemen wird erzählt, sie werden gelöst oder zumindest leichter gemacht. Kathi erkennt mehr und mehr, dass sie selbst für ihr Glück verantwortlich ist. Sie feiert selbst kleine Momente: Ein jüngerer Mann möchte sie kennenlernen, ihr Geburtstag wird nicht vergessen, sie hilft anderen, und sie selbst fühlt sich gut.

Ein schöner Soundtrack unterstützt so einige Situationen musikalisch. „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“, aber nicht gesungen von Hildegard Knef sondern von Eva Weißenborn, die in einer Episode eine Kundin spielt. Zu B-52’s „Dance this mess around“ wild alleine in der Wohnung tanzen, das kann man alles, auch wenn man alleine ist! In den wenigen jeweils nur 20-minütigen Episoden gibt es auch retardierende Momente, etwa, wenn Jenny aus Geldgründen fast aufgeben will und den Salon verkaufen will. Dass sie es nicht tut, ist eine Wohltat für alle Beteiligten, denn Kathi ist sich plötzlich ganz sicher: Dieser Salon hat sie gerettet.

In dieser Serie gibt es keine Cappuccino trinkenden junge-Mütter-Grüppchen, hier wird kein Bio Matcha Tee getrunken und kein Chai Oat Latte. Hier ist alles real und normal, etwas worauf die Marzahner stolz sind: breite Gehwege, abgesenkte Bordsteinkanten für die Rollatoren, Parkdecks, auf denen man Dance-Moves einstudieren kann, Kaffee mit Milch. Gegen Ende bin ich völlig verliebt in die Gegend, in die drei Ladys aus der Beauty Oase und in die Schauspieler*innen.

Die Regisseurin Clara Zoë My-Linh von Arnim (von ihr ist auch „Die Zweiflers“) hat hier den gleichnamigen Roman-Bestseller von Katja Oskamp verfilmt. Sie hat einen wundervollen Cast gewinnen können, u.a. Jordis Triebel in der Hauptrolle. Ich habe ja noch keinen Film gesehen, in der diese mir nicht gefallen hätte, aber hier hat sie mich zutiefst berührt.

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Marzahn Mon Amour
Mit: Jördis Triebel, Yvonne Yung Hee Bormann, Deborah Kaufmann, Maja Bons, Eva Weißenborn u.v.m.
Sechsteilige Miniserie
Ab 14. März 2025 in der ARD Mediathek

 

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