Furchtbares überstehen

c) Justin Downing/picture alliance/Everett Collection

Ich bin zufällig auf eine neu hinzugefügte, fantastische Serie in der ARTE Mediathek gestoßen. Es stellt sich heraus, sie ist 2018 schon ausgestrahlt worden, die Jahre merkt man ihr nicht an. Im ersten Teil stolpere ich regelrecht in eine Albtraumhandlung hinein. Patrick Melrose (Benedict Cumberbatch) ist hier nie nüchtern oder clean, auch wenn er es immer wieder versucht zu werden. Er ist ein reicher Aristokrat, der nicht arbeiten muss. Er bekämpft mit Alkohol, Tabletten und Heroin seine Kindheitsdämonen. Er taumelt mehr herum, als er steht, geht und handelt. Er flucht, stammelt, bettelt, halluziniert, schimpft. Dann der Anruf: Sein Vater ist verstorben. Es scheint wie eine Befreiung für ihn zu sein, es ist irre, wie er lacht!
Er muss eine Reise machen, um sich um die Beerdigung zu kümmern. Er kämpft darum, nüchtern zu werden, clean zu werden, aber kurz danach, fast gleichzeitig, wieder der Kampf um die Beschaffung von Drogen. Er ist ein richtiger Berserker, es ist für mich schwer anzusehen, irgendwie kommt mir Trainspotting in den Sinn. Wie kommt es, dass dieser Mann so kaputt ist? Es stellt sich bald heraus, dass seine Familie Untaten an ihm als Kind begangen hat, die sich keine*r vorstellen mag. Alkohol und Drogen lassen ihn das vergessen. Da er nun mal am Leben ist und Erwartungshaltungen an ihn da sind, versucht er immer wieder, davon zu lassen. So muss man zusehen, wie er zu einem Ehemann und Vater wird, der seinem Vater immer ähnlicher wird. Doch er will nüchtern werden und sich den Untaten seiner Familie in der Vergangenheit stellen.

Die fünfteilige Miniserie basiert auf den Romanen des britischen Autors Edward St. Aubyn, der in seinen autobiografischen Erzählungen seine von Missbrauch, Vernachlässigung und Grausamkeit geprägte Kindheit, seine Drogensucht und später sein Leben als Ehemann und Vater beschreibt.

Trotz vieler trauriger Szenen und vieler Raserei seitens Patrick Melrose muss man die authentische Atmosphäre und den sarkastischen Witz hervorheben. Benedict Cumberbatch spielt die Rolle nicht, er lebt sie, und zwar großartig. Jennifer Jason Leigh habe ich schon sehr lange nicht mehr gesehen. Auch hier, eine fantastische Rolle als – versagende – Mutter des Hauptprotagonisten. Empfehlung!

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Patrick Melrose
Drama
1 Staffel / 5 Folgen à ca. 60 Minuten
Noch bis 14.10.2026 in der ARTE Mediathek
Mit Benedict Cumberbatch, Jennifer Jason Leigh u.a.

 

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