Wonder Woman einmal anders
Irgendein isländischer Wohnblock, irgendwo in Reykjavík. Hier wohnt Ditte Jensen. Ditte ist Dänin und lebt seit zwei Monaten auf Island, vorerst ziemlich unauffällig. Sie hat auf einer Rasenfläche vor dem Haus ein Beet angelegt und züchtet Gemüse, ihr ganzer Stolz. Die Mitbewohner sind noch etwas reserviert, die Kinder auch. So unauffällig sie auch am Anfang wirkt, so ist sie nicht. Sie war in Dänemark eine Elitesoldatin, weshalb ein Running Gag durch die ganze Serie ist, dass sie alle, denen sie begegnet, fragt, ob sie denn nicht Dänisch sprechen können. Die Leute, die nur Isländisch sprechen und ein bisschen Englisch, kommen ihr etwas dumm vor. Und dumm, das ist Ditte nicht. Sie verschafft sich selbst und allen, denen sie zugetan ist, Recht, ob die wollen oder nicht.
Eine Katze muss als erste dran glauben, als sie Dittes Gemüsebeete als Katzenklo benutzt. Ein Mitbewohner verärgert sie und die anderen Mieter durch laute Musik und ausschweifende Partys. Sie weiß, wie sie hier Abhilfe schaffen kann. Denn Ditte ist keine alltägliche Person. Sie kann ausgefuchste Strategien aushecken, um ihre Ziele zu erreichen. Und davon gibt es viele. Sie hilft einem 15-jährigen Mädchen mit Sextipps, sie hilft der alleinerziehenden Gulla mit ihren schwer erziehbaren Kindern, sie befreit Ástrídur von ihrem gewalttätigen Freund, hilft einem Kind auf die Welt, bewahrt eine Frau vor der Abschiebung nach Libyen. Ihre eigenen Ziele verfolgt sie natürlich auch äußerst vehement! Die Umwelt ist ihr sehr wichtig, weswegen sie SUVs, sinnlose Autofahrten, Laubbläser und aufgeblähte Rasenmäher boykottiert und torpediert – ohne bemerkt zu werden natürlich. Sie ist bei ihren Aktionen eine Mischung aus Wonder Woman und einem Ninja. Es gibt keine „Mission Impossible“, im Gegenteil, die Aktionen der ehemaligen Elitekämpferin und Auslandsagentin werden immer fanatischer. Als der dänische Geheimdienst sie erpresst – sie soll weiterarbeiten, sie will aber nicht – fährt sie schwere Geschütze auf, dabei leidet sie doch sowieso unter Trugbildern, Nachwehen sozusagen eines schweren Kriegstraumas.
Diese Protagonistin und ihre Rolle ist wirklich einmal etwas völlig anderes in der momentanen Serienlandschaft. Sie wirkt nicht immer nur sympathisch, ihre Gemütszustände variieren stark, und man muss sich auf sie einlassen. Besonders originell finde ich, dass Vor- und Abspann jeder Folge wie ein Videoclip gestaltet ist. Die international bekannte Hauptdarstellerin Trine Dyrholm tanzt und singt darin mit den Personen der jeweiligen Episode. Tanzen und Singen ist für sie nichts Neues. Als Teenager war sie Mitglied der Band „The Moonlighters“, später nahm sie auch unter eigenem Namen Platten auf. Erstmals aufgefallen ist mir Trine Dyrholm in ihrer wundervollen Rolle als Musikerin Nico im Film Nico, 1988 (LINK).
Ich hätte ewig weiter schauen können!

The Danish Woman
Genre: Thriller, Schwarze Komödie
Herkunftsland: Island, Frankreich
Von: Benedikt und Ólafur Egill Egilsson
Cast: Trine Dyrholm, Hilmar Guðjónsson, Kristín Þóra Haraldsdóttir, Halldóra Geirharðsdóttir u.v.m.
6 Episoden à 45 Min. seit Anfang 2026 in der ARTE Mediathek
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