Vier Jahreszeiten, sechs Freunde
und etliche Probleme
Ich habe mir was gesucht, um wieder einmal ein paar 36-Grad-und-es-wird-immer-heißer-Tage in der Wohnung zu überstehen und bin auf diese kleine Serie gestoßen. Irgendwie kam gleich ein kleines Bridgerton-Feeling auf, nicht wegen der Kostüme, sondern wegen dieses besonderen Gefühls, in eine bereits seit Jahren bestehende Welt hineinzuschauen. Eine Freundesgruppe, die sich seit Jahrzehnten kennt und gemeinsam durchs Leben und durch ihre Urlaube geht. Acht kleine Episoden, aufgeteilt in die vier Jahreszeiten, Frühling, Sommer, Herbst und Winter, untermalt mit Vivaldis – jetzt kommt’s – „Vier Jahreszeiten“. Vielversprechend für mich! Schön!
Drei Ehepaare, sechs enge Freunde – und plötzlich gerät alles aus dem Gleichgewicht, als Nick seine Frau Anne für eine deutlich jüngere Frau verlässt. Nick findet Anne langweilig, er ist nicht mehr glücklich. Er teilt ihr das mit an dem Tag, an dem sie für ihn als Überraschung eine Feier zu Ehren ihres 25. Hochzeitstages ausrichten will, im weißen Brautkleid. Gnädigerweise sehen das die Zuschauer*innen nicht – ich hätte sicher weinen müssen.
Damit fangen die eigentlichen Probleme erst an. Nach und nach zeigt sich, dass jede Beziehung in dieser Gruppe ihre ganz eigenen Schwierigkeiten hat. Das heterosexuelle Ehepaar, das schwule Ehepaar, die inzwischen alleinstehende Anne und natürlich Nick mit seiner jungen Freundin. Die Dynamik der gesamten Freundesclique verändert sich. Und genau das fand ich so schön beobachtet: Diese Menschen kennen sich seit Jahrzehnten, mit all ihren Macken, Geschichten und unausgesprochenen Regeln. Und plötzlich müssen sie ihre Beziehungen zueinander neu sortieren. Das Beziehungsgeklüngel ist nicht das Einzige, was alle überstehen müssen, es kommt zu einem echten Drama, das ich jetzt nicht vorwegnehmen möchte. Es macht die Geschichte plötzlich sehr viel trauriger und gibt ihr eine ganz andere Richtung. Die vier Jahreszeiten werden immer mehr zu einer Art Spiegel der Geschichte. Frühling, Sommer, Herbst und schließlich Winter – dazu Vivaldi. Das passt einfach wunderbar. Im Winter wird die Stimmung dann tatsächlich düsterer und schließlich richtig dramatisch. Trotzdem bleibt die Serie warmherzig, witzig und sehr menschlich.
Es geht um Liebe, Freundschaft, das Älterwerden und darum, dass man sein Leben manchmal neu sortieren muss, obwohl man eigentlich dachte, längst angekommen zu sein. Die Folgen sind mit rund einer halben Stunde angenehm kurz, die Schauspieler*innen großartig, und die Mischung aus Humor und Emotion funktioniert für mich hervorragend.
Ich fand die erste Staffel wirklich gelungen, war am Ende ziemlich berührt und kann die Serie nur empfehlen. The Four Seasons ist in Deutschland seit Mai 2025 auf Netflix verfügbar. Mittlerweile ist auch die zweite Staffel im Stream. Freude!
5/5
The Four Seasons
USA 2025
8 Folgen · ca. 30 Minuten · Netflix
Dramedy/Comedy
Cast: Tina Fey, Steve Carell, Will Forte, Kerri Kenney-Silver, Colman Domingo, Marco Calvani, Erika Henningsen u.v.m.
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