Gruseliges Puppenhaus

c) Universum Film

Amsterdam im Jahr 1686: Die 18jährige Nella Oortman (Anya Taylor-Joy) verlässt ihr Zuhause auf dem Land, in der Hoffnung auf Liebe und Reichtum in der großen Stadt Amsterdam. Sie soll den reichen Kaufmann Johannes Brandt heiraten. Sie wird Rang und Namen haben und sogleich noch ihre Familie daheim etwas unterstützen können. Leider wird sie überhaupt nicht herzlich aufgenommen.

Ihr neues Zuhause ist kalt, dunkel, bedrückend, lieblos. Die Schwester des Gemahls ist eine freudlose, aschgraue Person, meist muss Nella mit ihr und den wenigen Bediensteten im Haus bleiben. Ihr Mann ist sehr viel unterwegs und geht seinen Geschäften nach, leider nicht so erfolgreich wie erhofft. Obwohl Nella eine schlaue Person ist und sich einbringen möchte, besteht an ihrer Hilfe kein Interesse. Ihr Mann bemerkt nun doch, dass sie irgendeine Art von Zuneigung braucht. Er kann ihr körperliche Zuneigung nicht geben, dazu hat er männliche Geliebte. Er schenkt ihr eine Puppenhaus-Nachbildung seines Hauses. Eine Miniaturkünstlerin fertigt dafür eine Ausstattung an. Alles was sie herstellt ist perfekt und fast maßstabsgetreu wie das Original. Allerdings landen fast täglich kleine Päckchen mit wieder kleinen Miniaturen für das Haus auf der Türschwelle, obwohl gar nichts in Auftrag gegeben wurde. Was soll die leere Kinderwiege? Die Miniatur des Angestellten? Es beginnt gruselig zu werden. Sollen Geheimnisse aufgedeckt werden? Von wem und wozu? Die angeblich keusche Schwester des Mannes von Nella selbst trägt auch ein riesiges Geheimnis in sich, und allmählich spitzt sich alles zu. Dass zu diesen Zeiten gelebte Homosexualität indiskutabel war, muss sicherlich nicht extra erwähnt werden. Alles läuft gehörig schief in diesem Haushalt, kann man das Unglück noch abwenden?

Die Miniserie trumpft durch eine prachtvolle Ausstattung auf. Das Amsterdam in dieser Zeit, die Grachten, das Wasser bis vor der Haustür, die Kostüme, die Damen mit ihren Kleidern und Häubchen, wer da beim Betrachten nicht an Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“ denkt! Die Mischung aus Mystery, Familiendrama und Porträt einer puritanischen Gesellschaft vermag über lange Strecken äußerst gut zu unterhalten. Anya Taylor-Joy hat nach dieser Serie drei Jahre später im Damengambit aufgetrumpft und eine ungewöhnliche Story mit einer ungewöhnlichen Leistung geadelt. Deshalb habe ich diese etwas ältere Serie gesehen, und das gern. Ich hätte mir nur ein anderes Ende gewünscht.

:popcorn: :popcorn: :popcorn: :popcorn: :popcornsw:

The Miniaturist – Die Magie der kleinen Dinge
Großbritannien 2017
156 (3 Episoden à 52) Minuten auf Amazon Prime
Regie: Guillem Morales
Cast: Anya Taylor-Joy, Romola Garai, Alex Hassell, Emily Berrington, Hayley Squires

(953)