Jeder Mord ein Kunstzitat
Eine Gruppe wenig erfolgreicher Künstler trifft sich 1936 auf dem englischen Landsitz West Dean. In ein paar Tagen soll es eine Kunstausstellung geben, die den Künstlern zu Ruhm verhelfen soll. Doch schon in der ersten Nacht gibt es einen Mordfall, und er ist eine makabre Anspielung: Die Tote wird ausgerechnet neben René Magritte im Bett arrangiert – und zwar so, dass die Szene an sein berühmtes Gemälde „Die Liebenden“ erinnert: die beiden Personen auf dem Bett sind mit weißen Tüchern über dem Kopf drapiert.
Das Ding mit der Kunst ist eigentlich das Wesentliche dieses Cosy-Krimis. Schon die Ausgangssituation ist köstlich: Denn die „wenig erfolgreichen Künstler“, wie der Scotland-Yard-Inspector sie nennt, sind immerhin René Magritte, Salvador Dalí, Max Ernst, Man Ray und Lee Miller – Namen, die später Kunstgeschichte schreiben sollten. Auch das Treffen ist nicht einfach frei erfunden. 1936 gab es tatsächlich einen wichtigen historischen Berührungspunkt dieser Künstler: In London fand die erste internationale Surrealismus-Ausstellung statt. Der Kunstmäzen Edward James unterstützte die Ausstellung finanziell und organisatorisch und förderte unter anderem Magritte und Dalí. Sein Landsitz West Dean bildet den realen historischen Hintergrund der Serie. Darum ist This is Not a Murder Mystery weniger ein klassischer Whodunit als ein surrealistisches Spiel mit der Kunstgeschichte. Die Serie steckt voller kleiner Kunst-Hinweise. Da tauchen Motive und Ideen auf, die man aus den Werken der damals noch auf dem Weg zum Ruhm befindlichen Künstler kennt – etwa Dalís berühmtes Hummertelefon. Und der Titel der Serie selbst ist natürlich eine besonders hübsche Verbeugung vor Magritte. This is Not a Murder Mystery spielt auf sein wohl berühmtestes Werk „La trahison des images“ – „Der Verrat der Bilder“ an: das Bild einer Pfeife, darunter der Satz „Ceci n’est pas une pipe“ – „Das ist keine Pfeife“. Genau in diesem Schriftzug erscheint auch der Serientitel auf dem Bildschirm. Und ganz nebenbei bekommt man in den sechs Episoden sogar Magrittes berühmtes Pfeifenbild zu sehen – halb verdeckt unter dem Arm des Darstellers, und später in der Ausstellung. Magritte ist tatsächlich für mich der eigentliche Star der kleinen Serie. Unabhängig natürlich von der spannenden Story und der interessanten Auflösung ist man live dabei, wie er zu seinem Markenzeichen, dem schwarzen Bowler Hat und der Pfeife im Mundwinkel kommt. Berührend!
Die anderen großen Freuden der Serie sind für mich, dass man unmittelbar Lust auf die Kunst und auf die Künstler bekommt. Wer die Anspielungen nicht sofort erkennt, wird sich vermutlich dabei ertappen, anschließend Magritte, Max Ernst, Dalí, Man Ray, Lee Miller und ihre Werke zu googeln. So gibt es zusätzlich zu diesem ziemlich schönen Krimi noch ganz nebenbei einen kleinen Kunstkurs. Viel Spaß dabei!
5/5
This Is Not a Murder Mystery
Produktionsland: Belgien / Deutschland
Genre: Krimi, Whodunit, Drama, Cosy-Krimi
Format: Miniserie, 6 Episoden
Laufzeit: ca. 50 Minuten pro Folge
Cast:
Pierre Gervais, René Magritte
Iñaki Mur, Salvador Dalí
Florence Hall, Lee Miller
Frank Bourke, Man Ray
Mike Hoffmann, Max Ernst
u.v.m.
Die Serie ist in Deutschland seit dem 31. Juli 2026 komplett in der ZDF Mediathek verfügbar.
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