Von den Professoren, der Prinzessin, der mysteriösen Schwester und den besten Freunden
Der junge Sherlock Holmes war nicht immer so ein zuverlässiger Supertyp, wie ihn Benedict Cumberbatch verkörpert hat. Nein, als er jung war hatte er zum Beispiel ein seltsames Hobby: Er liebte es zu klauen! Und deshalb hat ihn sein älterer, weitaus langweiligerer Bruder Mycroft immer wieder aus brenzligen Situationen oder dem Knast herausholen müssen. Dann verhalf er ihm zur Gelegenheit der Rehabilitation, so wie hier am Anfang der Serie. Er bringt Sherlock nach Oxford. Gar nicht so unerfreut tritt dieser die Reise nach Oxford an. Leider stellt sich heraus, er darf nicht studieren, sondern muss arbeiten. Da er aber ein schlaues Kerlchen ist, lernt er spielerisch wie damals der gute Will Hunting schon beim bloßen Anblick einer beschriebenen Tafel mehr als die strebsamen Studenten. Und einen guten Freund bekommt er noch obendrein! Moriarty heißt der Gute, und mit ihm kommt er in gefährliche Situationen an der Uni. Sie lösen ein Rätsel und mehrere Mordfälle, auch wenn sie einige Professoren nicht retten können. Seltsamerweise ist Sherlocks persönliche Familiengeschichte in diesen Fall verwickelt. Oder was hat es zu bedeuten, dass Frau Mama im Irrenhaus denkt, sie wird abgehört und genau denselben Sachverhalt beschreibt, wie den, der in Oxford passiert?
Nur zu verständlich, dass Moriarty Sherlock zur Flucht aus dem Gefängnis, in das er wieder geraten ist, verhilft. Er ist hierbei sogar noch schneller als üblicherweise der große Bruder. Die Flucht führt auf das Anwesen der Familie, nicht ohne Frau Mama mitzunehmen. Nicht lange und Herr Papa kommt hinzu. Und nun wird alles sogar noch spannender als der Kriminalfall! Es ist nämlich nicht alles so, wie es scheint oder die Erinnerung hergibt. Die Familiensituation zusammen mit den Zuständen, die zu den Morden führte, ist spektakulärer als gedacht. Sherlocks seltsame Methoden des sich an Sachverhalte Erinnerns erscheinen mir sehr ähnlich dem Eruieren des einige Jahre später praktizierenden Detektivs im Arbeitsstil von Cumberbatch, und das macht das Ganze spooky, skurril und fesselnd zugleich. Die größtenteils englischen Goth-, Indie- und Rock-Songs, die vor allem am Ende erklingen, lassen die Zuschauer*innen nicht vergessen, wo sie sich befinden: im guten alten England!
Der Regisseur Guy Ritchie hat perfekte Arbeit geleistet. Er, der vor etlichen Jahren schon einmal Sherlock Holmes auferstehen ließ (mit Robert Downey Junior als Sherlock und Jude Law als Dr. Watson) hat einen Schauplatz kreiert, an dem man sich wirklich wie in England um die Zeit von Sherlock Holmes vorkommt. Unbedingt erwähnenswert ist der Cast. Alte und neue Stars harmonieren perfekt. Hero Fiennes Tiffin (28) als 19-jähriger Sherlock ist ein Spross der berühmten Fiennes-Dynastie (seine Mutter Martha ist Regisseurin, seine Onkel Ralph und Joseph Fiennes gehören zu den Größen Hollywoods), Onkel Joseph spielt den Holmes-Vater. Max Irons (40), Sohn von Kino-Legende Jeremy Irons, stellt seinen großen Bruder Mycroft dar. Colin Firth darf einen sich selbst ziemlich toll findenden Professor spielen.
Ich habe diese kurze Zeit des Erwachsenwerdens-und-seine-Profession-Findens des jungen Sherlock Holmes sehr genossen! Ich könnte mir vorstellen, oder hoffe zumindest, dass es eine zweite Staffel gibt.

Young Sherlock
Genre: Mystery, Abenteuer, Action
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
Premiere: 4. März 2026
8 Episoden auf Amazon Prime Video
Cast: Hero Fiennes Tiffin, Dónal Finn, Zine Tseng, Joseph Fiennes, Natascha McElhone, Max Irons, Colin Firth u.v.a.
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