„Ich übe noch an meinen langen Ansagen.“
Der luxemburger Musiker Jérôme Reuter ist seit 2005 mit Rome musikalisch unterwegs und im Bereich des Neofolk und Martial Pop zu Hause. Dabei verarbeitet er oft sozialkritische bzw. historische Themen wie beispielsweise den spanischen Bürgerkrieg auf dem Album Flowers from exile oder mit A passage to Rhodesia den rhodesischen Bürgerkrieg. Chansonnier Jaques Brel und Leo Férré gehören zu seinen wichtigsten Einflüssen, und so bezeichnet er seinen Stil auch als Chanson Noir. Noch kurz vor Ausbruch des Krieges hatte er in der Ukraine ein Konzert gespielt, und die grausamen Ereignisse danach haben ihn nicht losgelassen. Nicht nur hat er online Solidaritätskonzerte gespielt, für die er Morddrohungen erhalten hat. Mit Gates of Europe hat er sogar ein ganzes Antikriegs-Album aufgenommen und ist der erste ausländische Künstler, der in die Ukraine gereist ist, um dort komplette Konzerte zu spielen. Vor dem Hintergrund sind wir natürlich mehr als gespannt, wie die Show heute ausfallen wird. Weiterlesen

Dread Sovereign wurden 2013 in Dublin gegründet. Bisher wurden die EP Pray to the Devil in Man und das erste Album All Hell’s Martyrs veröffentlicht. Das Nebenprojekt von Primordials Sänger Alan Averill, besser bekannt als Nemtheanga, geht nun mit For doom the bell tolls in die zweite Longplayer-Runde. Bei Dread Sovereign bedient er zusätzlich den Bass, die weiteren Mitstreiter sind Dubh Sol, der auch bei Primordial Schlagzeug spielt, und Bones an der Gitarre, der außerdem bei Wizards of Firetop Mountain aktiv ist. Zusammen bilden sie ein unheiliges Dreigestirn, das sich nicht von Genregrenzen einengen lässt. Das fängt schon bei den Albumcovern an. Kein typischer Metalband-Schriftzug, und im aktuellen Fall dazu eine düstere Hinrichtungsszene, die aus einem alten Holzschnitt von Albrecht Dürer stammen könnte. Auch die angegebenen Songlängen sind ungewöhnlich und alles andere als radiokompatibel, und ein Strophe-Refrain-Strophe-Schema sucht man vergebens.
Kraftvoll ertönt Alan Averills Stimme aus den Lautsprechern, im Hintergrund ist das Jubeln der Fans zu hören – und schon ist man mittendrin, schon packt einen diese ganz besondere Magie, die Primordial bei ihren Konzerten verströmen. Nach der Live-CD/DVD All empires fall aus dem Jahr 2010, die zwei Konzerte enthielt (Ragnarök-Festival 2008, Dublin 2009), folgt nun mit God to the godless eine weitere Live-CD der Band, die ihren Auftritt auf dem Bang Your Head 2015 festhält. Live-Mitschnitte sind ja sehr verbreitet, nahezu jede Gruppierung bringt im Lauf ihrer Karriere mindestens einen davon auf den Markt, und über Sinn und Zweck kann man sicher streiten (außer dass damit Geld verdient werden soll, klar). Doch bei manchen Bands sind die Konzerte so viel intensiver, so viel mehr für die Ewigkeit wie die Studioalben, da ist ein guter Live-Mitschnitt ein absolutes Muss. Primordial gehören zweifellos dazu.