Echt underground
Als Cataphiles werden die Explorer*innen bezeichnet, die verbotenerweise die verborgenen Gänge und Tunnel im unterirdischen Labyrinth von Paris durchstreifen. Nun stammt die Band zwar aus Bremen und hat sich 2020 zur Pandemiezeit gegründet, aber eine Vorliebe für das Dunkle und Verborgenene ist wohl dennoch nicht von Hand zu weisen. Der Name ihres zweiten Albums, Shadow Self, benennt das versteckte Ich in der menschlichen Psyche. Die Veröffentlichung ist eine Zusammenarbeit von Sabotage Records (LP) und Bat-Cave Productions (CD). Anja am Synthesizer teilt sich dabei den Gesang mit Gitarrist Mommers, und Bassist Heini und Drummer Jan ergänzen das Quartett. Nun ist es aber Zeit ins Dunkle hinabzusteigen. Weiterlesen


Jaja, 1976, nur drei Akkorde, Schweiß und Pogo, und 1982 war der Punk auch schon wieder tot. Das ist eine mögliche Sichtweise, für die es auch Gründe gibt. Trotzdem gab und gibt es immer eine Nische, in der der Geist von Punk abseits der Kommerzialisierung gelebt wird. Die 2020 in Bremen gegründeten Burnout Ostwest sind so ein Beispiel. Die Band besteht aus Felix Büttner (früher Saxophon bei Schwarz auf Weiß), der auch bei Alltag am Synthesizer aktiv ist, und Hannes Gehring, auch Mitglied bei Mercedes Jens und den Überfliegern Team Scheiße. Dabei beschränken sie sich eben nicht auf die obligatorischen drei Akkorde, sondern setzen auch auf reichlich elektronische Elemente. Und dann noch das Cover vom neuen Album Bremer Schule, auf dem rotzfrech das Haus der legendären Monarchie und Alltag von Fehlfarben abgerissen wird.
Bremen, Schlachthof, Ende März, kurz vor acht Uhr abends; erster Termin der Europatour von The Dead South. Ein paar Stunden nach dem
Eines schönen Tages, ich höre mir gerade nebenher den Soundtrack von I‘m not there an, spült mir YouTube ungebeten einen Song vor die Ohren, der mich leicht irritiert hochsehen lässt. Ein gezupftes Cello, eine fies eingängige Banjo-Hookline, drei Stimmen, eine rauer und besser als die andere. Irgendwie Bluegrass, aber nicht ganz, irgendwie witzig, aber nicht nur, und irgendwie … ehm, gut. Definitiv sehr gut. Das ist aber gar nicht meine Musikrichtung, und ich bin mir nicht mal sicher, ob ich hier nicht gerade auf die Schippe genommen werde. Warum zum Geier habe ich dann das Gefühl, gerade etwas Wichtiges gefunden zu haben, ähnlich wie damals, als ich zum ersten Mal über Front 242 stolperte, und könnte es bitteschön einen noch unpassenderen Vergleich geben? Was genau tun die vier freundlichen Herren mit ihren Instrumenten in einem Brunnen, uhm, in einem Rapsfeld, äh, auf einer Verkehrsinsel? Wer ist das, was spielen sie sonst so und warum zum Teufel ist das so … gut? – Es waren The Dead South, sie machen auch sonst großartige Musik, über den Rest denke ich immer noch nach. Drum dachte ich, ich geh‘ sie mal fragen.