Großes Abenteuer auf kleiner Bühne
Dienstagabend, das Haar sitzt, der Herr Fotograf aka Elwood und ich kämpfen uns durch die Ansammlung von Baustellen, die bei mir im Kopf immer noch Kunstpark Ost heißt (ja, ich werde alt). Nach einer mittellangen Odyssee stehen wir im Technikum – ach ja, das war ja so klein, wie gemütlich. Auf dem Programm steht die Neal Morse Band mit ihrem neuen Konzeptalbum The Great Adventure, das ich hier schon rezensiert hatte.
Aus sicherer Quelle weiß ich, dass das Album von vorne bis hinten durchgespielt wird und dann noch Zugaben folgen, ich bin gespannt und voller Vorfreude. Das Technikum ist nach kurzer Zeit gut gefüllt, aber nicht gedrängt – ich schätze das mal auf 400 Leute. Weiterlesen


Oh mein Gott, sie benutzen das F-Wort! Was mich persönlich weder großartig stört noch beeindruckt, ist trotzdem ein deutliches Zeichen, dass Marillion mit diesem Album aufrütteln wollen. Es geht um Angst, Geldgier, Krieg, das politische System, Banker und russische Oligarchen, die eine zukünftige neue Weltordnung bestimmen könnten: „We are the new kings, we do what we please while you do what you’re told“. Auch persönliche Themen wie Beziehungen und Familie werden in den Texten des Sängers Steve Hogarth angesprochen: „You say I’m becoming harder to live with – but you can’t see inside my head“.
Ursprünglich fingen die 2006 vom Liechtensteiner Michael Sele (Gesang und Gitarre) gegründeten Schweizer als düster-elektronische Goth-Rock-Band an, die mit dem Song „Suicidal Landscape“ vom ersten Album Diary of a Lost gleich einen veritablen Clubhit landen konnten. So nach und nach durchbrachen sie dann die Genrebeschränkungen und integrierten auch andere Musikstile in ihre melancholische, vor allem von der einprägsamen Stimme Michael Seles getragenen Melange. Mittlerweile sind sie bei einer recht einzigartigen Mischung aus Gothrock, Wave-Anleihen und ganz viel Folk und Americana angekommen, die ich ganz bezaubernd und wirklich spannend finde (nachzuhören etwa auf dem 2013er-Album The Myrrh Session mit akustischen Neuinterpretationen alter Songs). Dementsprechend gefreut habe ich mich auf das neue Album.