Ein großartiges Werk
Seit der EP VI (Rezension) ist bei Kite viel passiert, es wurden weitere Singles über Bandcamp veröffentlicht, zwei fulminante Konzerte in der Königlichen Schwedischen Oper durchgeführt und aufgenommen, auf Festivals gespielt und der Bekanntheitsgrad stetig durch musikalische Qualität erweitert. Unsere Redaktion hat das Duo nie aus den Augen verloren und verfolgt ihre Erfolge. Die skandinavische Synthie-Pop-Szene hat vor 16 Jahren mit Nicklas Stenemo und Christian Berg alias Kite eine hervorstechende Band hinzugewonnen. Bis dato fehlte allerdings noch ein Studioalbum, das am 9. August Wirklichkeit wurde. VII versammelt 14 der tiefgründigsten und dynamischsten (ja, das geht!) Hymnen des Duos aus den letzten sieben Jahren. Die Sammlung stammt aus einer Reihe von 7-Inch-Singles und zeigt auf überzeugende Weise Kites unverkennbare Varianten des schwedischen Darkwave in all seiner Herrlichkeit und Trostlosigkeit. Weiterlesen

Kite – das sind Nicklas Stenemo und Christian „Kitte“ Berg. In Schweden seit Langem durch verschiedene Bands bekannt, seit elf Jahren zusammen als Kite aktiv und mit Kultstatus. Durch diverse Festivalauftritte und ein paar Einzelkonzerte hat sich das Duo auch in Deutschland einen fast schon legendären Ruf erspielt und mit ihren magischen Shows viele Fans gewonnen. Die Freude war groß, als im Jahr 2017 eine Deutschland-Tour angekündigt wurde, die dann allerdings erst einmal verschoben und schließlich ganz abgesagt werden musste. Sänger Nicklas hatte einen veritablen Burn-out und musste sich dringend erholen. Wie lange die Zwangspause andauern würde, war nicht abzuschätzen, und umso größer war der Jubel, als vor einigen Monaten wieder ein Konzert in Stockholm angekündigt wurde. Der Ansturm auf die Tickets hat jede Rammstein-Tour in den Schatten gestellt, in zehn Sekunden war das Venue ausverkauft, sodass die Veranstalter einen zweiten Termin für den Vortag organisierten. Auch hier: Nach zehn Sekunden waren die Tickets weg und das Wehklagen unter den leer ausgegangenen Fans groß. Die Konsequenz? Ein dritter Termin am selben Wochenende Ende März, und dieses Mal hatte ich nach zwei vergeblichen Versuchen Glück und konnte Tickets für mich und zwei Freunde ergattern. Umgehend wurden Hotel und Flug gebucht, und dann begann das lange Warten auf Kite und ein phänomenales Wochenende in der schönsten Stadt der Welt.
Im Vorfeld des Konzerts von The Exploding Boy im Münchener Backstage Club (
Mein Amphi-Samstag beginnt etwas später als geplant, die wunderbaren Empathy Test und die abkühlenden Eisfabrik hätte ich gern gesehen. Oder ein bisschen Postpunk mit den Lokalmatadoren Holygram im Theater? So richtig fit bin ich allerdings erst nach dem Mittagessen und starte den Tag gleich auf der Orbit Stage, also der MS RheinEnergie, die heute wie angekündigt wieder am anderen Rheinufer liegt, aber diesmal nicht an der Hohenzollern- sondern an der Deutzer Brücke. Das ist von meinem Hotel aus sogar sehr recht komfortabel, am nahe gelegenen Heumarkt hat man eine Fülle an Essensmöglichkeiten, weshalb ich dann gestärkt um drei auf dem Schiff zu Aeon Sable aufschlage. Letzten Herbst habe ich die Band, die Gothrock der alten Sisters– und Fields-Schule wiederaufleben lässt, bereits in Deutzen auf dem NCN gesehen, da haben sie mir gut gefallen, trotz prallem Tageslicht. Heute stimmen die Lichtverhältnisse, es ist schön düster und bandeigene Strahler sorgen für großartige Lichteffekte auf der Bühne. Sänger Nino und seine Kollegen geben alles, es ist wirklich schaurig-gothisch – mir aber fast einen Tick zu betont schwer und schleppend. Ein bisschen zäh kommt es mir zeitweise vor, vielleicht bin ich aber auch nur sehr ungeduldig, weil danach Henric de la Cour auf dem Plan steht … Songs wie „Hypaerion“, „Elysion“, „Dancefloor satellite“ oder „Praying mantis“ sind definitiv Perlen des gothischen Düsterrocks, und die Band erntet den verdienten Applaus. 