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Die größte Discokugel der Welt

Seit Jahren schwärmt mir meine Kollegin torshammare von KITE vor, und beim Reinhören daheim finde ich die auch wirklich nicht schlecht, aber so richtig hat es mich irgendwie nie gepackt. Aber nun ist es soweit, ich will mich jetzt endlich mal live selbst überzeugen. Wahrscheinlich muss ich die Band nicht mehr ausführlich vorstellen, mache das an dieser Stelle aber einfach auch für mich. Nicklas Stenemo und Christian Hutchinson Berg – beide ursprünglich aus Småland – sind bereits durch diverse Bands in der schwedischen Musikszene etabliert, als sie 2008 in Malmö KITE gründen. Nicklas übernimmt das Mikro, die Soundwelten erschaffen beide mit gefühlt unzähligen Synthesizern. Aufgefallen sind KITE nicht nur durch ihre Veröffentlichungspolitik – EPs und später einzelne Singles -, sondern auch durch spektakuläre Konzertkonzepte wie zum Beispiel in der Stockholmer Königlichen Oper oder dem ehemaligen Steinbruch Dalhalla. Und natürlich: Kite on Ice im Stockholmer Globen, bei dem torshammare dabei war (Link zum Nachlesen). Nachdem KITE 2017 und 2024 schon in München hätten spielen sollen und beide Male wegen Krankheit absagen mussten, haben viele Fans bis zum letzten Moment gebibbert, ob das Konzert auch wirklich stattfindet. Dieses Mal klappt es! Im Vorprogramm haben KITE die Band Vague Phonique aus Stuttgart dabei, die seit 2023 eine Mischung aus Darkwave und Synthie-Pop spielen. Sie waren auch schon einmal in unserer Rubrik Band der Woche vertreten (Link). Weiterlesen

Der Tod ist absolut wundervoll

Der Bandname Scheitan leitet sich von dem arabischen Wort für Teufel ab. Den Bass und die Gitarre teilen sich beide Gründungsmitglieder, Pierre Törnkvist übernimmt den Gesang, und Oskar Karlsson trommelt die Felle. Seit 1996 waren die beiden Schweden damit in Luleå aktiv und haben eine wilde Reise hingelegt. Nach drei Alben im Bereich von Black Metal, Melodic Death und Gothic Metal war 2000 erst einmal Schluss. Zwischenzeitlich gründeten die zwei die Death-’n’-Roll-Band Helltrain, doch Oskar ist leider 2016 verstorben. Erst 2023 gab es neue Lebenszeichen von Scheitan als Soloband von Pierre in Form dreier Singles, bevor 2024 das vierte Album Songs for the gothic people erschienen ist. Nun liegt das neue Album Wine for a tormented soul über The Circle Music vor. Weiterlesen

Herbsttraurigkeit statt Urlaubsfeeling

Visions_In_Clouds_Leave_MeDas Grundgerüst der 2015 gegründeten Band Visions In Clouds aus dem schweizerischen Luzern bilden Sänger und Gitarrist Pascal Zeder und Drummer Simon Schurtenberger. Bereits mit ihrer EP Levèe en masse hatten sie mich begeistert (Link zur Review). Für das neue und mittlerweile dritte offizielle Album Leave me, das bei Icy Cold Records erschienen ist, haben sie außerdem Leandra Reiser und Florian Estermann zur Unterstützung ins Boot geholt. “Don’t leave me” oder “Leave me alone”, das kann vielfältig interpretiert werden. Weiterlesen

I don’t know why people make happy songs.

Im Gespräch mit Johan Sjöblom und Robert Eklind

DSC_3188Vor ein paar Wochen waren SJÖBLOM zusammen mit The Cassandra Complex auf Tour und haben da erfreulicherweise auch Station in München gemacht. Nach unserem Interview mit Johan Sjöblom Eliots Hauptband The Exploding Boy im November 2018 (LINK) freuen wir uns, ihn wiederzusehen, dieses Mal zusammen mit Bandpartner Robert Eklind. Bevor die beiden im Backstage Club auf die Bühne gehen, ist Zeit für ein Interview. Nachdem wir uns versichert haben, dass sie essenstechnisch gut im Backstage versorgt wurden, reden wir noch ein wenig darüber, wie sie früher Stress und Nervosität um einen Auftritt herum bekämpft haben und wie gut es ist, immer beschäftigt zu sein. Konzerte ohne Alkohol sind tendenziell sehr viel besser, aber nachdem man sich ja in Deutschland befindet, darf man sich später auch ein deutsches Bier gönnen, sind wir uns alle einig. Nach diesem leichten Vorgeplänkel geht’s dann richtig los mit unseren Fragen, für die bessere Lesbarkeit hier leicht gekürzt und sprachlich geglätttet. Weiterlesen

Balsam für die traurige Seele

Sjöblom-Dead-of-nightSJÖBLOM aus Stockholm wurde 2016 als Soloprojekt von Johan Sjöblom Eliott gegründet, der außerdem Mitglied der Post Punk Band The Exploding Boy ist. Dafür hat er zusätzlich Robert Eklind ins Boot geholt, der vorher bei Malaise aktiv gewesen ist. Nach dem ersten Album 6 (Link zur Review) sind einige Singles und EPs erschienen. Das neue Album Dead of night wurde zeitgleich mit The Cures Songs of a lost world veröffentlicht, und ob nun Zufall oder nicht. Der Name The Exploding Boy wurde von einem ihrer Songs übernommen, ein gewisser Einfluss ist hier also durchaus vorhanden. Aber warten wir es ab. Weiterlesen

Die Welt gehört nicht deinem Schwanz

Laut_Fragen_Age-of-AngstDie Bandgründung des Wiener Duos Laut Fragen geht auf ein Filmprojekt über Obdachlosigkeit zurück, bei dem sich Maren Rahmann und Didi Disko 2016 getroffen hatten. Multiinstrumentalist Didi spielt auch bei Collapsing New People, und Maren hat sich als Chanson-Sängerin auch mit Textvertonungen beschäftigt. Dabei gehen sie experimentell vor und erweitern so ihr musikalisches Spektrum, das sich grob zwischen New Wave und Post Punk bewegt. Nach zwei Alben und zwei EPs (Link und Link) ist mit Age of Angst auf Numavi Records das erste Album erschienen, das ausschließlich auf eigenen Texten beruht. Umso mehr ein Grund genau hinzuhören. Weiterlesen

Alles, nur kein Pop

Vlimmer_MenschenleereVlimmer ist das musikalische Projekt von Alexander Leonard Donat, der darüber hinaus in Berlin auch das DIY-Label Blackjack Illuminist Records betreibt. Trotz einer beeindruckenden Serie von achtzehn thematisch zusammenhängenden EPs und dem Debütalbum Nebenkörper ist Vlimmer Neuland für mich, das ich nun mit Menschenleere entdecken möchte. Mittlerweile ist zwar längst auch das dritte Album Zerschöpfung erschienen, aber das muss nun erst noch einmal warten. Weiterlesen

The Boys are back

Duran_Duran_FUTURE_PAST_albumcover_artwork_1000pxDURAN DURAN, muss man diese 1978 gegründete Band noch irgendwem groß vorstellen? Wenn, dann hat diese Person die Achtziger verpennt oder war noch nicht geboren. Sänger Simon Le Bon, Bassist John Taylor, der nicht verwandte Schlagzeuger Roger Taylor und nicht zuletzt Nick Rhodes am Keyboard waren die Vorreiter der New-Romantic-Bewegung und lieferten mit New-Wave-Megahits wie „The Wild Boys“, „Hungry like the wolf“ oder „Rio“ einen elementaren Bestandteil zum Soundtrack der Achtziger. Und im Gegensatz zu manch anderen Vertretern sahen sie dabei nicht nur umwerfend gut aus, sondern waren auch im gleichen Maße musikalisch.
Vierzig Jahre nach ihrem selbstbetitelten Debütalbum 1981 ist kürzlich mit FUTURE PAST das 15. Studioalbum der Ausnahmeband erschienen, mit dem sie auch das 40-jährige Jubiläum der Bandkonstallation feiern. Weiterlesen

Es sprechen die dunklen Seiten der Achtziger

Fall-ShockFall Shock ist eine italienische Band, die 2018 von Francesco Kay, einem Ghost Producer, Sänger und Schlagzeuger in Personalunion, gegründet wurde. Kurz darauf trifft er den Death Metal Gitarristen Markus O., gemeinsam haben sie den Sound vom Debütalbum Interior entwickelt, das unlängst bei Manic Depression Records erschienen ist. Der Tod mag vielleicht vorhanden sein, doch Metal sucht man dabei vergeblich. Stattdessen wagen sie den Tanz auf dem schmalen Grad zwischen Darkwave und Synthiepop. Weiterlesen

Nebel, Tanzfläche, schweben

a3871787772_10Bald ist wieder Katzenclub in München (02.11.2019), und auf dem Festival sind unter anderem Geometric Vision aus dem italienischen Neapel zu Gast, die ich euch vorstellen möchte. Sänger Ago Giordano hat sich zunächst solo im Darkwave ausprobiert, dann aber mit Gennaro Campanile, der den Bass bedient, und Gitarrist Roberto Amato Mitstreiter gefunden. Das Debütalbum Dream ist 2013 erschienen und zwei Jahre später folgte Virtual analog tears. Das aktuelle Album Fire! Fire! Fire! erschien bereits 2018 und soll nun endlich gewürdigt werden. Weiterlesen