Serienperfektion a la Neil Gaiman
Mit der ständigen Überfütterung an neuen Serien auf verschiedensten Streaming Plattformen muss ich ehrlich sagen, ich verfolge die neuesten Hypes nur noch oberflächlich. Es gibt nur noch sehr, sehr wenige Serien, bei deren Ankündigung ich aufhorche und auf die ich mich wirklich freue. Aber Sandman ist definitiv eine davon.
Viele Comicadaptionen, ob für Fernsehen oder die große Leinwand, werden von Fans und manchmal sogar den Autor*innen und Künstler*innen der Comics selbst als Enttäuschung empfunden. Vielleicht hat es deshalb 30 Jahre gedauert, bis Neil Gaiman die Rechte vergeben hat. Viele Stimmen unkten, das könne ja nichts werden, der Stoff sei unverfilmbar (Herr der Ringe, anyone?), zu komplex, zu sehr in das Graphic Novel-Medium eingebettet. Ich hatte immer das Gefühl, wenn Gaiman es nach so langer Zeit versucht, dann nur, weil er weiß, dass es funktioniert. Mit anderen Worten: Meine Erwartungen waren enorm. Und sie wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen.


Da ich davon ausgehe, dass H. P. Lovecraft unseren Lesern kein Unbekannter ist, fasse ich mich kurz: Howard Phillips Lovecraft ist ein aus New England stammender Schriftsteller anfangs des 20. Jahrhunderts, der zu Lebzeiten leider erfolglos blieb. Erst später erhält er weltweite Anerkennung, nicht zuletzt durch Autoren wie Stephen King und Neil Gaiman. Er war seiner Zeit weit voraus, doch heute sind seine Geschichten um die Großen Alten und den Cthulhu-Mythos, die Tod und Wahnsinn verheißen, längst Kult. Unzählige Filme, Spiele und Romane sind auf sein Werk zurückzuführen, das auch viele Bands beeinflusste.



„Als ich sieben Jahre alt wurde, kam niemand zu meiner Geburtstagsfeier.“ Das ist die erste Erinnerung, die zurückkommt, als der namenlose 49-jährige Mann in die Heimat seiner Kindheit zurückkehrt. Das Elternhaus wurde längst abgerissen, doch er fährt weiter die Straße entlang, bis hin zu einem uralten Gehöft, wo ihn die Familie seiner alten Freundin Lettie Hempstock so herzlich begrüßt wie eh und je. Um seine Gedanken zu sortieren, setzt er sich an den Ententeich, der gar kein Ententeich war – denn glaubte man Lettie Hempstock (und das tat er), dann war er ein Ozean. Und als er sich dieser Erinnerung bewusst wird, kommen auch alle anderen wieder und brechen wie die Brandung des Ozeans über ihn herein.
