Erst auf die Fresse, dann auf die Seele
Es ist schon eine ungewöhnliche Kombination, die heute im Kafe Marat geboten wird. Kælan Mikla sind drei Damen aus Island und spielen von der isländischen Kälte inspirierten Cold Wave, bei dem der Gesang in der isländischen Muttersprache sicherlich sehr zur düsteren Atmosphäre beiträgt. Im Gegensatz dazu ist Kackschlacht ein Brüder-Duo aus Braunschweig, das in der deutschen Muttersprache vorgetragenen ultraschnellen Punk spielt. Inspiriert werden sie dabei von der Kacke, die in Deutschland eben so vor sich hindampft. Zwei Bands also, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Was beide Bands gemeinsam haben außer dem K als Anfangsbuchstaben: Beide haben mich vom Fleck weg mit ihrem Sound begeistert, als ich auf sie gestoßen bin. Da ich beide ebenso noch nicht live erleben konnte, bin ich quasi doppelt gespannt auf den heutigen Abend. Weiterlesen

Dieses Buch ist ungewöhnlich, und das fängt schon beim Cover an. Dieses ist quietschneonpink, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, auch wenn man damit in der Öffentlichkeit ungewollt Aufmerksamkeit erregt. Wenn man es aufschlägt, findet man Unmengen von Fotos, Handgeschriebenes, Zeitungsartikel, Plattencover und sonstige Schnipsel in bester Punkmanier präsentiert, so dass man unweigerlich erst einmal willkürlich das Buch durchblättert. Und das mehrmals, bevor man mit dem eigentlichen Lesen beginnt.
Die legendären Sex Pistols gelten gemeinhin als eine der ersten Punkbands der Welt, und deren Sänger John Lydon, den meisten besser bekannt als Johnny Rotten, hat mit Anger is an energy seine Autobiographie verfasst. Nach den Sex Pistols gründete Lydon die Band Public Image Limited, kurz PiL genannt, mit der er bis heute aktiv ist. Erst letztes Jahr ist er auf dem Wave Gotik Treffen aufgetreten und hat eine beeindruckende und energiegeladene Show präsentiert.
Der Leser erfährt aus der Ich-Perspektive der Hauptfigur Anton Kummer, wie er in dem kleinen Kaff Düsterbusch aufwächst. Durch viele kleine Geschichten baut sich langsam sein Werdegang auf, und man kann sehr gut miterleben, wie Anton zu dem jungen Mann heranreift, der keine Lust hat, sich linientreu der Parteiführung anzupassen und den kleinbürgerlichen Mief auf dem Dorf und der DDR überhaupt zu ertragen. Schon früh lernt er Existentialisten und Hippies kennen, die die staatlichen Obrigkeiten ablehnen, was ihn nachhaltig beeinflusst. Immer wieder hat er Ärger in der Schule, Ärger bei der Lehrstelle und Ärger auf der Arbeit. Das einzige, was ihn wirklich interessiert, ist Westmusik, die ihn die Freiheit spüren lässt, die ihm im täglichen Leben fehlt.