God is in the house
Nick Cave scheint über unerschöpfliche Kreativitäts- und vor allem Energiereserven zu verfügen, trotz seiner gut sechzig Jahre und – wie wir alle wissen – nicht leichten zurückliegenden Jahre. Mit dem Album Skeleton tree und der dazugehörigen Tour hat er so öffentlich wie intim um seinen verunglückten Sohn Arthur getrauert und sich von Abend zu Abend mehr dem Publikum geöffnet. Wer bei einem dieser Konzerte war, weiß, was ich meine. Nick Cave hat für sich die Kommunikation, den Weg nach außen gefunden, um mit dem Schmerz und der Trauer fertig zu werden und beständig neue Kraft zu schöpfen. Auf seiner Webseite The Red Hand Files beantwortet er Fragen, die ihm Menschen zugeschickt haben – manche ganz banal, manche sehr schwer und tiefgründig. Daraus entstand ein ganz neuartiges Auftrittskonzept, die „Conversations with Nick Cave“, mit dem er 2019 in ausgewählten Städten auftrat. Die Idee: Er allein mit Klavier auf der Bühne, abwechselnd spielt er Songs und beantwortet Fragen aus dem Publikum. Ohne Netz und doppelten Boden. Nicht viele Künstler*innen sind so souverän (Amanda Palmer würde ich gern mal in so einem Rahmen erleben), und nicht viele haben so viel zu sagen. Jeder dieser Abende ist eine Wundertüte, und umso gespannter bin ich auf den heutigen Auftritt im Kurhaus Wiesbaden. Weiterlesen

NICK CAVE & THE BAD SEEDS
Ein neues Album vom Großmeister Nick Cave und den Bad Seeds – normalerweise ein Anlass zu Freudenschreien, Atemnot, Schweißausbrüchen und sehnsüchtigem Abzählen der Tage bis zum Veröffentlichungstermin. Dieses Mal ist die Lage ein wenig anders. Kann man sich ehrlich auf ein Werk eines Menschen freuen, der erst vor etwas mehr als einem Jahr einen unfassbaren Verlust erlitten hat? Am 15. Juli 2015 stürzte Arthur, einer der beiden fünfzehnjährigen Zwillingssöhne von Nick und Susie Cave, unter LSD-Einfluss von den Klippen in Brighton. Die Aufnahmen zur halb fertiggestellten neuen Platte Skeleton Tree kommen für Monate zum Erliegen. Ein halbes Jahr nach dem Unglück beschließt Nick, doch wieder ins Studio zu gehen und das zu tun, was er schon immer macht: Musik. Begleitet werden die Arbeiten vom befreundeten australischen Regisseur Andrew Dominik und seiner Schwarz-Weiß-Kamera. Dabei ist der hochgradig berührende und sprachlos machende Film
Am gestrigen 8.9.16 lief weltweit nur an diesem einen Tag One more Time with Feeling in den Kinos, ein Film vom australischen Regisseur Andrew Dominik über Nick Cave zum neuen Studioalbum Skeleton Tree, das heute, am 9.9.16 erscheint. Viel erfuhr man im Vorfeld nicht, außer dass es Studioaufnahmen und Interviews mit den Musikern zu sehen geben würde, außerdem natürlich Einblicke in die neuen Songs. Vielleicht eine Art Fortführung der teilfiktionalen Nick-Cave-Biografie 20.000 Days on Earth aus dem Jahr 2014? Als beinharter Nick-Cave-Fan ist es aber auch egal, der Mann könnte zwei Stunden über Telefonbücher philosophieren, und man würde ihm ergriffen an den Lippen hängen. Drei Jahre sind seit dem gefeierten Album Push the Sky away vergangen, viel ist passiert im Leben von Nick Cave und seiner Familie, sodass ich nicht gedacht hätte, jetzt schon bald wieder ein neues Album in Händen halten zu dürfen.