Nothing stops
Die beste Musik entsteht ja oft dann, wenn jemand diverse Genres richtig gut kennt, gespielt und aufgelegt hat – und dann was anderes macht. Björn Peng hatte seine Wurzeln schon lange im Punk und Hardcore geschlagen, bevor er sich ab 2006 Minimal-Elektropunk und Techno widmete, Wave-, Goth-, EBM- und (jawohl) Eurodance-Einflüssen ihren Lauf ließ und schließlich mit dem Titel des ersten Longplayers Dark Rave (2014) freundlicherweise gleich dazusagte, wie man den so entstandenen, sehr eigenen, extrem düsteren und ebenso treibenden Stil nun nennen darf. Am ersten Mai dieses Jahres erschien der Nachfolger Volk off! Der stetige musikalische Output in diversen Projekten und Kolaborationen und die große Live-Präsenz mögen was anderes nahelegen, aber es ist tatsächlich erst der zweite Björn-Peng-Longplayer, wenn man das 2017 erschienene Nihilist Tunes mit seinen sechs Tracks als EP zählt. Und war der Titel der ersten LP eine Art Genre-Ansage, ist der der zweiten eine inhaltliche, falls irgendwer da irgendwelche Zweifel gehabt haben sollte.
Was draufsteht, ist auch drin, wird aber nicht gepredigt. Bei Björn Peng stehen die allermeisten der Text-Samples für sich, Quellenangaben und damit Verweise auf eine externe Deutungsinstanz gibt es nicht. Tendenzen sind natürlich erkennbar, nötige Durchsagen kommen in nötiger Deutlichkeit, ansonsten bleibt die Auslegung aber den Hörer*innen überlassen. Na dann mal los. Weiterlesen

Nach Schottendisco (
„Walpurgis Night (feat. Zanias)“ von I Hate Models passt perfekt zur Walpurgisnacht. Der Track wurde letzten Sommer mit zwei weiteren Titeln (darunter ein Wave-Remix von DJ Varsovie) auf der Midnight Cults – EP veröffentlicht. Zoé Zanias (Keluar, Linea Aspera) faszinierender, hallender Gesang durchdringt den kraftvollen und melodischen EBM-/Cybergoth-Sound. Rundum gelungene dunkle, technoide Welten, die sphärisch gut klingen!
Kürzlich waren der Berliner Minimal-Punker Ben Bloodygrave und die Leipziger Wave-Punk-Band Dividing Lines zu Gast im Münchner Kafé Kult, diesen feinen Konzertabend hat der Münchener GrGr eröffnet. Sein wichtigstes Instrument ist der Gameboy, von dem gleich zwei zwischen allerlei Elektro-Equipment bereitstehen. Der Auftritt machte mächtig Spaß, also kaufte ich Gregor Sandler, wie GrGr im bürgerlichen Alltag heißt, nach der Show mangels Alternativen eine Kassette ab. Die erste Auflage war wohl schon vergriffen, aber am Vortag kam zum Glück die neue Ladung. Also GrGr für ein Exemplar einfach anschreiben. Das Gameboy Tape ist giftgrün, und die Black Flag Hommage mit Gameboys ist einfach klasse. Ich habe nun endlich einen Grund, den alten Walkman aus der Schublade hervorzukramen. 
Im Gegensatz zur Electronic Body Music, die stets mit textlichen Inhalten kombiniert ist, konnte ich mit der Techno-Bewegung nie etwas anfangen und empfand diese immer als monoton und inhaltsleer, ganz zu schweigen von ihren Anhängern. Selbstverordnete Pseudohappiness dank Pillen sind nicht mein Ding. Um so mehr bin ich von HC Baxxter aus Hannover überrascht (der auch mit SNARG unterwegs ist), dessen Name bereits perfekt zusammenfasst, was einen musikalisch erwartet. Hardcore Punk meets Techno. Kleben wir also wahlweise Rave-Punk oder Technocore auf die Schublade und ziehen diese ganz weit über alle Genregrenzen hinweg auf.
In der heutigen Zeit ist die deutsch-amerikanische Freundschaft ja etwas unentspannt, was nicht nur, aber sicherlich auch an merkwürdigen Frisuren liegt. Davon konnten Gabi Delgado-López und Robert Görl natürlich nichts wissen, als sie 1978 im Umfeld des legendären Ratinger Hofes ihre Band Deutsch Amerikanische Freundschaft gründen, kurz DAF genannt. „Verehrt euren Haarschnitt“ wird später einmal eine Textzeile heißen, nun ja. Der Ratinger Hof in Düsseldorf ist eine der Wiegen des Punk in Deutschland, so illustre Bands wie Fehlfarben, Der Plan, Mittagspause und Die Toten Hosen nahmen hier ihren Anfang. Das seinerzeit im Punk übliche Credo heißt „Alles was du brauchst sind drei Akkorde“, jedoch sind DAF selbst drei Akkorde zu viel.