Mrs. Hyde
Zunächst einmal müssen wir einpacken, da heute schon unser Abreisetag ist. Aber vorher geht es zum Vortag von Dr. Mark Benecke, der Hitlers Schädel in den Fingern hatte und wieder skurile Anekdoten zu berichten weiß. Mit der berüchtigten Einlassschlange haben wir Glück, die dann wohl mal wieder quer durch die Verkaufshalle und um den Block geht. Dann machen wir uns auf zu unserem Lieblingsvietnamesen Gy My Li beim Felsenkeller, bei dem wir immer mindestens einmal essen müssen. Frisch gestärkt geht es ins Täubchenthal, wo The Crimson Ghosts die Bühne rocken, denen wir aber lieber von draußen aus zuhören. Highlight des Tages sind die Legende Batmobile, die selbsternannten Kings of Psychobilly, die wir schon seit einer ganzen Weile nicht mehr gesehen haben.

Pünktlich zur Wiederauferstehung (Jesus’ oder unserer) scheint nach dem gestrigen sehr verhangenen Karsamstag heute die Sonne und verwöhnt uns mit bestem Biergartenwetter und Temperaturen um die zwanzig Grad. Das lockt, so hört man jedenfalls, noch mehr Besucher als am Vortag ins Backstage, auch wenn das kaum möglich erscheint (es lag wohl an den dieses Jahr angebotenen Tageskarten, von denen noch ein paar zu haben waren). Dass es möglich ist, merken wir vor allem daran, dass gerade die beiden kleineren Bühnen Halle und Club noch schneller als sonst an ihre Grenzen stoßen und sich eine Pinkelpause zwischen Bands schnell rächt, weil dann kein Reinkommen mehr ist – und das trotz des großzügigen Biergartenbereichs, der am Ostersonntag zu allen Tages- und Nachtzeiten gut gefüllt ist.
Heute ist der Tag mit den meisten gefürchteten Bandüberschneidungen, und nur drei Stunden Schlaf im Nacken sind ohnehin nicht optimal. Kaum sitzen wir im Auto, meldet sich der Vermieter, wir können so lange bleiben, wie wir wollen. Tja, Shit happens. Dafür nächstes Jahr wiederkommen. Am Parkschlösschen legen wir uns erst noch einmal hin und holen den fehlenden Schlaf nach, was zum Glück gut funktioniert. Schlussendlich geht es für uns wieder ins Täubchenthal, wo Lucifer Star Machine den ersten Auftritt des Abends haben.
Nach der ganzen Aufregung vom Freitag beginnt der Samstag sehr langsam. Irgendwann bin ich ausgehfertig und mache mich zum Völkerschlachtdenkmal auf (obwohl unsere Wohnung nicht so weit weg ist, ist der Weg dahin dank vieler Baustellen umständlicher als gedacht), um von dort aus dann in die Kuppelhalle weiterzuziehen, wo am Nachmittag Veljanov auftreten wird. Das Völki ist beeindruckend wie immer, es sind auch viele Goth*innen unterwegs, die teilweise vom Südfriedhof herüberkommen, doch schon nach kurzer Zeit wird der Himmel düster, und ein ordentlicher Schauer kommt herunter. Ich bin da schon unterwegs und mit Regenjacke eigentlich gut ausgerüstet, stelle mich aber trotzdem lieber noch unter. Daher komme ich etwas später als gewollt zur Kuppelhalle, Einlass zum Glück kein Problem – dafür ist drinnen schon alles echt voll und sehr dampfig.
Nachdem mir am Vorabend von den Stummfilmkonzerten im Grassi Museum vorgeschwärmt wurde, sind wir für unsere Verhältnisse ziemlich früh unterwegs und um viertel vor elf – eigentlich relativ pünktlich – im Museums-Foyer. Dort sitzt allerdings schon ein Bekannter mit betrübtem Gesichtsausdruck – die Karten sind alle schon weg. Nun ja, da kann man nix machen. Wir drehen erstmal, ganz wie so echte Goths, eine Runde über den Alten Johannisfriedhof. 
Vor ein paar Wochen waren SJÖBLOM zusammen mit The Cassandra Complex auf Tour und haben da erfreulicherweise auch Station in München gemacht. Nach unserem Interview mit Johan Sjöblom Eliots Hauptband The Exploding Boy im November 2018 (
Eigentlich war es schon länger geplant, die Castle Party zu besuchen, das legendäre kleine „dark independent festival since 1994“, und damit fast so alt wie die große Schwester Wave Gotik Treffen in Leipzig. Doch erst passte es nicht in die sonstige Urlaubsplanung, und dann kam die Pandemie dazwischen. Doch nachdem das Festival bereits letztes Jahr als eines der wenigen überhaupt wieder stattgefunden hatte, sollte uns dieses Jahr nichts mehr aufhalten. Bolków, wir kommen!