MB-WGT-Willkommensschild

 

Phoebe

So viel Unschönes ist passiert im letzten halben Jahr, dass ich mich dieses Jahr mehr aufs WGT freute als all die Jahre zuvor. Allein schon, wenn in der WGT-App sukzessive Bands und andere Programmpunkte aktualisiert wurden – spät genug übrigens -, hat das jeweils Vorfreude ausgelöst. Endlich war er da, der Donnerstag, der Tag der Anreise!

Gleich nach der Ankunft am Hauptbahnhof holen wir uns unten im Aldi das Nötigste für die nächsten paar Tage in der Ferienwohnung. Eindrücke3Danach das erste Mal mit der Tram Nr. 7 zu unserer Wohnung rauf. Zuerst ist es ein bisschen wie Sightseeing, und dann wird die Gegend ab Lindenauer Markt etwas verlebter, aber ich liebe es! Neue Graffitis sind entstanden; versteckte Kneipchen. Noch sind die Straßen nicht von schwarzen Gestalten gesäumt – das kommt noch in den nächsten Tagen. Nach dem Auspacken und einem schönen Kaffee fahren wir zur Agra. Auch diese Strecke, bei der wir am Augustusplatz von der 7er in die 11er Tram umsteigen, liebe ich sehr! Die Karl-Liebknecht- und die Bornaische Straße – so viel zu sehen! Wir holen uns unsere Bändchen, danach etwas von den Essensständen auf dem Agra-Gelände. Lecker! Später lassen wir den Abend ausklingen in der Moritzbastei. Es macht Spaß, den Leuten beim Bändchenholen zuzusehen und sich dabei mit Musik beschallen zu lassen. Wir können lange draußen sitzen.

-///-

Torshammare

Dieses Jahr ist Pfingsten erst spät, im Juni, was über ein Jahr Wartezeit aufs WGT bedeutete. Aber endlich ist es soweit, der Koffer ist gepackt und ein rudimentärer Plan für die nächsten Tage erstellt (dabei natürlich traditionell an den Überschneidungen verzweifelt). Schon am Bahnsteig in München treffe ich die ersten Bekannten, beim Aussteigen in Leipzig (pünktliche Ankunft!) die nächsten, und nachdem meine beiden Mitbewohner*innen auch nicht lange nach mir eintreffen, warte ich noch auf sie. Zusammen fahren wir dann in unsere geliebte Ferienwohnung, in der wir wieder für einige Tage die bewährte skandinavisch-deutsche WG bilden. Do_AmikuraNach der üblichen Einkaufsschlacht und den ersten Meldungen von ellenlangen Bändchenschlangen am Hauptbahnhof und der Moritzbastei gehen wir erst mal mit einer Gruppe Freund*innen essen und stellen uns danach an der Moritzbastei an. Da ist die Schlange zwar nicht wesentlich kürzer, aber wir weniger hungrig. Schließlich haben wir unsere Bändchen und stürzen uns nach unten ins Getümmel. Endlich wieder MB! Zuerst geht’s zum Noise Floor, wo wir noch einen Teil des so experimentellen wie wunderbaren Ambient/Noise-Sets von Amikura (Aura Kamikura) erleben und uns schon mal eintanzen. Später schauen wir noch in die anderen Tonnen, begrüßen überall Freund*innen und fahren recht moderat wieder zurück in die Ferienwohnung, um nicht gleich in der ersten Nacht schon ein großes Schlafdefizit aufzubauen.

-///-

Mrs. Hyde

Im Vorfeld vom WGT hatte ich eigentlich so gar keine Vorfreude, und die Arbeit hatte mir auch noch einen Streich gespielt. So muss ich morgens erst noch meine 80er Jahre Pikes beim Schuster holen, deren Sohlen neu geklebt werden mussten. Natürlich ist die ganze Innenstadt verstopft, und wir stehen im Stau, sodass wir es erst um 10.30 Uhr auf die Autobahn schaffen. Vier Stunden und zwei Vollbremsungen später (die dazugehörigen Unfälle bleiben uns zum Glück erspart) sind wir schließlich in der Stadt der schwarzen Träume. Im Vorbeifahren ist am Bahnhof schon die berüchtigte lange schwarze Bändchenschlange zu sehen, also gehen wir einfach mal zur Moritzbastei. Dort kommen wir genau in dem Moment an, in dem sich auch hier die Schlange formiert, und wir stehen nur zehn Meter vom Bändchenhäuschen weg. Dennoch müssen wir uns noch 25 Minuten gedulden, bis die Mitarbeiter unter großem Applaus erst um 15.15 Uhr mit den Bändchen eintreffen. Dort wird aber nicht direkt aufgemacht, die Mitarbeiter bekommen erst noch eine Einweisung, wie ein Programmheft ausgehändigt und ein Bändchen über den Arm gestreift wird. Auf deutsche Präzisionsarbeit wird eben Wert gelegt. Was uns an der Moritzbastei auffällt, wirklich absolut niemand ist in diesem Bereich unter 50. Ist die Szene dabei zu vergreisen? WGT-LadendekoWie auch immer, nun können wir entspannt durch die Innenstadt streifen, die schwarze Kofferbrigade beobachten und die Second Hand Shops durchsuchen. Bei Lisbeths Erben werde ich leider nicht fündig, aber im Humana kann ich absolut neuwertige Chucks günstig ergattern, und bei Vintage Revivals stoße ich auf ein todschickes 80er-Jahre Jacket mit ausladenden Schulterpolstern. Beim neu eröffneten Koreaner gibt es ein leckeres Gimbap, und ich treffe noch eine alte Freundin aus den Neunzigern aus dem Norden, die ich seit 25 Jahren nicht mehr gesehen habe, WGT zum Trotz, da wir musikalisch stets anders unterwegs sind. Anschließend besuchen wir unsere Freundin Miss Mama Ulita in ihrer neuen Wohnung und lassen den Abend mit Wein auf ihrem Balkon ausklingen.

-///-

Ankalætha

Unsere Anreise ist auch dieses Jahr ziemlich unstressig, wir kommen am Mittwochabend aus dem Urlaub in Frankfurt an und teilen uns dann am Donnerstag um Mittag rum den Zug mit vielen anderen schwarzgekleideten Gestalten. Nachdem die gesamte WGT-WG dieses Jahr ungefähr gleichzeitig in Leipzig ankommt, treffen wir uns schon am Bahnhof, um gemeinsam zur Ferienwohnung weiterzufahren, und richten uns da erstmal ein bisschen ein – den besten Weg zum REWE muss man dank der konstanten Baustellen und vieler neuer Gebäude auch jedes Jahr neu erfinden. MB-abends-außenKaum zurück müssen wir eigentlich schon fast wieder los, mit netten Bekannten was essen gehen, an der beeindruckend langen Bändchenschlange vor der Moritzbastei vorbei. Wir hatten ja gehofft, dass die sich deutlich verkürzen würde, während wir anderweitig beschäftigt sind, dem ist aber leider nicht so, und so stehen wir danach erstmal eine gute Stunde lang an, bevor wir auch endlich rein dürfen. Drinnen ist es dann im Vergleich dazu eigentlich gar nicht mal so voll, wie man denken sollte, wir bleiben erstmal ein bisschen im Oberkeller bei der gerade beginnenden Noise-Party, drehen danach noch eine kleine Runde, aber dann reicht es uns erstmal. Für heute.

-///-

Yggdrasil

Dieses Jahr hatte ich mich besonders auf das alljährliche WGT in Leipzig gefreut. Zu viel ist in den vergangenen Monaten passiert, das mich in ein seelisches Vakuum gepackt hat. Bereits eine Woche vor Beginn habe ich die Tage gezählt. Am Donnerstag war es dann endlich soweit, wir saßen im Zug Richtung Leipzig. Je näher wir an Leipzig kamen, desto größer wurde meine Freude. Als wir in den Bahnhof einfuhren, sah man bereits die schwarzgewandeten Besucher der Reihe nach Richtung Ausgang Straßenbahn laufen, und ihre Gesichter strahlten vor Freude und Erwartung an die nächsten Festivaltage. Das Wetter hatte sich alle zwei Tage geändert in der App-Anzeige, aber von so etwas lässt sich ein Gothic nicht abschrecken, denn wir sind nicht aus Zucker! Eindrücke1Rein in die Straßenbahn 7 Richtung Ferienwohnung. Alleine die Fahrt über die Angerbrücke hin zum Lindenauer Markt Richtung Leutzsch ist jedes Jahr ein Highlight. In Leipzig angekommen ist man sofort in Festivalstimmung. Wie üblich holten wir unsere Bändchen an der AGRA Halle, was auch wunderschön ist, da man durch die Stadt fährt und so diese liebgewonnenen Ecken wiedersieht. Der erste Gang auf das AGRA Gelände war wie immer mit das Beste! Ein kühles Bierchen und etwas zu essen für mich und meine bessere Hälfte, und wir genossen die Stimmung der schon recht zahlreichen Gothics auf dem Gelände. Ein schöner Ausklang des Donnerstags!

Hier geht’s zum Freitag! 

 

(1557)