torshammare

~ Donnerstag ~ 

Ein Jahr vergeht wahnsinnig schnell – einerseits erschreckend, andererseits gut -, sodass es nach der üblichen Kofferpackschlacht am Donnerstag endlich wieder nach Leipzig geht. Der Zug ist fest in schwarzer Hand, die Fahrt verläuft problemlos, und schon bin ich wieder in unserer wunderschönen Ferienwohnung, wo mich Mitbewohnerin 1 bereits empfängt. Mitbewohner 2 trudelt auch bald ein, wir starten zur üblichen großen Einkaufsrunde und treffen uns am Abend genauso traditionell mit anderen Freunden von mir zum Essen. Wie immer eine schöne Einstimmung!

Sabine_Do_16Pad-Noise-Terrorist-1-von-1Danach zerstreuen sich die Gruppen, die einen haben schon Bändchen, wir drei brauchen sie noch und stellen uns an der Moritzbastei an, wo die Schlange sich irgendwie erst gar nicht und dann sehr schnell bewegt. Alles fein also, und dann finden wir auch noch einen Tisch auf der Terrasse mit wieder anderen Freund*innen – das WGT kann anfangen! Ich verziehe mich dann nach einer Weile nach unten – nein, nicht zum Allstars-Karaoke-Event, sondern zum Noise Floor, weil da heute schon feinste Krach-Acts auf dem Programm stehen. Sylvgheist Maelstrom sehe ich noch zur Hälfte, 16Pad Noise Terrorist ganz,Sabine_Do_Iszoloscope-1-von-1 und zu meinem ersten WGT-Highlight Iszoloscope gesellen sich die Mitbewohner*innen auch dazu und tanzen mit mir das Set durch. Rhythmischer Lärm im Gewölbe – jedes Jahr wieder große Liebe für diese einzigartige Stimmung! Danach spazieren wir dann aber doch nach Hause, ein paar Kräfte brauchen wir ja noch für die nächsten Tage.

~ Freitag ~ 
Nach der Tanznacht beginnt der Tag langsam und mit einem ausführlichen Frühstück, bis ich mich um eins mit einer lieben Freundin treffe und wir ins Heidnische Dorf fahren. Dort ist es noch erfreulich überschaubar, und wir können in Ruhe an den Ständen entlangschlendern. Die Sonne brennt schon ziemlich runter, aber Bianca Stücker & Bruxas Solis schauen wir trotzdem eine Weile an, die ich auch gern sehen wollte. Bianca Stücker ist Autorin, Musikerin, Sängerin, Tätowiererin und ein insgesamt hochspannender Mensch. Sabine_Do_Bianca-Stücker-Bruxas-Solis-1-von-1Zusammen mit drei Mitstreiterinnen spielt/singt sie eine Art Witch Folk mit orientalischen Elementen, was die vier auch ganz großartig und mitreißend machen – und vor allem sehr, sehr sympathisch. Das erste Highlight des Freitags, definitiv! Danach treffen wir noch andere Freund*innnen, ich muss mich wegen der brennenden Sonne dann aber bald ausklinken und verabschiede mich, der Tag wird noch lang. Nach einer Essenspause laufe ich bald danach auf dem agra-Gelände ein und gehe da mit einigen Freunden auch gleich in die – von mir zutiefst verhasste – Konzerthalle, nachdem wir befürchten, dass es im Lauf des Abends sehr voll werden wird. Zwei Songs hören wir noch von Das Ich, und „Kain und Abel“ versetzt mich instant wieder zurück in die Anfänge meiner Gothenzeit. Immer noch ein großartiger Song! Die Luft in der Halle scheint auch mindestens dreißig Jahre alt zu sein, aber jetzt bleiben wir erst mal zu Solar Fake, die wie immer eine höchstsolide Leistung abliefern (heute ohne André, der etwas kürzertreten muss), weite Teile der Halle tanzen und singen mit, hier dürfte niemand Sabine_Fr_Solar-Fake-1-von-1Solar Fake zum ersten Mal sehen. Die bewährten Hits wie „This pretty life“, „Not what I wanted“, „Sick of you“ oder das abschließende „Observer“ zünden, ein bisschen persönlicher und intensiver sind natürlich die kleinen Konzerte, aber alles in allem macht das alles riesig Spaß. Danach steht die dieses Jahr wohl meist diskutierte Verpflichtung des WGT auf dem Programm, Kim Wilde, die dann aber – wie letztes Jahr bei Alphaville auch – doch alle sehen wollen. Es wird kuschelig eng, ich sehe nicht mehr viel und bin trotzdem glücklich, mit vielen anderen zu „Cambodia“, „You keep me hanging on“ (im Original von den Supremes, von ihr aber mindestens genauso bekannt) und natürlich „Kids in America“ zu feiern und zu tanzen. Kim Wilde hat gefühlt die halbe Familie in ihrer Begleitband und verbreitet selbst auch eine warmherzige, familiäre Atmosphäre von der Bühne hinab. Sie freut sich sichtlich, hier zu sein, bedankt sich vielmals für die Einladung und feiert das „lovely festival“ und die Leute hier. Neben dem englischsprachigen Nena-Cover von „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ präsentiert sie auch „Enjoy the silence“ von Depeche Mode – eine schöne Geste hin zum Synthieschwarzvolk. Sabine_Fr_Kim-Wilde-1-von-1Die ganze Halle fühlt sich auf einmal wieder sehr, sehr jung, und mindestens einer ist nach dem Konzert schwer in Kim Wilde verknallt. Zur zauberhaften Stimmung passt auch die untergehende Sonne, die durch die Fenster unter der Hallendecke goldene Strahlen durch den ganzen Raum schickt. Ganz, ganz groß!
Danach geht es nicht mehr anders, ich muss mich in die Kloschlange des Todes im Außenbereich anstellen (zwei Container à drei Kabinen für die Frauen bei einer Halle, die mehrere Tausend Personen fasst – muss man nicht verstehen) und verpasse dadurch die ersten vier Songs der Neubauten, auf die ich mich auch sehr, sehr, sehr gefreut hatte. Seit 1996 habe ich sie nicht mehr gesehen, weil es in München nie mit einem Konzert geklappt hat und bei einem anderen Versuch auch was dazwischenkam. Es wird also dringend mal wieder Zeit für die Krachpioniere, die zudem das erste Mal überhaupt auf dem WGT sind. Wer auf Krach gehofft hat, wird allerdings bitter enttäuscht, Sabine_Fr_Einstürzende-Neubauten-1-von-1Blixa und die anderen (inklusive neuer Bassistin Josefine Lukschy, die Frau ist DER HAMMER) zelebrieren den Zauber seiner Stimme und einzelner Klangkonstruktionen. Der Sound ist nahezu perfekt – ein Wunder in der notorisch matschigen agra-Halle -, Blixas Wort- und Stimmkunst ist auf den Punkt, in der Halle könnte man eine Stecknadel fallen lassen hören. Das Songmaterial stammt bis auf „Stella Maris“ aus den letzten Veröffentlichungen, die allesamt eher aus sehr leisem Krach bestehen. Wer sich heute darauf einlassen kann, bekommt absolute Kunst geboten, aber ich verstehe auch, wer lieber mehr Einsturz gehabt hätte. Die wirklich miese Luft und die späte Stunde tun ihr Übriges, auch ich muss die Halle bei der Zugabe verlassen, obwohl es mir sehr, sehr gut gefällt und ich danach eigentlich zwingend noch Anja Huwe und X-Mal Deutschland sehen möchte. Aber es hilft nichts, ich muss an die frische Luft und auch aus der Menschenmenge raus. Meine Freunde und ich taumeln zur Trambahn und fahren in die Stadt zurück, im Gegensatz zu mir haben sie noch genug Energie, um zum Kirchenrave in der Peterskirche zu gehen (die eigentlich sehr nah bei unserer Ferienwohnung ist), ich bin jedoch durch mit dem Tag. Nachher erfahre ich, dass ich da richtig was verpasst habe, aber so ist es nun mal beim WGT.

///-

Phoebe

 ~ Donnerstag ~

Endlich ist der Donnerstag vor Pfingsten da. Ich freue mich schon seit langem wie verrückt aufs WGT. Mit dem bunten Koffer voller schwarzer Klamotten auf zum ICE nach Leipzig! Tolle Fahrt, nette Leute um einen herum, paar bekannte Gesichter und Bekannte im Zug. In Leipzig als erstes wie immer gleich unten im Bahnhof fürs erste Frühstück in den Aldi, dann in die Tram Nr. 7 ab in Richtung Ferienwohnung. Donnerstag_ankommenKleines retardierendes Moment: Riesenbaustelle oben in Leutzsch, ich erkenne die Gegend kaum wieder, wir brauchen etwas länger als normal, bis wir in der Wohnung sind. Nach dem Auspacken und einem kleinen Käffchen fahren wir gemütlich via Augustusplatz zur AGRA. Bändchen dort holen wie immer, und ein erstes Schlendern an den Fressständen entlang, um dann doch wie immer bei den Fischsemmeln und Calamariringen zu landen. Der Mensch ist halt doch ein Gewohnheitstier. Wir fahren danach „nach Hause“, die Fahrt dauert ja recht lang, macht aber immens Spaß. Noch bisschen plaudern in der Küche.

 ~ Freitag ~

Nach dem gemeinsamen Frühstück lasse ich mir erst Mal total Zeit. Zu schön ist es hier immer: die Bäume, die Tiere, der Garten! Alle Tiere werden erstmal begrüßt, Paul, die schwarze Katze, und die Hühner in ihrem Freiluftgehege. Täusche ich mich, oder kennen sie mich noch? Sie sind ganz aufgeregt! Nach einem langen Marsch in der glühenden Hitze bis zu der ersten Tramhaltestelle, die aufgrund der Bauarbeiten angefahren werden kann, muss ich fast die ganze Strecke bis in die Innenstadt schon mal fächern! Ich schlendere ein wenig in der City umher, bis ich das Antikenmuseum der Universität Leipzig suche. Ach so, das ist die „Alte Nikolaischule“, mitten am Nikolaiplatz, ja, das kenne ich! Freitag_Cure-im-AntikenmuseumHier gibt es nachmittags eine Führung – es liegt ja nahe – „It’s Friday, I’m in Love – mit The Cure im Antikenmuseum“. Ich bin überpünktlich dort, aber die Dame am Schalter meint, alles easy, kommen Sie ein paar Minuten vorher vorbei, dann bekommen Sie eine Karte für oben. Naja, okay, dann schauen wir mal. Vorsichtshalber habe ich mir ein schönes Getränk lieber in Blickrichtung zur Eingangstür gegönnt. War ja klar, dass doch etliche das sehen wollen. Es werden immer mehr, und kurz vor 15 Uhr darf man rein. Und dann ist auch Einlassstopp. Jemand vom Museum begrüßt uns sehr freundlich und ist überrascht, dass so viele Besucher*innen kamen. 70 Leute dürfen rein! Sie hatten wohl mit einem guten Dutzend (ich muss schmunzeln) gerechnet. Wir dürfen frei umhergehen, manche Gegenstände sogar in die Hand nehmen oder zumindest berühren. Uns wird von einem großen Cure-Fan der Zusammenhang zwischen jahrtausendealten Objekten des antiken Mittelmeerraums und der Musik von The Cure erklärt. Passend spielt dazu immer ein Song. Ich habe viel gelernt, was ich noch nicht wusste, zum Beispiel dass diese antiken Figuren, die doch immer so weiß und farblos sind, sehr wohl sehr bunt waren, es war nur der Zahn der Zeit, der die Farben verwaschen hat. Das Schönste an allem ist aber, dass ich meine „Kunst-Freundin“, die ich einmal im Jahr zum WGT sehe, überraschend dort treffe. Schön ist das. Wie heißt es immer? Great minds think alike. Freitag_HeraDanach habe ich noch massig Zeit bis zu meinem Abendprogramm. Ich bin ins Haus des Buches in die Ausstellung „100 Jahre GEDOK – Schattenmond“, Schönes gesehen, vor allem eine Location, die ich noch nicht kannte. Ich hatte in München ein paar Tage vor Abfahrt gelesen, dass Hera, vom weltbekannten Streetart-Künstler-Duo Herakut, ein riesiges Mural an der Wand einer Schule („Schule am Grünen Gleis“) hinterlassen hat. Das suche ich in der prallen Sonne und lerne dabei neue Gegenden kennen, in die ich noch nie gekommen bin. Jetzt habe ich aber ein wenig Angst, dass ich es nicht zeitig in die AGRA zu Kim Wilde schaffe, wenn ich nicht endlich dorthin aufbreche. Eine ziemlich lange Fahrt später bin ich froh über das schöne Klo in der AGRA (ich bin gar nicht sicher, ob ich beschreiben will, wo genau es ist), erfrische mich etwas, nehme noch die Ausstellung oben in der Galerie mit, sehe auf dem Weg hinter zur großen Halle die historischen Kutschen, die in diesem Jahr wieder als Art Taxi eingesetzt werden. Nett! Dann gehe ich durch die Security und gleich nach draußen, wo ich mich für eine Weinschorle anstelle. Boah, sitzen wäre jetzt nicht schlecht. Nach einigem Zaudern ziehe ich meine für-alle-Fälle-Jacke raus und sitze dann mit vielen anderen im Gras an einem Mäuerchen. Von innen hört man noch Solar Fake, auch nicht schlecht. Dann beginnt Kim Wilde! Ich war eigentlich nie der Hardcore-Fan, aber ich habe sie immer geliebt. Wer mag sie denn nicht? Obgleich im Vorfeld ganz viele Diskussionen geführt wurden, wie sehr „WGT-tauglich“ sie denn eigentlich sei, kommen irrsinnig viele Leute, um sie zu sehen. Die Halle ist rasend voll, und ich kann stehen, wo ich will, es ist natürlich immer noch ein größerer Mensch plötzlich vor mir. Ich entschließe, es gelassen zu nehmen und trotzdem zu genießen. Freitag_Kim-WildeEin Gutes haben nämlich diese hochgehaltenen Handys in dem Fall: Ich kann manches von der Show recht schön über das ein oder andere Handy sehen. Irgendwie ärmlich, ich weiß. Also: Der Sound ist gut, die Sicht ist schlecht, doch schon das zweite Stück – You came – packt mich so dermaßen, dass mir der Unterkiefer zittert. „Hallo! Wie geht’s?“ begrüßt Kim uns. Absolut niedlich. Wir sind außerdem alle so „Beautiful“. Auch niedlich. „Cambodia“! „Kids in America“! Alle tanzen oder bewegen sich mittlerweile. Sie stellt die Band vor, es scheint, als wäre die halbe Familie dabei, zumindest die Nichte und der Bruder. Dann haut sie „Anyplace anywhere anytime“ raus, den Song, den sie Anfang der 2000er mit Nena zusammen aufgenommen hat, ihr „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“. Das wurde ein Riesenhit für die beiden, und er geht auch hier richtig gut ab. Dann kommt am Ende – denke ich – „Keep me hangin‘ on“, aber denkste, es kommt noch etwas viel Geileres: eine wirklich tolle Version von Depeche Modes „Enjoy the silence“, eine wundervolle Interpretation. Hier zeigt sie allen, dass sie sehr wohl aufs WGT passt. Sie verabschiedet sich mit „Tschüss“, und wir bleiben ergriffen zurück. Ich freute mich auf die Neubauten, aber ich weiß, dass ich nicht mehr lange durchhalten kann und will. Ich sehe mehr von Blixa Bargeld als von Kim Wilde, aber nach ein paar Songs ist für mich Schluss. Mein Schatz holt mich ab, und wir lassen den Abend bei einem kühlen Glas und Austausch der Erlebnisse ausklingen.

///-

ankalætha

 ~ Donnerstag ~

Eigentlich war das alles so gemütlich und stressfrei geplant. Dank chronisch zu viel Überstunden auf dem Konto hatte ich mir ganze zweieinhalb Wochen frei genommen, wollte in Ruhe packen und entspannt direkt nach Frankfurt fliegen, da noch mal übernachten und mit genug Zeit jegliches potenzielles Zug-Chaos einfach weglächeln können … Und dann wurden dank der aktuellen Weltlage meine Flüge ersatzlos gestrichen. Na toll. Aber man hat ja ein Auto, und die Fähre nach Dänemark kostet auch nur, naja, etwas mehr, als es die Flüge getan hätten, und dann fährt man halt anstatt sich transportieren zu lassen selber zwei Tage lang vom Norden Dänemarks bis nach Leipzig.
Sabine_agra-Warten-auf-die-Tram-1-von-1Am frühen Nachmittag bin ich da, finde mit etwas Glück einen Parkplatz gar nicht mal so sehr weit von der Wohnung entfernt, und kann dann schon mal eine Einkaufsrunde starten, bevor die zwei Mitbewohner*innen nacheinander eintreffen. Eine weitere Einkaufsrunde und viele Klagen über die Hitze später sind wir dann alle miteinander auf dem Weg in die Innenstadt, um uns mit Freund*innen zum Essen zu treffen, bevor es weiter geht zur Moritzbastei, wo sich die Bändchenschlange glücklicherweise so einigermaßen in Grenzen hält. Es kommt wie so oft auf dem WGT – man trifft zufällig Freund*innen, setzt sich mal schnell auf einen Drink zusammen – jetzt ist es total angenehm, dass es im Freien immer noch warm genug ist –, Sabine_MB-abends-Innenhof-1-von-1es kommen andere Freund*innen dazu, und bevor man es sich versieht, ist es eh schon nach Mitternacht, und auf Iszoloscope zu warten war gar nicht so schwierig wie vorher befürchtet. Als wir in den Oberkeller kommen, ist da noch 16Pad Noise Terrorist zugange. Es wirkt auf den ersten Blick eigentlich erstaunlich leer, aber das scheint nur so, weil alle unten auf der Tanzfläche sind. Aber es bedeutet, dass die Schlangen an den Theken erfreulich kurz sind. Zeit zum Austrinken bleibt allerdings keine, denn pünktlich um eins steht Iszoloscope hinter den Reglern, und dafür müssen wir natürlich auch runter und uns ins Getümmel stürzen. Zum Auftakt erkennt man noch „Faint negative charge“, dann geht es eine Stunde lang durch, in einem langen Spannungsbogen, der einen nicht mehr loslässt, und egal wie lange der Tag jetzt schon war, man muss einfach nur tanzen. Anschließend ginge es natürlich eigentlich noch weiter mit Cervello Elettronicos DJ-Set, aber das packe ich jetzt wirklich nicht mehr. Die Mitbewohnis wollen inzwischen auch nach Hause, und so machen wir uns mal vom Acker.

~ Freitag ~

Nicht nur wegen des doch relativ langen Vortags lasse ich zum ersten Mal seit Langem dieses Jahr das VicPic sausen, es geht sich auch zeitlich mit der ersten Band nicht mehr aus. Kann es sein, dass das Programm dieses Jahr ein wenig entzerrt wurde und es eher mit Bands losgeht als sonst? Daran, dass sich alles überschneidet, ändert das leider nicht so viel, eher im Gegenteil. Während also alle Bekannten mit „erst hier, dann da, dann dies und dann in die Agra!” zu planen scheinen, entscheide ich mich fürs Stadtbad. Ob das nun so richtig schlau ist oder nicht, ist mir in diesem Moment relativ egal – mir ist halt grade danach, und in die Agra muss ich eigentlich die nächsten Tage sowieso noch mehr als oft genug. Necrø-1Und Necrø, die erste Band im Stadtbad, die, die sich mit dem VicPic soweit überschneidet, dass es sich nicht mal lohnt, erst noch zum Clara-Zetkin Park zu fahren, fand ich spontan beim Einhören zwei Tage vor der Abfahrt ziemlich interessant.
Etwas spät dran bin ich allerdings und finde auch am Bahnhof mal wieder die richtige Tram-Haltestelle nicht, weshalb ich zu Fuß gehe, immer den Gleisen nach. Das klappt, Einlassschlange gibt es auch keine, aber den Anfang des Sets habe ich jetzt verpasst, was den Eindruck vielleicht ein bisschen schmälert. Die Stimmung ist schon ganz gut, die Musik eigentlich auch, aber irgendwie bin ich vielleicht noch nicht so ganz da, es wird mir jedenfalls alles ein bisschen lang.
Also mal was zu trinken holen, sich denken, dass die Bedienungen auch immer jünger werden und sich dann sofort sehr alt fühlen, und dann kommt auch schon die nächste Band. Tyske Ludder sind ja alte Szene-Hasen, viel mehr als das weiß ich allerdings gar nicht. Naja, so geht es mir ja öfter auf dem WGT, das ist kein Grund, den Ort zu wechseln. Und auch diesmal war diese Entscheidung eigentlich gar nicht so verkehrt. Mit der Stimme des Sängers werde ich zwar nicht warm, aber die typischen EBM-Stampfer wechseln sich immer wieder mit „moderneren“, abwechslungsreicheren und fast schon melodiösen Nummern ab, und die diversen Eskapaden des Schlagzeugers, der mehr Show macht als der gesamte Rest zusammen, und dabei eigentlich auch öfter am Bühnenrand rumturnt als hinter seinen Trommeln, geben der Performance einen deutlich erhöhten Unterhaltungswert. Gegen Ende des Sets entscheidet sich eine Cyber im Publikum, ein paar Knicklichter an zufällige Umstehende zu verteilen, und danach ist man ja quasi verpflichtet, jetzt auch aktiv mitzujubeln, sonst wäre das ja komplett verschwendet da am Handgelenk.
Tyske-Ludder-1Als Tyske Ludder sich kurz vor sieben verabschieden, leert sich der Saal vorübergehend etwas, und das gibt mir tatsächlich die Gelegenheit, mich in die erste Reihe vorzuschieben. Wie schön, denn die nächste Band, Biomekkanik aus Schweden, sind mein Hauptgrund heute hier zu sein. Auch hier weiß ich zwar eigentlich gar nicht mal so sehr viel über die Band, aber „ein Projekt von Christer Hermodsson”, den man nicht nur von S.P.O.C.K., sondern vor allem auch von seiner Zeit als Fronter von Spark! in bester Erinnerung hat, reicht vollkommen aus. Wie Mark Benecke letztens in einem Podcast sagte, es gibt Leute, die „es” einfach haben, diese automatische Verbindung zum Publikum, die jeden Gig zu einem Erlebnis werden lässt, und Christer gehört definitiv zu diesen Leuten. Dass er dazu auch nach wie vor eine EBM-untypisch gute Stimme und Gesangstechnik hat, beweist er gleich mal beim Soundcheck und versüßt uns die Wartezeit mit der ersten Strophe von „New York, New York”. Als dann endlich alles am Platz ist und es richtig los geht, zeigt sich aber auch sofort, dass seine beiden Mitmusiker*innen weder musikalisch noch in Sachen Bühnenpräsens nur Beiwerk sind. Insbesondere Sandra liefert hinter ihrem multifunktionalen Alles-in-einem-Instrumentenstand eine ausgesprochen solide Performance ab. Langsamere und stimmgetragene Songs wie „Violently beautiful” wechseln mit schnelleren Nummern wie „Kamikaze Playboy”, und es zuckt im Tanzfuß, aber ich stehe ja in der ersten Reihe, da begrenzt sich das leider etwas. Als die gute Stunde rum ist, muss ich gleich mal zum Merch und mir ein Feuerzeug mit Prägung kaufen – T-Shirts kann ja jeder.
Danach überlege ich kurz, wie die Lage so ist, weil ich hätte jetzt langsam Hunger. Das Angebot am Stadtbad überzeugt mich nicht so wirklich, mal ganz abgesehen davon, dass man dafür ja eigentlich auch vor die Halle und danach durch den normalen Eingang wieder rein muss? Da kann ich eigentlich auch gleich nochmal zurück zum Bahnhof fahren und mir eine Poutine gönnen, das Frittenwerk hat nämlich gerade noch so offen. Horskh-1Gedacht, getan, und als ich wieder zurück bin, ist da tatsächlich immer noch keine Schlange am Eingang – vermutlich dank der starken Konkurrenz auf der Agra, aber das war in den letzten Jahren ja auch nicht unbedingt immer ein Grund. Drinnen ist es jetzt zwar schon deutlich voller, aber nicht beängstigend eng – der Gang unter der Galerie links ist frei, und es gibt auch noch Luft zum Atmen. Vorne toben Horskh ziemlich wild über die Bühne, unten tobt das Publikum, und die Stimmung ist genauso heiß wie die Temperatur. Auch das hätte man sich sehr gut komplett ansehen können, ohne sich zu langweilen, aber ich bekomme natürlich nur noch die letzten zwei, drei Songs mit jetzt.
Zum krönenden Abschluss dieses Tages gibt es dann noch Rotersand. Die habe ich ja nun schon öfter gesehen und es nie bereut, aber heute frage ich mich vorher etwas, ob das jetzt nicht ein ziemlicher Drop in Sachen Energie wird. Da hätte ich mir allerdings überhaupt keine Sorgen machen müssen, denn Rascal und Krischan beweisen vom ersten bis zum letzten Ton, dass sie das mit dem Durchpowern absolut noch drauf haben, und dass auch eigentlich eher langsamere Nummern wie „Gray” oder „Torn realities” sehr viel Wums haben, wenn sie entsprechend inszeniert werden. „War on error” kommt dieses Mal auch nicht erst zur Zugabe, sondern ziemlich am Anfang des Sets, und Rascal lässt es sich nicht nehmen, bei dieser Gelegenheit ins Publikum zu klettern, um mit den Leuten zu feiern, während Krischan am Bühnenrand übernimmt. Rotersand-1Danach geht es dann erst so richtig ab, jetzt fließen die Songs mit instrumentalen Übergängen ineinander, man kommt aus dem Hüpfen und Klatschen und Tanzen gar nicht mehr raus. Kurz, Rotersand beweisen mal wieder, dass live durchaus auch bei elektronischer Musik der Variante „vom Band mit Live-Gesang” deutlich überlegen ist. Natürlich dürfen mit „Merging oceans” und „Waiting to be born” die etwas ruhigeren Momente nicht ganz fehlen, und gegen Ende des Auftritts kommt auch das typische gutmütige Gekabbel zwischen den Musikern nicht zu kurz, als Krischan Rascal die Pause vor der Zugabe „verweigert” („Das ist das Problem mit DJs, die spielen nie das, was man will!”).
Dann ist Schluss, ich texte mich kurz mit den Mitbewohner*innen zusammen, überlege, noch zum Hard Techno Rave in die Peterskirche zu fahren, das ist ja sowieso die gleiche Haltestelle wie unsere Wohnung. Als ich da ankomme, steht die Einlassschlange allerdings einmal um den Vorplatz rum und auf der anderen Seite auf die Straße raus, und nach Aussage derjenigen Anstehenden, die ich dazu befrage, bewegt sie sich auch „fast gar nicht”. Ich mache mich also auf den Heimweg – später höre ich, dass der Mitbewohner, der kurz nach mir da ankam, nach „gar nicht mal so lange” anstehen reinkam und es auch sehr cool fand.

///-

Yggdrasil

Wie jedes Jahr ist die Vorfreude riesig. Wie jedes Jahr freut man sich über neue Bandbestätigungen, und wie jedes Jahr wird geplant und kombiniert, was man unbedingt, nur bedingt oder überhaupt nicht sehen möchte. Das erinnert ein wenig an alte Schwarzweißfilme aus England, in denen der Satz vorkommt: „Same procedure, different year“. Nein, aber mal im Ernst! Die Künstlerauswahl in diesem Jahr ist mehr als nur spannend. Viele Szenedinosaurier, viele neue Bands und auch die ein oder andere Überraschung , aber dazu später im Bericht mehr.

~ Donnerstag ~ 

Nach dem Herunterzählen der Tage ab ca. Mitte März ist er also da, der Tag der Abreise in München. Am Bahnhof trifft man schon richtig nette Gothics, und so kommt man immer und immer besser in Stimmung. Sabine_WGT-Fahne-1-von-1Als wir in Leipzig ankommen, kommt mir der Gedanke, wie kurz so eine Zugfahrt doch ist, wenn man sich auf etwas richtig freut. Auf also zur mittlerweile ikonischen Tramlinie 7 Richtung Ferienwohnung und 4 Tage Freiheit. Pustekuchen, unsere Tram fährt gar nicht bis ganz hinauf zu uns, sondern wir müssen zu Fuß (ist an und für sich jetzt überhaupt nicht schlimm, jedoch am Abend nach einem ganzen Tag WGT sieht es anders aus) noch ein Stück laufen und einen Slalom um die Baustellen hinlegen. Aber nach kurzem Sinnieren ist uns das auch herzlich wurscht. Da wir (mein Schatz und ich) unsere Karten immer an der Agra Halle holen, fahren wir mit besagter Linie durch ganz Leipzig (wir wohnen so fast am anderen Ende). Alles wieder zu sehen, während wir vorbeifahren, ist einfach schön. Karte geholt und schnell über den Catwalk auf das Agra Gelände. Schon recht viele Leute, denke ich mir. Der Tag klingt so aus!

~ Freitag ~  (Der Tag der Hitze – erster Teil)

Am Morgen frisch erwacht, meinem Schatz ein Bussi aufgedrückt, in die Küche und Kaffee gemacht (der muss besonders zum WGT einfach sein). Kaum zu glauben, ich bin in Leipzig! Die Hühner, die fröhlich in unserem Garten herumgackern, Kater Paul, der rumläuft und ja, diese Ruhe. Ganz stilecht (irgendwo ist man ja Goth, oder?) schalte ich den WGT-Sender 80s80s ein und ertappe mich sogleich beim Mitsingen und so etwas Ähnlichem wie Tanzen. Nachdem mir der erste Kaffee gemundet hat, zücke ich mein Smartphone mitsamt der WGT-Kompass-App und schustere mir meinen Tag zusammen. Es ist schon verdammt warm, und so denke ich mir: ein schöner Tag, um in das Heidnische Dorf zu fahren. Gesagt, getan (zwar schon das erste Mal verschwitzt, aber das ist ja erst das Warmschwitzen). Der Einlass ist vollkommen unkompliziert und die Lage im Innenhof des Heidnischen Dorfes überschaubar. Ich drehe eine Runde und sehe mir liebgewonnene Stände wie „Sauferey“ an (ich finde den Namen immer so schön). Da sehe ich, dass sich vor der großen Bühne einige Festivalbesucher versammeln (in der prallen Sonne um kurz vor 14 Uhr). Mir ist das ganze zu hell und zu warm, und so wende ich mich sitzend unter einem schönen Baum im Schatten der Bühne zu und lausche meinem ersten Konzert des WGT (stand mal so gar nicht auf meiner Liste, aber wenn es mir irgendwo so richtig gefällt und ich nette Menschen um mich herum habe, ist mir das ziemlich egal).
Bianca Stücker und Bruxas Solis sind die Künstler, die die Bühne betreten. Von Bianca Stücker habe ich schon einmal gelesen, aber ihre Musik kenne ich überhaupt nicht. Recht gefällig spielen sie eine Art von Mittelalter vermengt mit World Music, die sowohl arabische als auch europäische Wurzeln miteinander vermischt. Mal fröhlich, mal eher melancholisch, aber stets sehr gut hörbar. Die in den Liedern besungene Thematik rund um Tarotkarten ist wirklich sehr interessant, und die Erklärung zu den jeweiligen Karten ist sicher sehr hilfreich für den einen oder anderen Besucher. Mich hat die Musik allerdings auf den falschen Fuß erwischt, da es mir vielleicht um 14 Uhr zu früh ist. Nichtsdestotrotz: allen Respekt vor Bianca Stücker!
HeimataerdeIn der Pause nach dem Konzert schnell zur Erfrischung ein kühles Kirschbier geholt und wieder in den Rasen gesetzt. Mittlerweile sieht es aus wie ein Picknick um mich herum. Mit Vorfreude warte ich auf den Mittelalter-Elektro-Dinosaurier der Szene Heimataerde! Ich, der mit Mittelalter und Electro eigentlich gar nichts am Hut hat, mochte diese Band schon immer. Es wird laut, und sie betreten die Bühne (und ich in der zweiten Reihe wie ein Groupie). Nach einem epischen Intro, das aus einer Fantasyserie hätte sein können, legen sie los, und um mich herum wird getanzt. Sogar Fotos kann ich machen (bei Bianca Stücker musste ich jämmerlich gegen die Sonne fotografieren, und ja, ihr wisst, wer gewinnt). Ein Rasenfeger nach dem anderen (danach ist jegliches Rasenmähen überflüssig). Als „Dark dance“, ihr wahrscheinlich größter „Hit“, angestimmt wird, gibt es für mich kein Halten mehr. Der Song ist der Wahnsinn und bei richtiger Lautstärke eine Macht! Es wird wärmer und noch wärmer!
Arcana2Danach verlasse ich das HeiDo (haha) in Richtung Volkspalast, wo am Abend Arcana aus Schweden und Zugzwang aus der Schweiz spielen. Recht gut besucht scheint mir der Volkspalast, als ich ankomme. Arcana wollen recht viele sehen, da ihre Musik ätherisch und einfach wunderschön ist. Ich ergattere zum Glück einen recht guten Platz und freue mich riesig auf diese Band (ich liebe Arcana seit ihrem ersten Album „Dark age of reason“. Peter Bjargö und seine Frau sind der Inbegriff des Cold Meat Industry Sounds für mich. Arcana1Gespielt wird aus fast allen Alben, und sogar nach langer Zeit gibt es wieder etwas aus eben erwähntem ersten Album zu hören. Einfach magisch im Volkspalast mit einem sakralen Ambient-Sound, der einen in andere Sphären versetzt. Sehr schön finde ich auch die Mitteilung der Band auf der Bühne, dass sie wieder zurück beim alten Label Cold Meat Industry zuhause ist. Ich freue mich auf die nächsten Veröffentlichungen.
Nach einem Besuch an der frischen Luft (man ist froh um jedem Hauch des Windes) stelle ich mich zur Kantine in der Kuppelhalle an. Zugzwang aus der Schweiz ist für mich eine jener Bands, die ich von Anfang an in meiner Liste habe.Zugzwang Neofolk alter Schule, vermischt mit neueren Einflüssen! Kraftvoll und voluminös vorgetragen. Das zahlreiche Publikum honoriert das Gebotene recht laut, und das peitscht meinem Gefühl nach die Band erst so richtig an, loszulegen.
Dann erklingt der Hit „Kein Tier“, inspiriert übrigens von David Lynch. Thematisch geht es um die Geschichte des Elephant Man. Einfach schön, und wenn man die Augen schließt, möchte man nicht mehr zurück. Ein Riesenkompliment an das WGT-Team, bitte in Zukunft mehr Bands in dieser Richtung. Anschließend hole ich meine bessere Hälfte von der Agra ab, sie hat sich tatsächlich Kim Wilde gegeben.

///-

Mrs. Hyde

~ Donnerstag ~ 

Der Donnerstag ist unser Anreisetag. In der Früh geht es los, und nach glatter Fahrt können wir mittags unser Zimmer beziehen. Anschließend geht es direkt in die Stadt, wo wir am Bahnhof auf die ersten Gothen treffen. So einige warten dort auch schon auf die Bändchenausgabe, aber uns zieht es erst einmal zum Humana. 80er-Schätze sind heute leider nicht im Angebot, aber wir finden ein schwarz-weißes Hawaii-Strandkleid und ein Halstuch. Nun wird es Zeit, sich an der Moritzbastei in die zum Glück noch übersichtliche Schlange einzureihen. Nach 45 Minuten erscheint endlich das Personal, und nach weiteren 45 Minuten Grufti-Kino sind wir mit dem begehrten Bändchen versorgt. Irgendwie scheinen wir alle jenseits der 45 zu sein, und mir dämmert, worauf sich der Bandname 45 Grave bezieht. Anschließend geht es zu Lisbeths Erben und weiter quer durch die Stadt, bis wir uns etwas erschöpft beim Indian Curry House niederlassen. Lecker essen und dabei das Schwarzvolk beobachten, so lässt es sich aushalten. Nach dem langen Tag muss der EBM-Warm-Up ausfallen, dafür klingt der Abend bei einem standesgemäßen Sterni aus.

~ Freitag ~ 

In voller Montur ziehen wir in die Stadt, um mit den frisch eingetroffenen Nachzügler*innen in Leos Brasserie auf das WGT anzustoßen. Anschließend fahren wir zum Felsenkeller, um im dortigen WGT-Biergarten unsere Freundin Miss Mama Ulita zu treffen. Es gibt viel zu erzählen, schließlich haben wir uns lange nicht gesehen. Auf das Viktorianische Picknick haben wir ohnehin keine Lust, was eine weise Entscheidung ist. Ein Freund von uns zeigt uns später seine Aufnahmen der mit normalen Schaulustigen hoffnungslos überfüllten Wiese. Praktischerweise eröffnet Ductape im Felsenkeller das WGT für uns, und am Einlass haben wir auch Glück. Gerade als wir vor der Tür stehen, stürzen gefühlt 666 Schwarzkittel aus der haltenden Straßenbahn. Ductape spielen eine schöne Show, und auch der Sound ist heute passabel. Anschließend fahren wir zur Agra um die 80er Legende Kim Wilde zu sehen. Dort läuft noch die zweite Hälfte von Solar Fake, aber der Sound ist zumindest bei unserem Standort hinten links in Nähe der Bar grottiger Matsch. Nach dem Set schieben wir uns also in eine bessere Position und harren der Dinge, während die Luftqualität immer mehr abnimmt. Es ist heiß und stickig, aber der Auftritt von Kim Wilde lässt uns das vergessen. Das Konzert ist wirklich supergeil und lässt keine Wünsche offen. Zur gesanglichen Unterstützung hat sie ihre schwangere Nichte Scarlett Wilde dabei, aber das ist völlig ok. Hit folgt auf Hit und sorgt wiederholt für Gänsehaut, und ein besonderer Moment ist das Nena-Duett “Anyplace Anywhere Anytime”, bei dem das mehrheitlich deutsche Publikum den Refrain “Irgendwie Irgendwo Irgendwann” mitsingt. Aber eigentlich wurde fast alles kollektiv mitgesungen, was zeig, dass Kim Wilde völlig zu Recht Teil vom diesjährigen WGT ist. Danach müssen wir leider erst einmal raus, Luft und Hitze sind kaum mehr zu ertragen. Die Einstürzenden Neubauten sehe ich dann lieber wieder auf der nächsten Clubtour. Stattdessen streifen wir nebenan durch den Schwarzmarkt, der auch schon mal voller war. Aber ein paar Plüschfledermäuse müssen natürlich trotzdem mit, und beim legendären Noctulus wird natürlich ebenfalls Halt gemacht. Zur X-Mal Deutschland Sängerin Anja Huwe sind wir natürlich wieder da, das zweite Pflichtprogramm heute. Gleich zu Beginn kommt der wohl größte Hit “Mondlicht”, ein Gänsehaut-Traum, den endlich einmal live zu hören. Natürlich folgen viele weitere großartige Songs aus den Anfangstagen der schwarzen Szene, die den Ausflug zu den musikalischen Wurzeln gebührend feiert. Mit einem Tänzchen auf der When-We-Were-Young Party lassen wir den Abend ausklingen. Im Felsenkeller ist die Stimmung zum Glück viel besser als im Täubchenthal, das im Diskobetrieb immer eine seltsame und ungemütliche Atmosphäre
hatte.

Hier geht es zum WGT-Samstag.

(563)

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert