ankalætha

Samstag startet für mich wie immer beim Frühstück im Pascucci am Markt. Dieses Jahr wird die typische MiMiMi-Gruppe durch eine nicht geringe Anzahl Lacrimosa-Fans verstärkt – auch das macht den Reiz dieses Treffens aus, man trifft Freunde und Bekannte, die man selten sieht, aber immer auch neue Leute.
Anschließend wollen wir mal wieder in die Kuppelhalle, steigen aber zunächst mal in die falsche S-Bahn. Einmal „umdrehen” in Gohlis später sind wir also wieder in der S-Bahn, diesmal in der richtigen, und dann bald auch am Völkerschlachtdenkmal. Von da aus ist es ja eigentlich gar nicht weit, und es ist auch noch gar nicht so wahnsinnig heiß, aber irgendwie finde ich das alles grade ein bisschen anstrengend.

VRosa-Crvx-1or der Kuppelhalle ist ein Glück noch nicht mal so arg viel los, und wir können uns auf die Stufen setzen, bis dann die Mitbewohnerin auch noch eintrifft. Als die Tür aufgeht, sind wir bei den Ersten, die drin sind, und während sich die Mitbewohnerin einen Platz mit Aussicht sucht, finde ich erstmal einen Stuhl, auf dem ich dann auch während dem gesamten Auftritt von Rosa Crvx sitzen bleibe. Das beeinträchtigt eventuell etwas das Erlebnis, aber vermutlich liegt es in erster Linie an mir – mir geht es einfach gar nicht mal so gut an diesem Tag. Auf dem Weg zur Tram entscheide ich spontan, dass ich „den Rest des Tages absage”, also gar nix mehr mache, sondern mich lieber nochmal hinlege. Da hätte ich gar nicht noch kurz vor der Haustüre mal wieder die Plateausohle meines linken Schuhs verlieren müssen … Der Tag war eh schon gelaufen.

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Yggdrasil

Der Samstag – Tag der Hitze Teil 2 –  beginnt wie üblich mit einem ausgedehnten Kaffee und einem Blick in die WGT Veranstaltungen des Tages. Es ist wärmer als am Freitag, das merke ich schon um 9 Uhr. Egal, denke ich mir, das WGT ist nur einmal im Jahr, also Schweißdrüsen pudern und auf in den Tag. Noch auf dem Weg zur Bahn überlege ich, wie ich den Tag beginne. Moritzbastei mit einem kühlen Kirschbier (irgendwie fand ich die Moritzbastei fad dieses Jahr) oder mit der 11er raus Richtung Agra, um mir den Markt anzugucken. Kurzentschlossen steige ich am Augustusplatz in die Tram und fahre Richtung Heidnisches Dorf. Dieser Veranstaltungsort gefällt mir von Jahr zu Jahr besser, da es dort wirklich wie ein Familientreffen ist. Leute sitzen im Gras wie beim Picknick, spielen Karten, und man kommt unglaublich schnell mit jemanden ins Gespräch. Mein Kirschbier war aber Pflicht. Wie es der Zufall so will, bin ich früh dran, und so kann ich die erste Band um 14 Uhr mitnehmen. The Rumpled aus Italien betreten um Punkt die Bretter, die das WGT bedeuten. Tatsächlich schaffen es The Rumpled, mich zum mitwippen zu animieren. Beim Beginn des zweiten Songs denke ich, Shane McGowan und The Pogues stehen auf der Bühne. So ein geiler Irish Speed Folk, wie man ihn eigentlich nur von The Pogues her kennt, und das aus Italien (ich war gerührt). Leider kann ich keine Bilder machen, weil die Sonne einfach alles zu Tode leuchtet. Ein wirklich guter Start in den Samstag! Ich verlasse nach dem Konzert das Heidnische Dorf, um mich in Richtung Stadtbad zu begeben, wo um 17 Uhr eine andere Band spielt, die ich mir vom ersten Augenblick als must see markiert hatte. Im Stadtbad angekommen waren schon etliche Besucher dort. Nachdem ich mir etwas Kühles zu trinken geholt habe, suche ich mir schnell einen schönen Platz, von dem aus man alles sieht. O Hiroshima (Respekt an das WGT Team für die Einladung dieses Juwels) geben sich die Ehre. Was soll ich sagen! Sie haben alles niedergeshoegazed, was nur geht. Der Sound ging durch Mark und Bein und war ein Schlag in die Magengrube. Wahnsinn dieses Durcheinander an Instrumenten, die letztendlich eine Symphonie ergibt, bei der man geistig auf Reisen geht. Unglaublich schön zu hörende Musik, und die Vocals herrlich mit Echo und allen Spielereien versehen. Ein Wahnsinnserlebnis kann ich nur sagen. Merkt euch die Band! SchöngeistSatan hat wohl Besitz von mir ergriffen, als ich mich anschließend noch einmal Richtung Agra begebe. Irgendwie denke ich, ich könnte mir Schöngeist anschauen (war als Gothic Rock / NDH umschrieben worden – eigentlich so gar nicht meins, zumindest letzteres). Das HeiDo ist ziemlich gut gefüllt, aber zum Glück nicht so voll wie die letzten Jahre. Ich möchte keine Band verreißen, nur weil sie vielleicht nichts für mich ist, aber dieser zuckersüße Gothic Rock Sound strapaziert schon ein wenig meine musikalischen Geschmacksnerven. Handwerklich super gespielt, aber einfach nicht der Gothic Rock, der mir gefällt, und die Texte sind jetzt auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Ich habe den Festivaltag so in den Knochen, dass ich beschließe, ein wenig früher als sonst Richtung Ferienwohnung aufzubrechen. Mein Schatzi hatte die gleiche Idee, und so machen wir es uns noch ein wenig in der Küche gemütlich.

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Mrs. Hyde

Rosa Crux im Volkspalast wären interessant gewesen, aber irgendwie haben wir zu lange gepennt, weswegen wir dann direkt zum Haus Leipzig fahren. Da ist die Parksituation ohnehin immer eine Katastrophe, sodass etwas zeitlicher Puffer auch gut ist. Letztlich haben wir aber Glück und entern daher erst einmal den Rewe nebenan für ein Kaltgetränk. Dort werden wir von der süßesten Gothic-Kassiererin aller Zeiten (mit Pink-lila Haaren und vollem WGT-Makeup) bedient. Die Ärmste muss zwar arbeiten, aber sie meint, sie freue sich uns alle zu sehen, und so sei sie trotzdem irgendwie dabei. Im Haus Leipzig lassen wir uns von Karl Kave überraschen, der wie ein Fernseh-Moderator aus den sechziger Jahren wirkt, irgendwie skurril und aus der Zeit gefallen. Optisch passt er damit so gar nicht auf das WGT, aber mit seiner schrägen Art und den genialen Texten zieht er uns nach und nach in den Bann. Somit ist das wirklich ein gelungener Auftritt. Nach einem weiteren Rewe-Ausflug freuen wir uns auf Cosey Mueller, die uns beim Vorabhören auf YouTube richtig gut gefallen hat. Doch irgendwie fällt der Auftritt weit weniger minimal aus als erwartet und packt uns daher leider nicht wirklich. Na gut, so ist das eben manchmal, also fahren wir ins Täubchenthal, wo wir eine tolle und packende Deathrock-Show von Altar De Fey erleben. Deren Sänger klettert sogar während der Show in High Heels die Bühnen-Stahlstütze bis knapp unter den Rang hinauf, eine irre Einlage. Das macht sogar die Absage von 45 Grave ein bisschen wett. Im Anschluss bricht bei Frustration massiv der Pogo aus, die Franzosen drehen richtig auf und versprühen viel mehr Energie als bei ihren (durchaus tollen) Shows in München. Hier und heute haben sie einfach das perfekte Publikum. Dabei erinnern sie optisch an Boule spielende Rentner, die Lichtjahre von Punkrockern entfernt sind, so kann es gehen. Die folgende Must-See-Band UK Decay muss ich schweren Herzens sausen lassen, denn ich habe mich schon lange in den perfekten 80er-New-Wave von Male Tears verliebt, die ich nun endlich live sehen möchte. Doch zurück im Haus Leipzig muss ich eine schwere Enttäuschung erleben. Zwar beginnen sie sogar direkt mit meinem Lieblingslied “Talk to me”, doch die tolle 80er-Atmosphäre kommt leider überhaupt nicht rüber. Der Auftritt wirkt merkwürdig fahrig, als ob Sänger James Edward zu viel Speed eingeworfen hat. Schade, nach fünf Songs geben wir auf. Dass mir von UK Decay hinterher sehr durchmischt berichtet wird, ist nur ein schwacher Trost. Dafür nutzen wir einfach die Gelegenheit früher auf die Glitter&Trauma Party zu gehen, der inoffiziellen WGT-Party für die queere Gothic-Community. Die neue Location Distillery besitzt sogar einen großen mit Sand ausgelegten Innenhof und hat daher etwas Beach-Club-Atmosphäre, und das mitten in einem Industriebau. Gegen 3:30 streichen wir zwar die Segel, wenn für manche Besucher*innen der Abend erst beginnt, aber wir haben ja auch früher angefangen.

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Torshammare

Der Samstag beginnt mit dem überaus netten Dark Markt in der VEB Feinkost, die ganz in der Nähe unserer Ferienwohnung ist. Die gothischen Händlerstände sind hochklassig, und beim gleichzeitig stattfindenden Trödelmarkt könnte man Möbel und andere Einrichtungsgegenstände en masse kaufen. Ich beschränke mich auf ein paar Visitenkarten von Händlern und winke noch mal dem Pustefix-Bären an der Wand des Spielwarengeschäfts zu, bevor ich zur Kuppelhalle fahre. Die Mitbewohner*innen und ich wollen Rosa Crvx sehen und sind daher bereits kurz vor zwei vor Ort (eingedenk der immensen Schlange letztes Jahr vor Alexander Veljanov, von dem wir dann letztendlich nur die obersten Spitzen seiner Frisur sahen, so voll war es) – und es ist kaum jemand da. Die Treppen vor dem Volkspalast sind besetzt, das war es aber auch schon. Okay, Rosa Crvx haben am Abend zuvor schon gespielt, aber a) soll die Setlist heute anders sein und b) sind die selten auftretenden Franzosen sonst immer komplett überlaufen. Nun gut, wir wollen nicht meckern und warten geduldig auf den – verspäteten – Einlass. Sabine_Sa_Rosa-Crvx-1-von-1Im Inneren dann die nächste Überraschung: die Holztreppen und -podeste am hinteren Rand der Halle sind verschwunden und damit sehr viele Sitz- und vor allem Sichtgelegenheiten. Nachdem die Besuchermenge immer noch recht übersichtlich ist, kann ich mich ganz links vorn an die Bühne stellen, neben einen der Knochentrommler (Teil von B.A.M., Batterie Acoustique Midi, preisgekröntes selbstentwickeltes Instrument der Band), und diesen sowie den gesamten Bühnenaufbau mal so aus der Nähe zu sehen, ist verdammt beeindruckend. Die Mitbewohner*innen haben Stühle ergattert und schauen sich das Spektakel von weiter hinten an. Rosa Crvx (die es seit 1984 gibt!) zu beschreiben, ist sehr schwer. Klagender liturgischer Gesang (auf Französisch und Latein), Trommeln, orchestrale Klänge, sakrales Glockenläuten, Gitarre, unzählige (LED-)Kerzen und diverse Gastauftritte von zwei jungen Frauen. Das Ganze ist goth as fuck und teilweise auch ziemlich verstörend (wie der Danse de la Terre bei „Eli-Elo“). Ich sehe Rosa Crvx jetzt zum dritten Mal und bin wieder einmal völlig fasziniert von der Stimmung, die Olivier Tarabo und Claude Feeny erschaffen. Die Setlist war letztendlich für mich nicht so anders als bei den bisherigen Konzerten, aber das ist völlig egal. Natürlich treffe ich noch ein paar Freund*innen, nach einem kurzen Ratsch fahren die Mitbewohner*innen und ich aber noch mal in die Wohnung, für eine Kuchensargpause (auch dieses Jahr gibt es wieder die lila Kuchensärge beim Lukas-Bäcker). Ich fahre nach einer Weile runter zur agra und mache meine traditionelle Ratschrunde über den Markt (bei HANDS und Edition Roter Drache), wo mich Mitbewohner 2 später aufsammelt. Suicide Commando wummert uns noch zu laut aus der Halle, wir essen erstmal etwas auf der Flaniermeile und laufen dann entspannt vor Front Line Assembly in der Konzerthalle ein, in der es – die nächste Überraschung heute – gar nicht mal so voll ist. Wir bekommen einen guten Platz am rechten Bühnenrand, mit Sicht und Platz zum Tanzen, und der Sound ist bei FLA dann auch richtig, richtig gut. Sabine_Sa_Front-Line-Assembly-1-von-1Die Band selbst – die mich, man steinige mich hier bitte nicht, noch nie so richtig fesseln konnte – ist sehr gut aufgelegt und liefert ein klasse Konzert ab, das mich nach ein paar Songs total mitreißt. FLA konzentrieren sich auf ihre alten Wax-Trax-Tage, die Songs stammen aus den Jahren 1988 bis 1991 und hämmern ganz vorzüglich aus den Boxen. Heute erwischen mich FLA absolut, ebenso wie die restliche Halle, die zusammen mit Bill Leeb, Rhys Fulber und den anderen auf der Bühne eine große Elektro/Industrial-Party feiert. Danach schiebe ich mich ohne große Mühen in die dritte Reihe, denn bei der immerwährenden Lieblingsband Covenant muss ich so weit vorn wie möglich stehen. Die Schweden feiern dieses Jahr ihr 40-jähriges Bandjubiläum, und ich habe sie im Februar schon bei dreien der Jubiläumskonzerte gesehen, bei denen je zwei Songs von einem Album (in chronologischer Reihenfolge) sowie natürlich einige andere Schmankerl gespielt werden. Sabine_Sa_Covenant-1-von-1Auch heute wird es so ablaufen, erzählt Eskil nach dem – die nächste Überraschung – recht kurzen Cryotank-Intro. „Theremin“ und „Speed“ machen auch wie gewohnt ordentlich Stimmung, doch oweh, der Sound ist auf einmal gar nicht gut, und wo ist Eskils Stimme? Bei „Feedback“ pendelt sich alles etwas ein, doch man merkt – auch bei den Ansagen –, dass Eskil heute nur mit halber Kraft unterwegs ist. Auch die beiden Daniels (Jonasson und Myer) agieren etwas zurückhaltender, aber insgesamt wird es trotzdem ein sehr schöner Auftritt mit einer Best-of-Setlist, nach der sich viele Bands die Finger lecken würden. Ein paar Songs müssen allerdings gekürzt werden, und am Ende gibt es nur eine Zugabe, aber „We stand alone“ ist ein fantastischer Abschluss. Gute Besserung, Eskil!
Sabine_Sa_La-Revolucion-Industrial-1-von-1Wider Erwarten reicht die Energie dann noch für die La Revolucion Industrial in der Moritzbastei, und dank der WGT-Tram 31 sind Mitbewohner 2 und ich sogar recht schnell vor Ort und erwischen noch ein paar Tracks von Udo Wiessmanns Set – wie immer ein Genuss! Die wunderbare Aura Kamikura löst ihn an den Decks ab und fesselt uns dann für die nächste Stunde an die Tanzfläche. Stehenbleiben ist unmöglich, wir tanzen, tanzen, tanzen (zusammen mit anderen Freunden), während die Tracks nach dem ruhigen,Sabine_Sa_Aura-Kamikura-1-von-1 atmosphärischen Anfang immer härter und drängender werden. Überall um uns herum tanzen glückliche Menschen im Oberkellergewölbe, und ich bin froh, dass es mit der Krachnacht noch geklappt hat. Nach Auras Set sind Mitbewohner 2 und ich dann aber doch ziemlich im Eimer und laufen nach Hause.

 
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Phoebe

Heute stehe ich gerne früher auf, sogar obwohl ich Haare waschen muss. Midgards Boten im Krystallpalast stehen auf dem Programm. Lieblingslocation, Lieblingsprogramm. Meine Freundin und ich stellen uns um 12.30 Uhr für die 13.30 Uhr Vorstellung an. Doch es gibt gar keine Schlange, sie lassen uns alle einfach sofort rein. Wie schön! So haben wir eine Stunde Zeit bei einem gepflegten grünen Tee zu plaudern, sehr gemütlich ist das an unserem Zweier-Tischchen ganz in der Nähe der Bühne. „Der Trommler“, wieder ein Märchen der Gebrüder Grimm, wird heute dargeboten. Samstag_Midgards-BotenSagt euch das was? Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Axel Thielmann bringt am Anfang immer sehr witzig und eindringlich die Geschichte auf den Punkt. „In dem Stück begegnet uns neben den üblichen Märchenfiguren wie Königstöchtern, Hexen, falschen Bräuten und anderen merkwürdigen Gestalten, die sich in finsteren Wäldern, auf Glasbergen, in Hexenhütten und Königsschlössern tummeln, ein junger Mann, der ein Militärinstrument spielt und dem Märchen seinen Namen gab. Er ist ein Macher, ein „Leistungssportler“, der zwar die Prinzessin befreit, aber selbst befreit werden muss, um zu lernen, was Liebe ist. Was für ein Stoff, um darüber zu improvisieren!“ Musikalisch wird dann das Märchen wieder mit den Musikern von Midgards Boten (ja, auch mit einem Trommler!) und der bezaubernden klassischen Sängerin Claudia Gräf dargeboten. Es ist wieder so schön, ich bin mir sicher, alle Zuschauer*innen waren berührt. Wir freuen uns jetzt schon auf das Märchen nächstes Jahr. Danach habe ich so viele Vorhaben: Soll ich zu Evi Wine im Parkschloss fahren? Ich habe sie vor vielen Jahren schon einmal live gesehen, sie ist einfach toll! Aber es ist noch so lange hin bis 17.30 Uhr, das mit dem Parkschloss behagt mir irgendwie nicht, genau wie die volle stickige Tram zum AGRA Gelände raus. Damit fällt also auch Plan B, die Multimedia-Lesung „Die Depeche Mode Trilogie“ von und mit Sascha Lange weg, die auch um 17.30 Uhr in der AGRA Hallo 4.2 spielen würde. Es ist auch so heiß! Aber nur rumbummeln möchte ich jetzt auch nicht. Also gehe ich nach ein wenig Schaufensterbummeln zur Alten Börse. Dieses wunderschöne Gebäude (mit seinem gepflegten Klo) ist immer ein Anker für mich. Heute spielt um 16 Uhr das Trio Amphiprio. Wenn ihr euch fragt, was für ein lustiger Name das ist, er wurde uns sogleich erklärt. Es ist der wissenschaftliche Gattungsname für den Clownfisch. Naheliegend, wenn es sich um so lustige Kerle handelt, meinten die Künstler. „Zwischen Folklore und Abgrund“: Samuel Waffler (Piano), Atur Kurghinyan (Violine) und Pierre Schaaf (Violoncello) haben Frank Martin (1890-1974): Trio sur des mélodies populaires irlandaises (1925) und Mieczysław Weinberg (1919-1996): Klaviertrio a-Moll op. 24 (1945) als Programm mitgebracht. Samstag_AmphiprioVorher wird dem Publikum ein wenig darüber erzählt. Frank Martin und Mieczysław Weinberg sind einer eher unerfahrenen Zuhörerschaft wahrscheinlich unbekannt, doch alle Stücke waren eindringlich und zauberhaft: „Frank Martins Trio entfaltet eine verborgene Magie – tänzerisch, verspielt, doch voller unterschwelliger Energie. Folklore als Echo einer uralten, fast mystischen Tradition. Abgrund der Moderne: Mieczysław Weinbergs Klaviertrio trägt den Schatten des Krieges in sich. Eine unerbittliche Maschinerie zwischen lyrischer Erstarrung und eruptiver Gewalt – ein Abgrund, der den Zuhörer in seine existenziellen Tiefen zieht.“ Die Alte Börse war alles andere als voll, doch die drei Musiker spielten, als ginge es um ihr Leben, und sie freuten sich sichtlich über unseren tosenden Applaus. Was jetzt tun? Anstehen und grillen in der Sonne an der Oper für Mozarts „Cosi fan tutte“? Ein Stück, das dann über drei Stunden geht und ich in und auswendig kenne? Irgendwie keine Lust, ich bummle ein wenig herum und gehe dann aus Nostalgiegründen zu einer meiner Lieblingsgegenden, die zwei, drei Straßenzüge um das Schauspielhaus herum, das leider wie auch letztes Jahr keine WGT Location mehr ist. Ich finde draußen am Café Luise ein schönes Plätzchen und trinke großartige selbstgemachte Minze-Basilikum-Limonade und esse etwas Gesundes. Kleiner Fun Fact am Rande: Auch die Clownfische kamen hierher zum Essen! Hier kann ich lange verweilen, Top-WLAN, Top-Klo! Danach habe ich irgendwie keine Lust mehr auf gar nichts, schäme mich zwar ein bisschen, steige dann aber am Gördeler Ring in die 7er Richtung nach Hause. Plingt mein Handy auf, mein Schatz schreibt, „lach nicht, ich steige soeben in die Tram ein und fahre in die Wohnung“. Haha! Nein, ich lache nicht. Ich bin ein bisschen vor ihm da, nehme noch ein kleines Bad, das die ganze Hitze des Tages abwäscht, und danach gibt’s Küchenparty!

Hier geht es zum WGT-Sonntag.

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