Kunst im Oberland

Ein vor allem im Vorfeld viel und hitzig diskutiertes Kunstprojekt wurde im Herbst 2019 in der Nähe von Polling in Oberbayern eingeweiht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Projekt des 1948 in Planegg geborenen Künstlers Bernd Zimmer stieß nicht von Anfang an auf Wohlwollen in der Bevölkerung und hat auch der ein oder anderen politischen Karriere ein zu erwartendes Ende beschert. Die Idee, eine Säulenhalle mitten in die Natur der Ammer Wiesen zu setzen, sorgte für viel Kopfschütteln, war die Ausstellungsort doch mehr als deplatziert gewählt, nicht nur in den Augen der ansässigen Naturschützer. Hinzu kommen hitzige Debatten über den vorausgegangenen Grundstückskauf, der das Projekt ermöglichen sollte. Inzwischen sind wohl die meisten kritischen Stimmen verstummt, aber wie ein Schild in der Nähe des Abzweiges zum Objekt zeigt, noch nicht alle. Die Kunstliebhaber nehmen es jedoch mit Humor, wie man auf selbigem Schild ebenso sieht.

Nun steht sie also da, die „Stoa“, ein Wort was meine nicht bayerisch geprägte Zunge nur etwas schwer über die Lippen bugsieren kann. Aber warum Stoa? Mit dem Stein, an den man hierbei vielleicht zuerst denkt, hat das allerdings nicht viel zu tun, wenn man davon absieht, dass im Boden der Halle unter den Lichtschächten Quadrate eingelassen und mit Kieseln befüllt sind. Diese Quadrate dienen übrigens, neben dem Lichteinfall in die Halle, zum Abfluss von Regenwasser. Beim Bau der Halle stand im Vordergrund, den Eingriff in die Natur auf ein notwendiges Minimum zu beschränken, sodass beispielsweise auf eine Bodenverdichtung verzichtet wurde. Durch die Lichtschächte wird auch das Regenwasser über die kiesgefüllten Quadrate zur Bodenplatte geleitet, um im entsprechend präparierten Untergrund zu versickern. Zurück zur Stoa, nun vielmehr bezeichnet Stoa eine altgriechische Wandelhalle, und als solche ist das Projekt auch vom Künstler initiiert worden. Die Idee zum Projekt Säulenhalle brachte der Künstler übrigens bereits vor 30 Jahren von einer Indienreise mit. Sie sollte ein Ort des Denkens, der Grenzenlosigkeit, des voneinander Lernens, des gegenseitigen Respekts und der Diskussion sein.

Die Vielfalt der Säulen faszinierten den Künstler, der unter anderem in Polling lebt und arbeitet, und den die Szene zu den Jungen Wilden zählt. So etwas, dass die Vielfalt, die Kunst und deren weltweites Wechselspiel feiert, wollte er in seiner Heimat etablieren. Im Laufe des langen, immer wieder unterbrochenen Planungs- und Entwicklungsprozesses war das Projekt mehrmals Änderungen unterworfen. Auf Vorschlag der Fachjury wurden 2017/18 über 200 Künstler aus allen Kontinenten zur Teilnahme eingeladen. Aus verschiedenen Gründen, wie hohes Alter, Zeitmangel – einige Künstler sind laut Angaben von Bernd Zimmer mittlerweile sogar verstorben –, gab es Absagen, die sich auch auf das Konzept der Säulenhalle ausgewirkt haben. Das Kuratorium der STOA169-Stiftung beschloss daraufhin, die Säulenzahl zu reduzieren. Das Grund-Quadrat wurde daher von 13 auf 13 Meter (169 Säulen) auf elf mal elf Meter (121 Säulen) verkleinert. Trotz der vorgenommenen Reduktion der Säulen wurde der Name STOA169 jedoch beibehalten.

Die meisten der 121 Säulen sind zwischenzeitlich bereits fertig gestellt und können bestaunt und erforscht werden, die noch fehlenden werden im Laufe der Jahre sukzessive von Kunststudenten gestaltet werden. Der Pfeiler der Münchner Klasse Rosenkranz ist schon zu sehen, 2021 wird die Kunsthochschule in Chicago folgen.

Für die Umsetzung der Idee einer Künstlersäulenhalle wurde die gemeinnützige STOA169 Stiftung gegründet, deren Vorsitzender Bernd Zimmer ist. Die Stiftung sorgt für den Zugang zur Halle und sichert ihren dauerhaften Erhalt. Der Eintritt ist frei.

Auch wenn derzeit optisch noch ein wenig Baustellenflair auf dem Gelände herrscht, so lohnt bereits jetzt schon ein Besuch. Vor Ort kann man eine Informationsbroschüre für 5 € erwerben, und für alle, die es digital lieber mögen steht eine App zum Download bereit, die alles Wissenswerte rund um die einzelnen Säulen und Künstler bietet. Einen hilfreichen Säulenfinder gibt es darin auch zu entdecken, sodass schnell der passende Kontext zum gerade bestaunten Objekt geliefert werden kann.

Hier gehts zur App:

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Die STOA169 ist rund um die Uhr frei zugänglich. Zu erreichen ist die Halle von der Roßlaichbrücke an der B 472 aus oder über einen Feldweg hinter dem Pollinger Bahnhof Richtung Ammer – zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Meine Bitte jedoch an euch: Die Kunsthalle ist sowohl von Weilheim als auch von Peißenberg fußläufig gut erreichbar, die teilweise an der Ammer entlangführenden Wege sind sehr gut begehbar und liegen inmitten der schönen Landschaft. Nehmt euch daher etwas mehr Zeit für den Besuch, parkt nicht in unmittelbarer Nähe und genießt noch ein wenig die Zeit in der Natur. Die Anwohner werden es euch, wenn auch im Stillen, sicher danken.

STOA169

Hinweis:
Aufgrund der Corona-Beschränkungen ist die Säulenhalle vorübergehend für den Publikumsverkehr geschlossen.

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