Explosionen der Herzen

Die wenigsten Bands haben im Moment die Möglichkeit, auf Tour zu gehen und das zu tun, was alle Beteiligten dringend brauchen: live zu spielen. Wir alle müssen seit Monaten auf so vieles verzichten, ganz zu schweigen von all den Menschen, die mit Veranstaltungen ihr Geld verdienen. Es ist eine Scheißzeit, und dass kein richtiges Ende absehbar ist, lastet auf uns allen schwer. Umso wichtiger sind da kleine Lichtblicke, wie sie zum Beispiel im Backstage im Moment möglich sind – entweder die Abstandskonzerte im Werk oder die Outdoorauftritte in der Arena Süd mit genügend Platz und viel frischer Luft. Manchmal sogar sehr frischer, wenn die Temperaturen in den einstelligen Bereich fallen, wie am heutigen Samstag – aber das spielt überhaupt keine Rolle, wenn sich die immerwährende Lieblingsband angekündigt hat. Covenant rufen die Schiffe in den Hafen, und diesem Ruf wird natürlich gefolgt! Weiterlesen

Hello my darkness!

Nachdem der letzte Katzenclub wegen Sturzbachregen verschoben werden musste (neuer Termin: 26.9.20, mit Adam Usi auf der Bühne), ist es heute Abend endlich wieder soweit. Eine der derzeit möglichen kleinen Fluchten aus dem Alltag ist der Soundgarden mit Biergarten im lauen Spätsommerlüftchen, bei bester Beschallung durch die Pagan DJs mit Freunden. Young & Cold Records sind mit einem Merch-Stand vertreten und haben auch gleich zwei ihrer formidablen Acts mitgebracht: DIAF und Elvis de Sade. Düster-leidenschaftliche Musik aus Niederbayern, die sich einer Kategorisierung erfolgreich entzieht sowie von Eurodance beeinflusster Postpunk und Darkwave – wenn das nicht spannend klingt! Zumal DIAF aus Niederbayern heute sein Live-Debüt feiert, was man per se schon mal unterstützen sollte. Tickets sind wie immer kostenlos, dafür aber auch begrenzt, frühes Erscheinen lohnt sich also, und die Zeit bis zu den Konzerten kann man ja hervorragend mit Freund*innen im Soundgarden verquatschen. Weiterlesen

Olympisches Gold

Besondere Zeiten erfordern neue Konzepte, und so hat die Stadt München den „Sommer in der Stadt“ ausgerufen – dezentrales Vergnügen an verschiedenen Orten wie zum Beispiel am Königsplatz, dem Mariahilfplatz oder auch dem Olympiazentrum. Neben Riesenrad und anderen Attraktionen gibt es dort diesen Sommer auch die sogenannte „Sommerbühne im Stadion“ – eine extra aufgebaute Bühne mit Bestuhlung unter der Überdachung des Olympiastadions. Das Musikprogramm ist vielfältig, verschiedene Münchner Kulturveranstalter*innen wie Polarkonzerte mischen mit. Am heutigen Tag stehen das Münchner Feierwerk und der Katzenclub Pate für das Programm: Rue Oberkampf (Passau/München) und Zanias (Australien/Berlin) versprechen einen elektronisch-verzauberten Abend unter der berühmten Dachkonstruktion mit Blick ins Rund des Stadions. Beide Formationen sind lieb gewonnene Gäste des Katzenclubs, und ich freue mich sehr, Rue Oberkampf so bald schon wieder zu sehen (erst vor ein paar Wochen als erstes Live-Konzert seit einem halben Jahr in der Kranhalle) und Zanias nach fast zwei Jahren auch endlich mal wieder. Weiterlesen

Welcome to the Soundgarden!

Dass uns die letzten Monate alle vor die verschiedensten Herausforderungen gestellt haben, müssen wir hier nicht weiter ausführen. Vieles, was uns lieb und teuer ist, ist weggefallen, anderes kann nur eingeschränkt wieder betrieben werden. Umso schöner war da die Nachricht, dass der Katzenclub zusammen mit dem Feierwerk eine Outdoor-Edition plant, den sogenannten Soundgarden. Biergarten im Freien mit DJs – leider noch ohne Tanzmöglichkeit -, Getränke vom Feierwerk, Essen darf mitgebracht werden. Dazu als Krönung noch zwei Konzerte von Rue Oberkampf, damit trotz der bestuhlten Halle und verringerter Ticketzahl genügend Leute in den Genuss von Live-Musik kommen. Lasst euch das auf der Zunge zergehen: Live-Musik! Nachdem der Soundgarden wegen ungewissen Wetters um eine Woche verschoben werden musste, steht dem Spektakel heute zum Glück nichts im Weg. Nichts wie hin! Weiterlesen

The Bay strikes back!

San Francisco Bay Area – das heißt Napa Valley, Stanford University, die Golden Gate Bridge, Silicon Valley und das Muir Woods National Monument mit den berühmten Mammutbäumen. Metal-Fans bekommen aber aus anderen Gründen leuchtende Augen, wenn sie „Bay Area“ hören: Diese Gegend im Norden von Kalifornien ist nämlich auch die Geburtsstätte des (amerikanischen) Thrash Metals. Drei namhafte Vertreter – Testament aus Oakland, Exodus aus San Francisco und Death Angel aus Concord – sind seit dreißig Jahren befreundet, und erst jetzt konnte eine gemeinsame Tour in dieser Konstellation möglich gemacht werden. Ein historisches Ereignis also, und auch wenn gerade Testament und Death Angel regelmäßig und verlässlich über den Teich kommen (zuletzt gemeinsam mit Annihilator im November 2017, und das war schon extrem großartig) und bei uns vorbeischauen, ist diese Kombination aus drei Legenden des Thrash Metals doch ziemlich einzigartig. Kein Wunder, dass die Shows der Tour nach und nach alle ausverkauft sind, und wieso sollte das in München anders sein? Es wird also kuschlig im Backstage Werk – mal schaun, ob noch Platz fürs Haareschütteln sein wird! Weiterlesen

Wenigstens in Jotunheim herrscht Winter

Ein Metal-Highlight jagt in diesem Februar das nächste, viele finden in den großen Locations wie Tonhalle oder sogar Olympiahalle statt. Mir hingegen ist nach ordentlichem finnischen Pagan Metal, der so wütend und finster wie die Eisriesen daherkommt und für Fans ein metallisches Walhalla darstellt. Meine Lieblinge Moonsorrow bitten zu einem Konzert außerhalb jeder Tour in die Backstage Halle, das letzte Album Jumalten aika ist auch schon von 2016 – so langsam wäre neues Material sehr schön, aber so deutet alles auf einen fetten Abend durch die Bandgeschichte hin, und das hat man ja nun auch nicht jeden Tag. Mit Groza hat man (nur) einen spannenden Opener organisiert, und ein Zwei-Band-Konzert ist eine wohltuende Abwechslung zu den sonstigen Marathonabenden. Also, Kamera geschultert und ab in die Backstage Halle. Weiterlesen

Ein arktischer Wintersturm

Ein windiger Mittwochabend in München lädt nun wirklich nicht dazu ein, das Haus zu verlassen. Es sei denn, die Argumente sind gut genug. Doch was könnte überzeugender sein als laute Musik norwegischer Provenienz? Zumindest ein gewisser Teil des Münchner Metal-Publikums hat sich aufraffen können, ins Backstage zu fahren, und absoluten Genre-Größen wie Abbath, 1349 und David Vincent mit neuem Projekt Vltimas die Ehre zu erweisen – aber bei weitem nicht so viele, wie es bei dem Line-up eigentlich hätten sein müssen. Weiterlesen

Lost in aviation oder Alles wird ASG

Das Jahr ist zwar noch jung, aber ganz bestimmt nicht arm an Highlights. Ein ganz besonderes ist wie immer der Katzenclub, dessen hervorragender Ruf sich mittlerweile schon international herumgesprochen hat. Die Party- und Konzertreihe holt zuverlässig die Acts nach München, die man hier unbedingt sehen möchte und für die man ansonsten meistens quer durch die Republik auf einschlägige Festivals reisen müsste. Zusammen mit den abwechslungsreichen Partys, die bis in die frühen Morgenstunden dauern und die man entweder mit exzessivem Quatschen oder genauso exzessivem Tanzen verbringen kann, freut man sich gern ein paar Wochen oder Monate im Voraus auf die Termine. Heute Abend ist es nach dem rauschenden Festival im November endlich wieder soweit, und mit The Devil & The Universe, Agent Side Grinder und Clan of Xymox hat man ein so internationales wie gothisch epochen- und stilübergreifendes Paket geschnürt. Extra früh soll es losgehen, damit die Party nach den Konzerten dann auch einigermaßen pünktlich anfangen kann. Weiterlesen

God is in the house

Nick Cave scheint über unerschöpfliche Kreativitäts- und vor allem Energiereserven zu verfügen, trotz seiner gut sechzig Jahre und – wie wir alle wissen – nicht leichten zurückliegenden Jahre. Mit dem Album Skeleton tree und der dazugehörigen Tour hat er so öffentlich wie intim um seinen verunglückten Sohn Arthur getrauert und sich von Abend zu Abend mehr dem Publikum geöffnet. Wer bei einem dieser Konzerte war, weiß, was ich meine. Nick Cave hat für sich die Kommunikation, den Weg nach außen gefunden, um mit dem Schmerz und der Trauer fertig zu werden und beständig neue Kraft zu schöpfen. Auf seiner Webseite The Red Hand Files beantwortet er Fragen, die ihm Menschen zugeschickt haben – manche ganz banal, manche sehr schwer und tiefgründig. Daraus entstand ein ganz neuartiges Auftrittskonzept, die „Conversations with Nick Cave“, mit dem er 2019 in ausgewählten Städten auftrat. Die Idee: Er allein mit Klavier auf der Bühne, abwechselnd spielt er Songs und beantwortet Fragen aus dem Publikum. Ohne Netz und doppelten Boden. Nicht viele Künstler*innen sind so souverän (Amanda Palmer würde ich gern mal in so einem Rahmen erleben), und nicht viele haben so viel zu sagen. Jeder dieser Abende ist eine Wundertüte, und umso gespannter bin ich auf den heutigen Auftritt im Kurhaus Wiesbaden. Weiterlesen

Ein kleines bisschen Horrorshow

Nein, hier kommt nicht Alex, wenn der Vorhang aufgeht, sondern die Bloodsucking Zombies From Outer Space aus dem extraterrestrischen Wien. Seit 2002 sind die Horrorfreaks bereits aktiv und haben neben diversen EPs acht Studioalben veröffentlicht, von denen das letzte All these fiendish things letzte Jahr erschienen ist. Waren die Anfänge noch recht Psychobilly-lastig, haben BZFOS das enge Genre-Korsett schnell gesprengt und mit erweiterten Horrorpunk-Einflüssen ihr ganz eigenes Genre Horrorbilly geschaffen. Heute Abend treten sie ohne Vorband auf, aber einen Anheizer haben sie ohnehin nicht nötig. Weiterlesen