Film: Loving Vincent

Starry, starry Night

 

loving vincent

Vincent van Gogh, das ist dieser Künstler mit der Sonnenblume, der sich später ein Ohr abschnitt und es einer Prostituierten zum Geschenk machte. Wer kennt nicht irgendetwas von oder über ihn? Doch so viel weiß man wieder nicht über van Gogh. Zum Beispiel sind die Umstände seines Todes nicht ganz geklärt. War es Selbstmord? War es Mord? Mit dieser Geschichte befasst sich Loving Vincent. Sie beginnt nach seinem Tod im Jahr 1890. Arman Roulin erhält von seinem Vater, einem Postmeister und Freund des Künstlers, einen Auftrag: Er soll van Goghs jüngeren Bruder Theo finden und ihm einen Brief zustellen. Anfangs hat Arman überhaupt keine Lust darauf, aber dann begibt er sich doch auf den Weg. Seine Recherche bringt ihn mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt, Menschen, die Modell für van Gogh standen oder ihm anderweitig begegneten, wie Leute in seinen Unterkünften, sein Arzt oder sein Farbenhändler.

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Film: Dieses bescheuerte Herz

Herz über Kopf

dieses bescheuerte herz

Lenny lässt’s krachen. Er macht, was er will. Nachts wird gefeiert, und nichts hält ihn auf. Im P1 ist er Stammgast, und seine Freunde und die jungen weiblichen It-Girls zelebrieren ihn bei Champagner, Koks und anderen undefinierbaren Tabletten für unter die Zunge. Bis er eines Nachts im Suff mit Vollgas das Auto in den Pool setzt anstatt in die Garage seines Vaters. Dieser hat ab jetzt die Nase endgültig voll. Das Auto-Navi ruft noch mit Blubberblasen aus dem Pool „Wenn möglich, bitte wenden“. Der Vater, ein Herzchirurg, nimmt das als Programm und Warnung. Lenny, obwohl schon 30, hat bislang noch nichts auf die Reihe gebracht, lebt aber in Saus und Braus auf Kosten seines Vaters und auch in seinem Haus. Wenn Lenny weiterhin von ihm finanziell gesponsert werden will, muss er sich nun um einen Patienten kümmern, der seit seiner Geburt schwer herzkrank ist und deshalb noch keine großen Sprünge machen konnte. Es handelt sich um den 15jährigen David, der nicht weiß, ob er seinen 16. Geburtstag erleben wird. Notgedrungen nimmt Lenny diese Aufgabe vorerst an. Als er in dem Münchner Wohnblock nach der Klingel seines „Klienten“ sucht, ahnt er noch nicht, was auf ihn zukommen wird.

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Film: The Killing of a Sacred Deer

Schuld und Sühne

Die Murphys sind eine amerikanische Killing of a Sacred DeerBilderbuchfamilie: Vater Steven (souverän und charismatisch: Colin Farrell) ist erfolgreicher Herzchirurg, seine Frau Anna (von kühler Schönheit: Nicole Kidman) leitet eine Augenklinik, auch ihre Kinder, die 14-jährige Kim (Raffey Cassidy) und der 12-jährige Bob (Sunny Suljic) sind in jeder Hinsicht vorbildlich, wohlerzogen und Musterschüler. Dieser Idylle und Harmonie tut auch das etwas emotionslose Miteinander der Familienmitglieder keinen Abbruch, das darin gipfelt, dass die Eheleute eine skurrile sexuelle Praktik namens „Vollnarkose“ ausüben: Auf dieses Stichwort hin muss sich Anna bewegungslos aufs Bett legen, als habe sie gerade eine Totalanästhesie erhalten.
Außerhalb dieses familiären und des nicht minder sachlich-nüchternen beruflichen Kosmos pflegt Steven jedoch noch eine zunächst seltsam anmutende Freundschaft zu dem 16-jährigen Martin (mit einer Mischung aus teenagertypischer Verstocktheit und unterschwelliger Bedrohlichkeit grandios verkörpert von Barry Keoghan). Weiterlesen

Film: Madame

Aschenputtel in Paris

Madame

Das reiche amerikanische Ehepaar Anne (Toni Collette) und der sehr viel ältere Bob (Harvey Keitel) leben seit Kurzem in Paris. Man will ein großes Dinner veranstalten, zu dem die Hautevolee Frankreichs sowie Gäste aus der amerikanischen und englischen High Society eingeladen sind. Es wird dekoriert, dekantiert, der Tisch eingedeckt, doch dann platzt Steven, Bobs Sohn aus erster Ehe, herein. Er ist Literat und ein liebenswerter Chaot, der alles durcheinanderbringt, eben auch die Tischordnung. Denn dreizehn Gäste an einem Tisch, das geht für die abergläubische Anne gar nicht. Was tun? Von ihren Hausangestellten sind bis auf Maria (Rossy de Palma) alle vollkommen inakzeptabel, deshalb wird diese gebeten, sich als Gast auszugeben. Maria will zuerst gar nicht. Aber Madame brieft sie in Aussehen, Benehmen, Etikette: Nicht zu auffällig aussehen, nicht zu viel essen, trinken und reden.

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Film: Flatliners

Wie geht es weiter nach dem Tod?

flatliners

Die junge Courtney und noch eine Handvoll Medizinstudenten um sie herum schuften jeden Tag im Krankenhaus und in ihrer Freizeit in der Bibliothek. Alle sind ehrgeizig und möchten unbedingt Ärzte werden. Courtney forscht zudem im Bereich von Nahtoderfahrung und benötigt Hilfe hierbei. Sie will wissen, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, zudem verspricht sie sich eine einmalige Forschungsarbeit und Bekanntheit und dadurch eine große Chance nach ihrem Studienabschluss. Sie spricht ihre Kommilitonen an, und im Keller des Krankenhauses ziehen sie das von ihr durchdachte Experiment durch: Mit Hilfe eines Defibrillators kommt es bei ihr zu einem Herzstillstand, und nach genau 60 Sekunden muss man sie wieder zum Leben erwecken. Die Sekunden nach dem Tod sind atemberaubend für Courtney. Farben, Formen, Geschwindigkeit, Gefühle, Licht!

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Film: Coco – Lebendiger als das Leben!

Ein Leben ohne Musik ist kein Leben

Coco

Der zwölfjährige Miguel ist der Musik verfallen, er musiziert und singt für sein Leben gern. Leider muss er das heimlich tun, denn seine Familie verbietet es ihm. Seit sein Ururgroßvater damals Frau und Tochter – seine Uroma Coco – verlassen hat, um Musiker zu werden, gibt es in der Familie keine Musik. Miguel soll auch Schuster werden, wie der ganze Clan. Er aber will unbedingt am Dia de los muertos (dem Tag der Toten) an einem Musik-Talentwettbewerb teilnehmen, denn er eifert seinem großen Idol, dem Sänger Ernesto de la Cruz nach. Mangels Gitarre will er sich aus dem Mausoleum dieses Stars seine Gitarre ausleihen. Und dort geschieht das Wunder: Er kommt dabei irgendwie ins Reich der Toten! Erst versteht er gar nicht, was hier vor sich geht, aber da er ein pfiffiges Kerlchen ist und auch an die Hand – pardon – an die Fingerknöchelchen von ganz lieben Skeletten genommen wird, begreift er schnell, was hier passiert. Er trifft die Seelen seiner toten Verwandten, unter anderem seine Ururgroßmutter Imelda, die einst der Musik wegen verlassen wurde. Sie ist ein strenges, aber doch liebevolles, stolzes Weib mit einem Drachen wie Daenerys Targaryen!

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Film: A Ghost Story

Melancholische Geisterstunde

Ein Mann stirbt und kehrt als Geist zurück zu seiner Frau – Ghost Storyein durchaus nicht neuer Plot, doch so wie er in dem außergewöhnlichen Film A Ghost Story des US-Amerikaners David Lowery erzählt wird, der hier als Drehbuchautor und Regisseur fungiert, habe zumindest ich ihn noch nie zuvor gesehen.

C (der für Manchester by the Sea mit dem Oscar prämierte Casey Affleck) und M (Rooney Mara, bekannt unter anderem als Lisbeth Salander in der US-Filmversion des Larsson-Romans Verblendung) – deren genaue Namen nie genannt werden, selbst diese wenig aussagekräftigen Buchstaben kann man erst dem Abspann entnehmen – leben gemeinsam ein alltägliches Leben mit Hochs und Tiefs in ihrem eigenen Häuschen irgendwo in der amerikanischen Provinz. Weiterlesen

The Cure – Der etwas andere Konzertfilm

Robert, wir fahren nach Lodz!

Das waren noch Zeiten, als man mit einem gepackten Rucksack in Konzerthallen durfte. Vielleicht ein Fläschchen Wasser dabei, eine belegte Semmel, Streichhölzer und Feuerzeuge für die ganz großen Momente.

Die Feuerzeuge waren aber ohnehin endgültig vorbei, als die Handys mit ihren blinkenden Bildschirmen aufkamen. Doch diese werden ja nicht nur benutzt, wenn uns die Götter auf der Bühne zu ergreifenden Gesten animieren und unisono die Arme geschwungen werden, die Handys ein Meer aus Lichtern bilden. Nein, die Konzertbesucher fotografieren und filmen, was das Zeug hält, sodass man meist das Konzert auf dem Handy des Vordermannes mitverfolgen kann. So war es auch 2016 bei The Cure. Auch ich war letztes Jahr im Oktober in der Olympiahalle, auf einem Sitzplatz in der drölfzigsten Reihe. Hatte die Wahl, mir Robert Smiths Vogelnest auf dem Kopf in Stecknadelgröße anzusehen, oder auf den Leinwänden links und rechts, oder auf den verschiedenen Handys davor.

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Film: Schloss aus Glas

Von einer gar nicht so märchenhaften Kindheit

Schloss aus Glas

Du hast eine unbeschwerte Kindheit, liebende Eltern, ein paar Geschwister, damit du immer inspiriert bist und niemals allein, und zu allem baut dir dein Papa auch noch ein Schloss aus Glas?

Die Wirklichkeit sah anders aus für Jeannette Walls: Die Walls sind bettelarm. Oft sind sie auf der Flucht vor Gläubigern und verlassen überstürzt ihr Heim. Noch öfter müssen die Kinder hungrig schlafen gehen. Die Mutter ist eine egozentrische Künstlerin, die die Meinung vertritt, dass ein Bild für die Ewigkeit ist, eine Mahlzeit hingegen vergänglich und unnötig. Der Vater ist ein Lebenskünstler mit großartigen Plänen – die nicht ausgeführt werden. So wird die Grube für das Fundament für das Schloss aus Glas zu einer Müllkippe.

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Film: What happened to Monday?

Geschwister verboten

what happened to monday

In nicht allzu ferner Zukunft: Die Menschheit hat es geschafft. Die Ressourcen der Erde sind aufgebraucht, es herrscht Überbevölkerung, Armut, Hunger. Bis Forscher die Gentechnologie so weit vorantreiben, dass man mit diesem speziell gezüchteten Gemüse und Fleisch wieder alle satt bekommt. Es hat nur einen Nachteil: Danach kommt es zu übermäßiger Fruchtbarkeit und vielen Mehrlingsgeburten. Die Konsequenz ist eine strenge Ein-Kind-Politik. Man darf nur ein Kind behalten, Geschwister müssen abgegeben werden, sie werden eingefroren und für bessere Zeiten aufbewahrt. Die Kind-Zuteilungsbehörde unter dem Regime von Nicolette Cayman (Glenn Close) ist sehr streng und spürt illegale Kinder auf. Da bringt eine Karen Settmann Siebenlinge zur Welt. Sie selbst stirbt dabei, einen Vater gibt es nicht, der Großvater (Willem Dafoe) bekommt vom Krankenhaus unerlaubterweise die Säuglinge mit. Er nennt sie nach den sieben Wochentagen, Monday, Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday, Saturday und Sunday. Er bereitet ihnen im Geheimen ein liebevolles Zuhause, ist aber dennoch vorbereitet auf plötzliches Verstecken von sechs Schwestern, sollte jemand vor der Tür stehen. Der Großvater unterrichtet sie und bereitet sie auf das Leben vor. Zu Beginn des Schulanfangs dürfen die Mädchen endlich die Wohnung verlassen. Aber jeden Tag immer nur eines – entsprechend ihrem Namen.

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