Film: Die göttliche Ordnung

Salute, ragazze!

Die goettliche Ordnung großSchweiz, 1971: Nora Ruckstuhl ist jung, weitestgehend glücklich mit dem Schreiner Hans verheiratet und hat zwei entzückende kleine Söhne. Sie ist Hausfrau und hilft nebenher noch auf dem Hof ihres Schwagers Werner. Sie kennt kein anderes Leben, doch so langsam macht sich ein klein wenig Unzufriedenheit in ihr breit. Sie will wieder arbeiten, halbtags, in ihrem alten Beruf als Sekretärin. Hans ist jedoch strikt dagegen. Ob ihr denn die Arbeit wichtiger als die Familie sei? Wie er denn vor seinen Kollegen dastünde, wenn die Frau arbeiten gehen müsse? Und überhaupt – ohne seine Erlaubnis darf sie überhaupt keine Stelle annehmen (dieses Gesetz hat übrigens bis 1988 Bestand). Das ist für Nora eine Art Erweckungserlebnis, und sie stürzt sich in den Kampf um die bevorstehende Abstimmung zur Einführung des Frauenwahlrechts. In ihrem kleinen Ort findet sie nur in der alten Vroni, der italienischen Gastwirtin Graziella und schließlich ihrer Schwägerin Therese Verbündete, die erste große Rede vor der versammelten Dorfgemeinschaft endet desaströs. Sogar ein Großteil der Frauen ist gegen das Frauenstimmrecht, das gegen die „göttliche Ordnung“ verstoße. Doch Nora gibt nicht auf und setzt damit eine ganze Reihe von unerwarteten, schockierenden und befreienden Ereignissen in Gang … Weiterlesen

Film: Valerian

Ein Weltraumspektakel

 valerian

Luc Besson hat einen neuen Film gemacht. Ein jeder kennt ihn von Im Rausch der Tiefe, Das fünfte Element und je nach Gusto noch vielen weiteren Filmen unter seiner Regie. Rutger Hauer führt uns in die Geschichte ein.

Wir schreiben das 28. Jahrhundert. Spezialagent Valerian (Dane DeHaan) und seine schöne Kollegin Laureline (Cara Delevingne) sorgen für Recht und Ordnung in der Galaxis. Sie werden in die riesige Weltraum-Metropole Alpha gerufen. Dort leben unzählige verschiedene Spezies friedlich zusammen. Sie haben ihr Wissen vereint, und jeder kann es abrufen. Doch plötzlich scheint auf der Weltraumstation etwas nicht zu stimmen.

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Film: Paris kann warten

Der Weg ist das Ziel

Paris kann warten

Michael Lockwood (Alec Baldwin) ist ein gefragter Hollywood-Produzent. Er hat einen Termin in Cannes, danach will er mit seiner Frau Anne (Diane Lane) ein paar Tage Auszeit in Südfrankreich nehmen. Doch es kommt anders: Er muss aus geschäftlichen Gründen nach Budapest. Anne, die Ohrenschmerzen hat und nicht fliegen will, soll mit Michaels Geschäftspartner Jacques (Arnaud Viard) mit dem Auto nach Paris fahren – so ist zumindest der Plan. Normalerweise würde man die Strecke in einigen Stunden schaffen, doch der Franzose und Bonvivant Jacques fährt mit einem Columbo-mäßigen alten Cabrio vor und macht die Fahrt zu einem Happening.

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Film: Get Out

Schöne, weiße Welt

 

Get out

„Wissen sie, dass ich schwarz bin?“ fragt Chris seine Freundin Rose, bevor sie ihre Familie das erste Mal besuchen. „Sollten sie?“ meint Rose. Rose kommt aus einem gutbürgerlichen, gebildeten Haus, und es scheint, dass ihre Familie keine Vorurteile gegenüber Menschen anderer Couleur oder gemischtrassigen Pärchen hat. Im Gegenteil, der Vater ist ein ganz großer Fan von Barack Obama, und er hätte ihn lebenslänglich gewählt, wenn das möglich gewesen wäre. Das klingt ja schon mal gut! Doch irgendwie ist die Stimmung auf dem Anwesen der Eltern seltsam. So herzlich diese sind, so merkwürdig sind die – allesamt schwarzen – Angestellten. Sie verhalten sich abweisend, beobachtend und unterwürfig.

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Film: Ein Dorf sieht schwarz

Weiße Hinterwäldler treffen auf lebensfrohe Afrikaner

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1970er Jahre: Seyolo Zantoko ist mit seiner Familie vor dem korrupten Regime in Zaire nach Paris geflohen, ist dort Arzt geworden und bekommt nun die Chance, in einem kleinen Kaff in Nordfrankreich eine Praxis zu leiten. Seine Familie versteht „in der Nähe von Paris“ ziemlich falsch. Nun, als seine doch ziemlich glamouröse und temperamentvolle Frau und die beiden in Paris gut integrierten Kinder in Marly-Gomont eintreffen, sehen sie mit einem Blick, dass es zum Eiffelturm und Montmartre sehr, sehr weit ist.
Nichtsdestotrotz versuchen alle nach einigem Murren und Knurren, das Beste daraus zu machen. Doch die Dorfbewohner sind verstockt und stur: Mit einem schwarzen Arzt haben sie nun doch nicht gerechnet. Lieber fahren sie kilometerweit, bevor sie sich von einem Schwarzen behandeln lassen. Es stellt sich zusätzlich heraus, dass alles auch ein wenig ein politischer Schachzug des noch regierenden Bürgermeisters ist. Dr. Zantoko aber will um alles in der Welt diese Hinterwäldler für sich gewinnen.

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Film: Die andere Seite der Hoffnung

Hoffnung gibt es überall

dasdh_artwork_kinoplakat_din-a3Seit über fünfunddreißig Jahren veröffentlicht der finnische Regiemagier Aki Kaurismäki einen bemerkenswerten Film nach dem anderen. Zu seinen großen Erfolgen zählen die hinreißende Musikkomödie Leningrad Cowboys go America, die düstere Arbeitertrilogie Schatten im Paradies, Ariel und Das Mädchen aus der Streichholzfabrik sowie die hoffnungsvolleren Filme der letzten Jahre wie Wolken ziehen vorüber, Der Mann ohne Vergangenheit und Die Lichter der Vorstadt. Düster und sehr, sehr finnisch sind Kaurismäkis Werke immer, doch gleichzeitig voller zarter Untertöne und herzzerreißend schöner Momente. Mit Le Havre hat sich Kaurismäki erstmals deutlich an der Gegenwart orientiert und die Handlung dafür auch aus Finnland nach Nordfrankreich verlegt. Mit Die andere Seite der Hoffnung (im Original: Toivon tuolla puolen) bringt der Regisseur nun den zweiten Teil seiner geplanten Flüchtlingstrilogie in die Kinos, und zumindest auf der Berlinale 2017 hat er schon mal gut abgeräumt. Verdient? Weiterlesen

Film: Wilde Maus

Nackter Mann im Schnee

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Georg Endl (Josef Hader) ist sich seiner Sache vollkommen sicher. Er ist und bleibt ein etablierter Musikkritiker für ein renommiertes Feuilleton einer Wiener Zeitung. Doch von einer Sekunde auf die andere ist alles ganz anders: Er wird von seinem Chef gekündigt, weil er zu teuer ist, er muss gehen, damit drei junge billige Redakteure bleiben können. Die müssen zwar alles googeln, während Georg alles im Kopf hat, aber so ist es eben. Völlig desorientiert schafft er es nicht, seiner wesentlich jüngeren Frau (im Film wie auch im wahren Leben: Pia Hierzegger) von der Kündigung zu erzählen. Zumal diese, nun in ihren Vierzigern, plötzlich Kinderwunsch entwickelt hat und streng daran arbeitet, schwanger zu werden. Während ihre größten Probleme der nächste Eisprung und die beste Stellung beim Sex sind, weiß Georg nicht, wie er würdevoll den Tag rumbekommen soll. Tagtäglich geht er aus dem Haus, mit Rachegedanken an seinen Vorgesetzten im Kopf.

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Film: Lion – Der lange Weg nach Hause

Wie ein Löwe

Lion

Guddu muss seiner alleinerziehenden Mutter helfen, über die Runden zu kommen. Diese schleppt den ganzen Tag Steine. Ihr halbwüchsiger Sohn unterstützt sie, bringt ab und an ganz besondere Leckerbissen mit nach Hause, in die Slums einer indischen Kleinstadt, wie eine Mango oder ein paar Schlucke Milch. Der kleine Junge Saroo will seinem großen Bruder unbedingt helfen und begleitet ihn dann auch einmal nachts. Aber er wird müde, und Guddu zieht alleine los. Das Kind setzt sich auf einem Bahnsteig in einen Zug, schläft ein und fährt zwei Tage lang über tausend Kilometer durchs ganze Land, Endstation Kalkutta. Der Bahnhof ist ein Schock für ihn. Man versteht ihn dort auch nicht, denn er spricht Hindi, nicht Bengali. Auf die Frage, wie seine Mutter heißt, antwortet er „Mama“. Den Ort, aus dem er kommt, kennt keiner. So stromert er monatelang den Abfall durchwühlend durch die Gegend, übernachtet auf einem Stück Pappe im Dreck, bis er irgendwann zusammen mit ein paar anderen verwahrlosten Kindern von der Polizei eingesammelt und ins Waisenhaus gebracht wird.

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Film: Rammstein: Paris

Feuer, Flammen, eine beinahe explodierte Leinwand und geplatztes Trommelfell

© Rammstein.de

© Rammstein.de

Bevor ich ins Detail gehe, eins vorneweg: Das ist sicherlich einer der besten Konzertfilme, die ich je gesehen habe, egal ob im Kino oder zu Hause. Nicht nur für Rammstein-Fans sollte das ein absolutes Muss sein, wenn man gerade vor der Wahl steht, entweder der neue King Kong (gähn, Hollywood) oder eben die urgewaltige Live-Explosion auf der Leinwand namens Rammstein: Paris! Das Endprodukt ist schlichtweg uneingeschränkt und absolut empfehlenswert, hier haben alle am Konzert Beteiligten definitiv Nägel mit Köpfen gemacht. Das Publikum frisst der Band aus der Hand, und visuell wie auch akustisch bleibt wirklich kein Auge trocken. Streckenweise ist die Schnittabfolge etwas zu hektisch. Hier hätte ich mir stellenweise ein längeres Ausharren auf einer Einstellung gewünscht, aber letztendlich erlaubt die Musik solche Ausruher eigentlich nicht, wie es auch schon auf der aktuellen Live-Bluray Rammstein in Amerika zu sehen war. Weiterlesen

Film: Elle

Lust for Life

Elle

Michèle, eine kühle, toughe Frau in ihren 50ern, wird in ihrem eigenen Haus von einem maskierten Mann mitten am Tag überfallen und brutal vergewaltigt. Anstatt zerbrochen um Hilfe zu bitten nimmt sie ein Bad, bestellt Sushi und zieht den Abend so durch wie geplant. Überhaupt ist sie die Drahtzieherin von fast allem und jedem, der mit ihr zu tun hat. Beruflich ist sie die Chefin in einer Firma für Videospiele, privat jongliert sie einen komplizierten Sohn, der sich an eine Frau ketten will, die ihm ihr Kind als seines verkaufen will, managed ihre alte exaltierte Mutter, die sehr an Joan Collins erinnert, kümmert sich um ihren bankrotten Ex-Mann samt neuer Freundin, um ihre Freundin nebst Mann, mit dem sie ein Verhältnis hat, und auch um ihre jungen Nachbarn, wobei sie da den jungen Ehemann noch entzückender findet als die Ehefrau.

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