Mit ABBA den Tod vertreiben

Julia nennt sich selbst chronisch erfolglose Lohnschreiberin. Sie ist zwar Journalistin, aber nicht fest angestellt. Ihr Hauptauftraggeber ist ein sexistischer Macho, der Chefredakteur von „Gesundheit heute“. Auch nicht gerade der Spiegel, Stern oder Focus! Aber sie schlägt sich so durch. Immerhin hat sie eine andere Gabe: Sie schafft es immer als eine der Ersten bei Presseveranstaltungen ans Büffet. Julia lernt immer wieder tolle Typen kennen und hat beste Freundinnen. Was braucht man mehr, würde man meinen? Naja, sie weiß schon selbst, dass sie nicht gerade das Beste aus ihren beruflichen Fähigkeiten gemacht hat. Sie kann bzw. will keinen Mann halten, sie neigt dazu, ihre Wohnung zu vermüllen, ernährt sich schlecht, bewegt sich zu wenig und trinkt zu viel. Weiterlesen

Nirvana? Langweilig!

Kummer-im-WestenErneut begleiten wir den Protagonisten Anton Kummer, den wir schon mit Düsterbusch City Lights kennengelernt haben (Link zur Rezension), wo er zu Zeiten der DDR mit dem Club Helden des Fortschritts Punk- und New-Wave-Konzerte veranstaltet hat. Mittlerweile ist die Mauer gefallen und die DDR als solche ist Geschichte.
Kummer im Westen, natürlich ist der Titel doppeldeutig zu verstehen. Nach dem Ende der DDR macht Anton Kummer die ersten Erfahrungen im glorreichen Westen. Doch so toll, wie er es sich immer ausgemalt hat, alles, wovon er immer geträumt hat, so toll ist das in der ersten Zeit dann doch nicht. Mit der Wirklichkeit konfrontiert ist er schnell ernüchtert und erleidet einigen Kummer. Weiterlesen

Erwachsenwerden in den 1970er Jahren

Untermenzing, ein Vorort von München, in den 1970er Jahren. Hier wächst der 12-jährige Peter Gillitzer auf, umgeben von einer liebevollen Mutter, einem strengen Vater und zwei Brüdern, erzogen im Geist der katholischen Kirche, und – wie könnte es anders sein – tätig als Ministrant. Ein großes Vorbild für ihn ist Franz Josef Strauß, für dessen Partei er sich auch schon mal stark macht – und mit dem er über ein Poster in seinem Zimmer Zwiesprache hält (nicht nur mit ihm, durch einen Zufall kommt noch die Pietà von Michelangelo dazu). Er ist kein Anführer, möchte aber in seinem schulischen Umfeld wahrgenommen werden, was manchmal nicht klappen will. Noch dazu scheinen seine Schulkameraden wesentlich mehr Ahnung vom Umgang mit Mädchen zu haben. Die weiblichen Wesen in seinem Alter rücken immer mehr auch in Peters Fokus, aber wie mit diesen Wesen umgehen, und was ist das eigentlich mit diesem Händchenhalten? Noch dazu gibt es da dieses Heft, in dem er unbekannte Wörter sammelt, die er irgendwann erklärt bekommen möchte, zum Beispiel „Unbefleckte Empfängnis“ oder „Unzucht“ – allerdings ist ihm seine Familie da keine Hilfe, denn über diese Wörter spricht man nicht zu dieser Zeit und in dieser Familie, geschweige denn fragt man danach. Eine schwierige Zeit für einen Jungen, der in der Pubertät ist, anfängt zu rebellieren und die Jugend-Revolte in den 70er Jahren hautnah mitbekommt. Weiterlesen

The man who fell to earth

In David-Bowie-Biografien steht immer irgendwann mal was zu Aladdin Sane, Ziggy Stardust und Major Tom, zu seiner Freundschaft zu Iggy Pop, der Zeit in Berlin, „Heroes“, dass er ein somalisches Model geheiratet hat. Mal geht es eher um seine Musik, mal mehr um seine Person. Doch keine Biografie ist wie diese hier. Dieses Buch ist von hinten wie von vorn ein Schatz. Ich halte es in Händen und beschnuppere es. Das Cover ziert das berühmte Bild mit dem Blitz auf einem Auge. Das Buch selbst ist mit vielen Bildern versehen.

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Ein Road-Krimi

Von einem Moment auf den anderen verändert sich die sorgsam geschützte Welt von Anna McDonald. Ihre Töchter verlassen mit ihrem Ehemann und seiner neuen Freundin, Annas bester Freundin, das Haus und fahren in die Ferien, kurz vorher hat er ihr mitgeteilt, dass er sich von ihr trennt. Nicht unbedingt eine Tatsache, die Anna erschüttert, aber so plötzlich und ihre geliebte Morgenroutine zerstörend, damit hätte sie nicht gerechnet. Nun klammert sie sich an den gerade noch gehörten True-Crime-Podcast, der ihre Erinnerung wachrüttelt. Es erscheint darin eine vertraute Gestalt aus ihrer Vergangenheit, die verknüpft ist mit Geschehnissen, die Anna lieber unter der Decke gehalten hätte. Aber mit diesem Podcast wird alles wieder aufgefrischt, und sie möchte sich dem nun endlich stellen und insbesondere herausfinden, was dazu geführt hat, dass eine Jacht in Frankreich gesunken ist und eine ganze Familie mit sich in die Tiefe gerissen hat. Weiterlesen

Mit Lappen und Wasser kommst du hier nicht weit

Den Job fürs Leben hat Janine Schweitzer erst nach einigen Versuchen gefunden, die Ausbildung zur Schädlingsbekämpferin war dann ihr Ding. Sie machte sich in diesem Bereich selbstständig und arbeitet heute vor allem als Messie-Entrümplerin und Tatortreinigerin. Sie gibt uns einen tiefen Einblick in die Messie-Seele, mit ihren Abgründen und der Verzweiflung, aber auch mit Hilfsangeboten. Die Tatorte werden ohne Leichen beschrieben, aber mit den jeweiligen Hinterlassenschaften, die es zu entfernen gilt, verbunden mit persönlichen Schicksalen. Weiterlesen

Alles aus Liebe, irgendwie

Am Strand einer kleinen Insel in Cornwall wird von zwei Mädchen eine Frau tot aufgefunden. Bei der Leiche im Sand handelt es sich um eine französische Touristin. Der ortsansässige Ermittler Macalvie ist ratlos und holt Inspektor Richard Jury zu Hilfe. Dieser lernt derweil eine Legende kennen: den ehemaligen Detective Tom Brownell, der angeblich jeden Fall lösen kann. Nun, dies zu beweisen haben die drei Ermittler nun Gelegenheit: Zwei weitere Morde geschehen, und man sucht fieberhaft nach einer Verbindung zwischen den Opfern. Wie gut, dass Richard Jury seine Freunde in Long Piddleton hat, allen voran Melrose Plant, den Mann, der freiwillig auf seine Adelstitel verzichtet. Die Pferde auf dessen Herrensitz Ardry End bringen den Fall einen entscheidenden Schritt weiter, denn bei der Ermittlung ist es nicht schlecht, jemanden zu kennen, der sich mit Pferden auskennt … Weiterlesen

Ein Mann und seine Leidenschaft

Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) – Architekt der Moderne – Graphic Novel – mein Interesse war geweckt. Der Mann war ein Vorreiter und seiner Zeit in seinen baulichen Visionen etwas voraus, seine Konzepte von Glas und Stahl waren neuartig. Mies van der Rohe hat sich im Lauf der Zeit einen großen Namen erarbeitet, da wundert es nicht, dass er 1930 die Leitung des Bauhauses in Dessau übernahm. Unter anderem hatte er sich mit dem deutschen Pavillon zur Weltausstellung 1929 in Barcelona dafür den Weg dorthin geebnet. Im August 1932 wurde das Bauhaus allerdings auf Betreiben der Nationalsozialisten geschlossen. Nach einem Ruf aus den USA emigrierte er 1938, dort baute er sich ein neues Architekturbüro auf und konnte sein Wissen an junge Architekten weitergeben. Erst der Auftrag für die Neue Nationalgalerie in Berlin führte ihn in den 1960er-Jahren nach Berlin zurück. Auf dem Flug zur Baustelle erzählt er seinem Enkel von seinem intensiven Leben, das unter anderem zwei Weltkriege umfasst und oft unter seinem Ehrgeiz leidet, der vor allem seine privaten Beziehungen vernichtet. Weiterlesen

Exit Happyland – exit racism!

230_ogette_exit-racism8_webWer die folgenden versteckt rassistischen und furchtbar alltäglichen Aussagen oft genug in seinem Leben zu hören bekommt, darf die Einleitung gern überspringen, alle anderen seien hiermit eingeladen, sich auf eine Reise ins Happyland zu begeben:
„Rassisten – das sind doch die anderen. Die von den einschlägigen rechten Parteien. Die, die Anschläge verüben wie in Hanau. Oder in Christchurch in Neuseeland. Die, die Ausländer auf der Straße beschimpfen und verprügeln. Pöbelnde Skinheads. Wie gut, dass ich nicht so bin! Mir sind Hautfarben völlig egal, ich sehe nur die Menschen. Natürlich würde ich nie einen Unterschied zwischen meinen Mitmenschen machen, ich komme aus einem guten Elternhaus und wurde so erzogen, alle gleich zu behandeln. Und sind Babys mit schokobrauner Haut nicht unglaublich niedlich? Du, ich interessiere mich einfach ganz ehrlich dafür, wo du eigentlich herkommst. Oh, ich hätte auch so gerne Locken, wie fühlen sich denn deine Haare an, ich darf doch mal, ja? Also, mein farbiger Kumpel lacht über Mohrenköpfe und Negerküsse, jetzt sei doch nicht so überempfindlich, ich meine das doch nicht böse. Hey, ich bin doch echt kein Rassist, wieso nennst du mich so? Ich bin doch ein guter Mensch, wie kannst du mich nur so verletzen?“ Weiterlesen

Eine Familie in Unordnung

Eine ganz normale norwegische Familie: Mama, Papa, die erwachsenen Kinder Liv, Ellen und Håkon. Alle gehen ihren interessanten Berufen nach, verstehen sich gut und feiern gemeinsam die Feste des Jahres, im Sommer verbringt man Zeit in der Familien-Hütte in den Bergen. Am siebzigsten Geburtstag von Papa verkünden die Eltern, dass sie sich scheiden lassen. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war, für die Kinder ist die Ankündigung überraschend. Die Familienidylle wird bedroht, die Kinder erzählen aus ihrer jeweiligen Sicht die weitere Entwicklung dieser Geschichte. Weiterlesen