CD: Alcest – Spiritual Instinct

Spirituelle Reise durch mehrere Ebenen

coverGleich zu Beginn möchte ich festhalten, dass Alcest aus Frankreich eine vollkommen eigene Nische im sehr variantenreichen Black Metal für sich beanspruchen. Was 1999 mit der Veröffentlichung des ersten Demo Tristesse hivernale noch recht roh und ungeschliffen begann, erfuhr im Laufe der darauffolgenden Releases einen fast schon transzendentalen Wandel hin zum, wie ich es nennen würde, Spiritual Shoegaze Black Metal. Um die Entwicklung nachvollziehen zu können, lege ich euch Souvenirs d´un autre monde ans Ohr.
Die zwei begnadeten Musiker Neige, seines Zeichens Gründungsmitglied von Alcest und Workaholic (die Liste seiner Nebenprojekte, in denen er spielt oder spielte ist endlos), und Winterhalter haben vor wenigen Tagen Ihr neues Opus Spiritual Instinct veröffentlicht. Mit großen Erwartungen machte ich mich also ans Rezensentenwerk. Ich versuche meine Eindrücke für euch mal in Worte zu fassen. Weiterlesen

CD: Heldmaschine – Im Fadenkreuz

Die Geister, die ich rief

Eine Mischung aus Industrial Metal, Neuer Deutscher Härte und Elektronik liegt auch mit dem fünften Langspieler von Heldmaschine in der Luft. Seit 2012 sind die Koblenzer vertreten beim Amphi, M’era Luna und weiteren entsprechenden Festivals, vor kurzem haben sie ihre Deutschland-Tournee beendet. Mal hören, ob wir sie mit Im Fadenkreuz feiern oder kritisieren – bei dieser Band ist alles möglich. Weiterlesen

CD: Laura Cox – Burning Bright (Vö. 08.11.)

100 % Rock ‘n’ Roll

cover Laura Cox - Burning BrightAls „Badass Rock‘n’Roll Lady“ wird Laura Cox betitelt, mit ihrem eigenen Gitarrensound und ihrer Stimme bringt sie Bewegung auf die Bühnen dieser Welt. Weibliche Gitarristinnen gibt es nicht so viele (zum Beispiel Nancy WilsonHeart und Nita StraussAlice Cooper), umso wichtiger ist es, dass sich gute Nachfolgerinnen in Stellung bringen. Nach wie vor wird Cox nicht müde zu erwähnen, dass sie sich nicht in geringster Weise um Sex-Appeal schert, sondern viel mehr um ihre Gitarre! Und das kann man auf Burning Bright, ihrem zweiten Album, hören. Weiterlesen

CD: Tulpa – Unhealed

Wo das Tageslicht stirbt

Tulpa_a3204014035_10Tulpa ist eine italienische Viererband aus Parma, die 2017 von Sänger und Gitarrist Alessandro Coletta (Nocturnal Depression), Bassist Andrea Artusi (Arcana Liturgia) und Drummer Kyoo Nam „Asher“ Rossi (Forgotten Tomb, Caronte, Whiskey Ritual) gegründet worden ist. Der zweite Gitarrist Matteo Cordani ist nach dem ersten Auftritt dazugestoßen. Ihre erste EP Fear of fades ist 2017 erschienen, und diese machte mich nun mit ihrem Blackened Crust Punk auch neugierig, als die Rezensionsanfrage für das Debütalbum Unhealed in der Redaktion eingetrudelt ist.
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CD: A Projection – Section

Vereinigung statt Teilung

2438191Aus Stockholm stammen die 2013 gegründeten A Projection, und damit befinden sich die Schweden in bester Gesellschaft, denn auch Henric De La Cour, Kite und The Exploding Boy stammen von dort. Deren Sänger Johan Sjöblom ist es auch, der mich letztes Jahr im Interview (Link) auf die Band aufmerksam gemacht hat. Das Debüt Exit stammt von 2015, Framework erscheint zwei Jahre später, und mit ihrem deutlich 80er-inspirierten Post Punk haben sie mich direkt begeistert. In der Zwischenzeit gab es gesundheitliche Probleme und Besetzungswechsel, Sänger Isak Erikson stieg aus. Doch nach einer schwierigen Zeit ist nun das neue Album Section bei Metropolis Records erschienen, für das Bassist Rikard Tengvall ans Mikro gewechselt ist. Linus Högstadius, Jesper Lönn und Gustav Forneus vervollständigen das Line-Up. Weiterlesen

CD: Ordo Rosarius Equilibrio – Let’s play (Two girls and a goat)

Gut, dass sich nicht alles ändert

1Es ist nicht einfach eine Review über eine Legende zu schreiben, die man bereits seit Jahr und Tag frenetisch verfolgt. Es gibt so Ausnahmeprojekte, die einem mit jedem neuen Lebenszeichen auf’s Neue erfreuen. 1993 wurde das Duo Ordo Rosarius Equilibrio von Tomas Petterson und einer liebreizenden Dame namens Chelsea Kroog, die 1998 durch Rose Marie Larsen ersetzt wurde, in Schweden (der Heimat des Kult Labels Cold Meat Industry) gegründet. Ihr vor drei Jahren erschienenes Album Libertine – The hangmans Triad (Link) hat es vermocht, mich nach kürzester Zeit süchtig zu machen, und so war ich gespannt, ob es der aktuell erschienene Longplayer Let’s play (Two girls and a goat) ebenso vermag. Mittlerweile bei Out of Line Zuhause (nach dem traurigen Untergang von Cold Meat Industry), haben sie sich ihren Ursound behalten und sogar verfeinert. Weiterlesen

CD: Gimme Shelter – Friedensfahrt

Repeating history?

4PAN1T„Wir alle merken wohl, dass im Moment viele Dinge in unserer Welt nicht ganz richtig laufen. Fehlende Menschlichkeit und Solidarität, fehlendes Geschichtsbewusstsein und die Verhöhnung von Opfern des Nationalsozialismus. Die Liste ist endlos – ebenso wie die Ignoranz mancher Mitmenschen. Solche Themen haben wir diesmal verarbeitet und unseren Gedanken, Ängsten und Hoffnungen einfach mal Luft gemacht. Aber natürlich drehen sich einige Songs auch wieder um Liebe, Sehnsucht und Leidenschaft.“ Ein Zitat aus dem Band-der-Woche-Interview von Robert Grolms zum neuen Synthiepop-Werk Friedensfahrt, das Ende September erschienen ist. Das ist eine Aussage des GimmeShelter-Sängers, die mich neugierig gemacht hat. Weiterlesen

Album: Grün Wasser – Not ok with things

Auf einer trostlosen Überlandstraße in einer gottverlassenen Gegend mitten in der Nacht fährt im Regen ein Auto vorbei

GRÜN-WASSER-CoverGrün Wasser sind Keely Dowd (Vocals & Production) und Essej Pollock (Electronics & Production) aus Chicago. Die beiden Freundinnen gründeten ihr gemeinsames Projekt 2015; 2016 erschien ihr erster Longplayer Nein/9, zwei Jahre später Predator/Prey. Keely Dowd macht kein Geheimnis daraus, dass sie in diesen ersten Jahren der Band mit Alkoholismus und Depressionen zu kämpfen hatte. Sie gewann. In den Lyrics das dritten Albums Not ok with things spielen nicht nur die Folgen von und der Kampf gegen Abhängigkeit und Krankheit eine große Rolle, sondern auch die gesellschaftlichen Strukturen und Mechanismen, die beide hervorbringen oder befördern: Zwänge, Sprachlosigkeit, soziale Hierarchien, destruktive Rollenbilder, toxische Beziehungen. Keine leichte Kost, sollte man meinen, aber wie klingt das in Musik übersetzt? Anders, und: catchy.

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CD: Geometric Vision – Fire! Fire! Fire!

Nebel, Tanzfläche, schweben

a3871787772_10Bald ist wieder Katzenclub in München (02.11.2019), und auf dem Festival sind unter anderem Geometric Vision aus dem italienischen Neapel zu Gast, die ich euch vorstellen möchte. Sänger Ago Giordano hat sich zunächst solo im Darkwave ausprobiert, dann aber mit Gennaro Campanile, der den Bass bedient, und Gitarrist Roberto Amato Mitstreiter gefunden. Das Debütalbum Dream ist 2013 erschienen und zwei Jahre später folgte Virtual analog tears. Das aktuelle Album Fire! Fire! Fire! erschien bereits 2018 und soll nun endlich gewürdigt werden. Weiterlesen

Album: Nairod Yarg – Nairod Yarg

Das Spiegelbild des Dorian Gray

pochette-nairod-yarg-hdWir rezensieren Nairod Yarg, Google Translate und ich. „Aufgabe oh so schwer!“, sagt es beim Übersetzen der französischen Homepage. Pah, sag ich, ganz einfach: Ihre Einflüsse nennen sie ja freundlicherweise gleich auf ihrer Homepage, und wer sich vorstellen kann, wie Oscar Wilde, Banksy, David Lynch und Virginie Despentes unter einem musikalischen Hut klingen, kann sich bestimmt auch vorstellen, was Nairod Yarg machen. Das Label, das die Band ihrer eigenen Musik gibt, ist schlicht „cold-loud“, und wer bin ich, das besser wissen zu wollen? Ansonsten: Die sind sehr, sehr gut. Fertig!

Extended version: Nairod Yarg sind Sébastien Ficagna und Rudy Centi aus Villefranche-sur-Saône (nahe Lyon), Frankreich. Sie kannten sich bereits von dem früheren Bandprojekt Plastic People, und als sie sich im Sommer 2018 beide ohne Band wiederfanden, forderten sie sich selbst und gegenseitig heraus: zehn Songs in zwei Monaten und einen Monat drauf den ersten Gig! Offenbar übererfüllten sie diese Vorgabe, denn auf ihrem selbstbetitelten Erstling finden sich bei einer Lauflänge von gut 34 Minuten sogar elf Songs. Wenn es denn eine Genre-Zuordnung geben muss, wäre Postpunk mit starkem Wave-Einfluss (der Bass! und der Drumcomputer!) und Noise-Rock-/Metal-Elementen (die Gitarre!) vermutlich nicht falsch – und käme doch nicht wirklich an das heran, was auf dieser Platte alles passiert.

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