Reise in die Dunkelheit

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Emmon – das ist Emma Nylén aus Stockholm, die unter diesem Namen schon seit über zwanzig Jahren Musik macht (aber u. a. auch als Teil der Band Paris), seit 2010 zusammen mit ihrem Partner und Mitproduzenten Jimmy „Mr Monell“ Monell. Angefangen hat Emmon als  Electroclash-Projekt, das mit den Jahren immer härter und beatgetragener wurde. Bisheriger Höhepunkt dieser Entwicklung ist das nach einigen Jahren Pause 2022 erschienene Album Recon, das noch einmal deutlich tanzbarer und auch selbstbewusster ausgefallen und nicht nur mit „Purebloods“, dem gemeinsamen Song mit Emanuel Åström (Agent Side Grinder), auf den Tanzflächen der einschlägigen Clubs und Partys vertreten ist. Auch diverse Auszeichnungen hat das Album völlig verdient abgeräumt, z. B. in der Kategorie Årets synt der Manifestgala in Stockholm, und nicht nur ich freue mich auf musikalischen Nachschub. Den gibt es jetzt in Form der EP Xception.
Von den fünf enthaltenen Songs wurden mit „Dark“ und „Devil’s on your back“ bereits zwei vorab veröffentlicht, doch es ist immer noch mal was anderes, Lieder im Kontext der gesamten Scheibe zu hören. Das düstere, suggestive „Dark“ macht den Anfang, das zuerst relativ zurückgenommen beginnt und immer intensiver wird, je öfter Emma die Zeile „I can see the light“ wiederholt. Der Song behandelt das Thema Vampirismus und obsessive Liebe, und genauso wie sich der Fokus in so einer Beziehung verengt, konzentriert sich hier alles auf den immer drängender vorgetragenen Refrain. „Devil’s on your back“ geht einen Schritt weiter und thematisiert die Schwierigkeiten, destruktive Verhaltensweisen zu durchbrechen und die düstere Vergangenheit hinter sich zu lassen. Dementsprechend beklemmend und dunkel ist der Song ausgefallen, dessen Text schon vor knapp zwanzig Jahren entstanden ist, man spürt beim Hören geradezu das „burning inside“, die inneren Kämpfe und schlaflosen Nächte. Emmas Stimme ist dabei in gleichermaßen drängende, schwere elektronische Sounds eingebettet, die eine ganz eigene hypnotische Wirkung entfalten. „On the devil’s back“ ist ein kurzes, nahezu instrumentales Stück, das die musikalischen Motive aus dem Vorgängersong aufnimmt und genauso suggestiv weiterführt. „Skin“ knüpft musikalisch an „Dark“ an, inhaltlich regieren hier (erstarktes) Selbstbewusstsein und größere Macht als in den vorherigen Songs, was Emmas kühler, entschlossener Gesang zusätzlich transportiert. „I want to touch you, I want to burn you“ jagt einem folgerichtig einen heißkalten Schauder über den Rücken. „No man’s land“ hat seine Live-Premiere beim fantastischen Auftritt von Emmon auf dem WGT in der proppenvollen Moritzbastei gefeiert und den Publikumstest mit Bravour bestanden. Ein melancholischer Midtempo-Song, der sich sofort in Herz und Gehörgänge frisst. Ich muss öfter an den gleichnamigen Covenant-Song denken – Emmons „No man’s land“ transportiert eine ähnliche Endzeitstimmung, bei der einem durchaus auch die Kehle eng werden kann. Traurig-sanfter, in sich gekehrter Gesang über vielschichtigem Soundgerüst – ein Song für die Repeat-Schleife.

Xception ist ohne exception und damit ausnahmslos gelungen, bis hin zum wie immer stimmigen Cover (Foto: Daniel Kwon). Offensichtliche Tanzflächenknaller wie „Machines“ oder „Purebloods“ sind zwar nicht enthalten, Emmon schlägt hier aber etwas nachdenklichere Midtempo-Töne an, die mindestens genauso fesselnd und hörenswert sind. Man darf gespannt sein, wohin die Reise auf dem sich gerade in Arbeit befindlichen nächsten Album geht, das hoffentlich 2025 erscheint. Bis dahin kann man sich die Zeit jedenfalls hervorragend mit dieser EP vertreiben, natürlich die bisherigen Alben hören und Emmon vor allem nach Möglichkeit live sehen – in Deutschland das nächste Mal am 30.08. in der Reithalle Dresden. (Und man kann natürlich unser Band-der-Woche-Interview mit Emmon lesen (hier).) Es lohnt sich, versprochen!

Anspieltipps: Dark, No man’s land

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Emmon: Xception
Icons Creating Evil Art, 31.05.24
Länge: 19 Minuten
Kaufen: 8 € auf Bandcamp (CD, digital)

Tracklist:
1. Dark
2. Devil’s on your back
3. On the devil’s back
4. Skin
5. No man’s land

 

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1 Kommentar

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] ihr) sowie die Live-Premiere von „No man’s land“, einem Song von der neuen EP Xception (Rezi hier). Wunderschön und sehr melancholisch! Mit „Like a drum“ endet der Auftritt von „Schwedens […]

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