Festival: Sick Midsummer 2018, 14.07.2018, Bäckerberg, Scharnstein (AUT)

 Ein musikalisches Acht-Gänge-Menü

Manche Menschen mögen sich ja am Abend vor einem Festivalbesuch hinsetzen und die Running Order durchgehen, damit ja keine Lieblingsband verpasst wird. Dieses Problem stellt sich beim Sick Midsummer glücklicherweise nicht, da es nur eine Bühne gibt, sodass wir unsere Planung auf das konzentrieren können, was wirklich wichtig ist: das Essen. Wann es Kuchen, wann es Dal und wann es Chili gibt, will gut geplant sein, schließlich stehen uns gerade einmal zehneinhalb Stunden zur Verfügung, um uns einmal durch die Speisekarte zu fressen. Pro Gang haben wir zwanzig Minuten Zeit, so lange brauchen die Helferlein zum Bühnenumbau. Das setzt uns gewaltig unter Druck, aber auch in diesem Jahr haben wir es einmal mehr geschafft und weder eine Band, noch eine Speise ausgelassen! Weiterlesen

Konzert: 02.07.18 Wolves in the Throne Room + Wolvennest, Feierwerk/Hansa 39, München

Ein Abend unter Wölfen

Was hilft besser gegen den Montagsblues als zwei abgefahrene Bands mit spannender Herangehensweise an das Genre „Black Metal“? Richtig: Gar nichts. Deswegen fanden sich an einem lauen Montagabend im Feierwerk (Hansa 39) auch nach einem proppenvollen Konzertwochenende einige schwarzgewandete Menschen ein, die sich Wolvennest und Wolves in the Throne Room nicht entgehen lassen wollten – genug, um für ordentlich Stimmung zu sorgen, aber nicht so viele, dass man wie die Sardinen vor der Bühne gestanden hätte, was bei den Temperaturen sehr, sehr angenehm ist. Weiterlesen

Festival: 15./16.06.18 Subkultfestivalen, Folkets Park, Trollhättan/Schweden

Endlich wieder schöne Leute

Unsere in Norwegen lebende Korrespondentin Ankalætha war wieder auf Reisen und berichtet vom kleinen, aber äußerst feinen Subkultfestivalen in Trollhättan, im Westen Schwedens. 

Donnerstag

Normoria shirtNach dem WGT ist vor dem Subkult. Kaum sind die Klamotten gewaschen und die Schuhe neu verschraubt, heißt es Mitte Juni schon wieder Koffer packen, um nach Schweden zu fahren. Zum dritten Mal findet hier in Trollhättan das Subkultfestivalen statt, und wieder stehen einige sehr interessante Acts auf dem Programm. Zunächst muss ich aber den vorsintflutlichen und beunruhigend ächzenden Aufzug im Hotel bezwingen, um mich und mein Gepäck in den dritten Stock zu bekommen. Danach folgt eine kleine Orientierungsrunde durch die Innenstadt, das Bestücken der Minibar mit eigenen Einkäufen, und was tut man dann mit dem angefangenen Abend, wenn man wo ist, wo man diesmal aber auch wirklich überhaupt niemanden kennt? Man geht auf die Pre-Party. Die ist glücklicherweise leicht zu finden, nämlich in der „Backstage Rockbar” in der Fußgängerzone. Als ich ankomme, ist nicht allzu viel los, und ich beschließe, wenigstens ein Getränk zu mir zu nehmen, bevor ich wieder gehe. Weiterlesen

Konzert: 16.06.18 Winterkälte + P·A·L @Dark Infection, Feierwerk Orangehouse, München

Lärmglück in München

Der Süden Deutschlands ist traditionell nicht gerade verwöhnt mit Veranstaltungen aus den Bereichen Industrial, Noise, Rhythm ‘n‘ Noise und generell härterem, experimentellem Elektro. Die Dark-Infection-Partyreihe, die es seit Januar 2017 gibt, ist da in München ein echter Lichtblick, und besonders groß war die Freude, als die Veranstalter nach zwei reinen Partyabenden (Januar 2017 und 2018) für den Juni 2018 eine Konzert- und Partynacht in Aussicht stellten. Mit den Szeneurgesteinen P·A·L und Winterkälte konnten hierfür zwei echte Schmankerl gewonnen werden. Das kann ja nur ein großartiger, schweißtreibender Abend werden, weshalb sich am 16.6. eine durchaus ansehnliche Zahl Lärmfreunde von nah und fern im Feierwerk Orangehouse versammelt. Weiterlesen

Unser WGT 2018: Montag, 21. Mai

torshammare:

20180521_125401Heute wird es heiß, sehr heiß, also mein absolutes *hust* Traumwetter. Ich fahre trotzdem ins Heidnische Dorf, auch wenn gestern die Schlange am Einlass wohl bis zur Tram reichte (Tagesbesucher, Taschenkontrolle, Einlasstopp, WGTler mit Bändchen, die nicht wussten, dass man vorbeilaufen kann? Man weiß es nicht, aber laut Berichten ging nichts mehr vorwärts), obwohl Schandmaul doch sogar krankheitsbedingt ausfielen. Heute habe ich jedoch Glück, bin sofort drin und springe dann von Schatten zu Schatten. Es ist moderat gefüllt, man muss an keinem Stand lange warten und sieht auch alles, was man sehen möchte. Ich ziehe dann trotzdem bald weiter zum agra-Gelände, noch mal durch die Markthalle schlendern und schließlich mit diversen Freunden im Schatten an einem der Biergartentische die Zeit totschlagen. Dementsprechend unmotiviert bin ich dann auch, mich auf den Weg in die Kuppelhalle zu machen, wo für heute große Dinge angesagt sind. Zum Glück (?) verschiebt sich das Programm dort um eine Stunde, weshalb ich trotz Trägheit nur Sarin verpasst habe und von Beinhaus zumindest noch einen Eindruck bekomme (der mir auch reicht). Bei den Deutschen Sardh ist dann schon der Soundcheck spannend und laut, diverse Kästchen und verschiedenste Instrumente werden getestet und eingestellt, und ich bin gespannt, was daraus dann wird. Tatsächlich etwas richtig Tolles, auch wenn man sich an den vielfältigen und oft anstrengenden Sound und den durchdringenden Gesang erst gewöhnen muss. Nach und nach fügt sich aber alles zusammen, das Experimentelle wird zu einem großen Ganzen, und etwa ab der Hälfte des Sets kann man sich wie so oft bei diesen Acts von der Geräuschdecke einhüllen lassen. Laut Webseite der Band handelt es sich bei dem Auftritt um eine Uraufführung, „SARDH:UNORT“, wird geboten, mit Matthias Jackisch als Gast an den Steinflöten. Und gerade diese live gespielten Flöten verleihen dem Ganzen wirklich etwas Besonderes. Nach anfänglicher Skepsis bin ich nach dem Auftritt von Sardh jedenfalls völlig überzeugt und empfehle die Band jedem, der auf experimentelle Klangkunst steht.

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Unser WGT 2018: Sonntag, 20. Mai

Mrs.Hyde:

Suld_IMG_4542Der Tag beginnt für uns im Heidnischen Dorf. Die Einlassschlange reicht krasserweise vor bis zur Hauptstraße, doch mit Bändchen kann man diese auslassen und direkt vorgehen, was viele scheinbar nicht wissen. Leider haben Schandmaul wohl abgesagt, sodass der gesamte Tagesablauf eine Stunde nach hinten raus verschoben wird, was uns den weiteren geplanten Ablauf etwas zersägt. Nytt Land mit ihrem Schamanen-Ritual-Black-Metal sind uns zu anstrengend, aber man kann sich ja anderweitig vergnügen, solange man nichts trinken möchte, denn die Schlangen an den Getränkeständen sind wegen des heißen Wetters teilweise dreißig Meter lang. Endlich kommen mit siebzig Minuten Verspätung die Mongolen Suld auf die Bühne und heizen dem Publikum mit ihrer Version von Folk Metal ein, deren besonderes Merkmal die traditionelle zweisaitige mongolische Pferdekopfgeige ist. Haare fliegen und Leiber zucken, Band und Publikum haben mächtig Spaß, was die Mongolen mit einigen CDs honorieren, die in die Menge fliegen.

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Unser WGT 2018: Samstag, 19. Mai

Phoebe:

Plakat Saeldes SancSaeldes Sanc und Ernst Horn sind für 17 Uhr in der Peterskirche angekündigt. Das ist ein Event, das man auch ohne WGT-Bändchen aufsuchen kann. Keine Ahnung, ob es voll werden würde. Lieber überpünktlich dort sein. Die Peterskirche an sich (mit dem höchsten Kirchturm Leipzigs!) lohnt einen kleinen Abstecher, und Hannah Wagner mit Ernst Horn ist toll wie immer. Hannah Wagner hat eine wundervolle ausdrucksstarke Stimme, mit der sie alle Töne in allen Stimmlagen exakt trifft. Zwischendurch immer wieder ein kleiner Joke zwischen Hannah und Ernst um das Mikro, Hannah Wagner wie gewohnt in Plauderlaune. Liebenswert! Weiterlesen

Unser WGT 2018: Freitag, 18. Mai

© Stadt Leipzig/ Bolko Kosel

© Stadt Leipzig/ Bolko Kosel

Mrs.Hyde:

Freunde haben uns überredet, am Viktorianischen Picknick teilzunehmen, das wir eigentlich auslassen wollten. Das Wetter ist zum Glück ok, etwas kühl, aber trocken. Nicht ok dagegen sind die Myriaden von Rentnern, die wie Mückenschwärme über die gewandeten Besucher herfallen und jedem ungefragt die Smartphone-Kamera vor die Fresse halten. Das nimmt einfach überhand, es ist anstrengend und raubt dem Ganzen die Atmosphäre. Teilweise wirken die Besucher aber auch selbst deplatziert, wenn sie sich in Faschingsklamotten übertrieben in Pose werfen. Zum Glück müssen wir nach zweieinhalb Stunden aufbrechen, da die polnischen Gothrocker UnderTheSkin im Täubchenthal ein tolles düsteres Set spielen. Das ist mal echte Grufti-Musik und der ideale Auftakt für das diesjährige Wave Gotik Treffen. Nun fahren wir nach einem Parkplatz-Quick-Change ins Stadtbad zur Cold-Wave-Legende Guerre Froide. Der Auftritt gerät düster und tanzbar zugleich und ist solide, auch wenn das Publikum insgesamt etwas verhalten bleibt, außer natürlich bei „Demain Berlin“. Eigentlich wollen wir nun für Boy Harsher und vor allem Ash Code bleiben, allerdings drängen jetzt unaufhörlich weitere Besucher durch den kleinen Zu- und Ausgang in das eh schon sehr gut gefüllte Stadtbad. Das führt zu Platzangst und massiven Sicherheitsbedenken, zumal wir allein fünfzehn Minuten brauchen, um herauszukommen. Latente Todessehnsucht mag auf dem WGT zwar voll trve sein, hat für mich aber definitiv auch ihre Grenzen. Als Alternative geht es zurück zum Täubchenthal, wo wir zwangsläufig leider nur noch die finalen drei Songs der Gothic Rocker Merciful Nuns mitbekommen, die jetzt irgendwie nicht so richtig knallen. Wahrscheinlich hätte man die ganze Show sehen müssen. Dafür spielen Skeletal Family zum Abschluss des Tages ein schönes Konzert und begeistern damit ihre Fans. Für die Aftershow-Party wollen wir noch zum Felsenkeller, versumpfen dann allerdings in der Küche. Weiterlesen

Unser WGT 2018: Donnerstag, 17. Mai

Unsere Forumsmitglieder und Webzine-Mitarbeiter/innen Ankalætha, littlenightbird, Mrs.Hyde, Phoebe und torshammare waren beim WGT 2018 und haben uns und euch ihre Erlebnisse und Eindrücke zu den verschiedenen Bands u.a. aufgeschrieben. Im Namen der Redaktion von SchwarzesBayern sage ich vielen Dank für eure Mühe, die Bilder und die Kooperationsbereitschaft! Aber jetzt lasse ich die Berichte für sich sprechen:

torshammare:

Die langen Monate des Wartens und der Vorfreude sind vorbei, am Donnerstag geht es wieder ins gelobte Land, sprich nach Leipzig. Das 27. WGT steht vor der Tür, die ersten Nervenzusammenbrüche wegen Bandüberschneidungen hatte man auch schon, der Zug füllt sich immer mehr mit aufgeregt schnatternden Gothen, die Konzertpläne und Outfits diskutieren, und in Leipzig angekommen laufen einem schon die ersten Reifrockdamen entgegen. Das alljährliche Familientreffen kann beginnen! Weiterlesen

Konzert: 03.05.18 – No fun at all + No Trigger + Crim – Backstage Halle, München

Growing old, growing cold? – No chance at all!

Dienstag, 11. November 1997, Backstage – damals noch in der Helmholtzstraße und mit schön bedrucktem Ticket, keinem labbrigen Onlineausdruck. No fun at all aus Schweden hatten gerade ihre dritte Platte The big knockover herausgebracht, und nachdem ihre früheren Veröffentlichungen damals schon bei mir in Dauerrotation liefen, musste ich da natürlich hin. Es war ein sensationeller Abend mit allerfeinstem Skatepunk und wundgegrölter Kehle, der mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. 21 Jahre später gibt es die Band wieder, mit neuer Platte Grit im Gepäck, die genauso gut kesselt wie früher, und seit Monaten fiebere ich auf den heutigen Abend hin. Mit dabei sind die etwas jüngeren Punkbands Crim aus Spanien und die Amerikaner No Trigger. Das Backstage meldet „fast ausverkauft“ – da werden sicher noch weitere Nostalgiker wie ich heute Abend auf der Matte stehen. Weiterlesen