Ein gelungenes Arrangement

TCP CoverSeit sechs Jahren spielen die Italiener von The Cyon Project zusammen. Mit der außergewöhnlichen Mischung von (Stoner-) Rock, Metal und symphonischen Klängen auf der im Januar erschienenen CD The Tales of Pain haben sie nicht nur das Interesse ihres neuen Labels geweckt, sondern auch meines.

„Joe“ zeigt schon die Vielseitigkeit des Silberlings, es ist eine Ouvertüre, zu dem was folgt: Geige, Stoner Rock, sogar arabische Melodien und Westernanklänge sind beigefügt. Mit „Cheesy Song“ wird man herausgerissen, gnadenlos. Hier saust der rockige Klang von Anfang bis Ende durch die Gehörgänge. Ein höheres Tempo, die kratzenden, herben Gitarren verraten den Stoner Rock-Einschlag. Das Stück ist laut und kriegt sogar einen kurzzeitigen punkigen Einschlag. Der Bass eröffnet „Mr. Creosote“ und behauptet sich auch weiterhin im Hintergrund, ich mag die Gesangsstimme: rau, in vielen Tonhöhen zuhause. Es ist eine stimmige Berieselung der härteren Gangart. Bei „Riot“ ist der Titel Motto. Es herrscht Aufruhr: Die Geigen paaren sich zuweilen mit der einschmeichelnden Stimme, dann schlägt alles schnell um in schwergewichtige rockige Töne. Derb und robust geht es weiter mit „Rulemaker“, das mitunter erklingende „Come on and kill me!“ lässt die Hände mit den Devil Horns erwarten. Lieblicher bietet sich „Phantom Limb“ an. Der Gesang mit Gitarrenbegleitung hat seinen eigenen Reiz, allerdings führt der abrupte Wechsel gegen Ende zum Hardrock zurück. Die breite musikalische Mischung und die schnellen Drumschläge machen die Qualität von „Isaac foretold it“ aus. Vielleicht sollte man auf das hören, was einem hier erzählt wird: „Maybe Change isn‘t a Dream“. Die Kraft und Wucht des Metals begleitet „Average People“. Die Stimme gleitet in tiefere Töne hinab, ja, das passt! „Raise your Head“ beginnt mit einem langen instrumentalen, fast lieblichen Intro, hier erklingt auch wieder der arabische Sound. Die Vordringlichkeit des Schlagzeugs und der Gitarren sowie der Stimme erwartet man anfangs nicht, aber durch die letzten Stücke ist man darauf vorbereitet. „Sandglass“ ist wiederum einschmeichelnd. Der Gesang mit Gitarrenbegleitung erzählt etwas Flehendes, Verzweifeltes. Das kürzeste Stück auf The Tales of Pain, „John Ryder“, ist dem Zuhörer durch die bis jetzt gehörten Klänge bekannt: eine Art Zwiesprache im druckvollen rockigen Gewand. Ein atmosphärischer Hintergrund vereint sich mit ausdruckstarken Riffs bei „Englewood’s Hotel“. Die Stimme zeigt nochmal ihre Spannbreite. Synthesizer-Klänge und Streicher sind vorhanden, beim Geknüppel des Drumsets am Ende wird wahrscheinlich kaum ein Kopf ruhighalten können.

Es gibt Musik, die man sich ein, zweimal anhört, und es gibt Klänge, die einen über eine längere Zeit begleitet. Die CD The Tales of Pain löst bei mir das Zweite aus. Die Stoner Rock-Elemente, die symphonischen Klänge, der Metal, Rock und die Überraschungen machen diese Scheibe aus. Die oftmals abrupten Übergänge, der Wechsel des Tempos und dann wieder diese emotionale Dichte macht die Hörbarkeit dieses Albums aus. Ein großer Pluspunkt ist auch die Bandbreite der Gesangsstimme.
Insgesamt ist dies ein sehr gutes Album von The Cyon Project, die unterschiedliche Musikrichtungen wirkungsvoll zusammengefügt haben.

Anhörtipp: Riot – Average People

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The Cyon Project: Tales of Pain
Plastic Head (Soulfood), 27.01.2015
amazon 19,74

Tracklist:
1. Joe
2. Chessy Song
3. Mr. Creosote
4. Riot
5. Rulemaker
6. Phantom Limb
7. Isaac foretold it
8. Average People
9. Raise your Head
9. Sandglass
10. John Ryder
11. Englewood’s Hotel

www.thecyonproject.com

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