Alle Jahre wieder treffen sich in Dinkelsbühl im August die Anhänger und Fans des guten, alten Metals. In diesem Jahr mit hochkarätigen Headlinern, wie Lamb of God, Sabaton und In Flames. Die hochsommerlichen Temperaturen sorgten einheitlich für gute Laune und jede Menge Trinkgelage. Wer am Mittwoch schon anreiste, sicherte sich auf diesem riesigen Campinggelände natürlich den besten Platz und konnte bereits am Abend bei den ersten Bands das Headbangen trainieren.
Oder man schlenderte unbeschwert durch die zahllosen, gut befüllten Stände, oder sicherte sich das heißbegehrte Summerbreeze-Festival-Shirt. Hier zählte wie jedes Jahr das Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Aufgrund der großen Hitze beschränkte sich meine Aufmerksamkeit auf die Main und Pain Stage. In diesem Jahr gab es für die VIP und Presse eine kleine Tribüne, auf der man bequem das Geschehen verfolgen konnte, bruzzelnd in der Hitze.

Hitzige Gemüter

Donnerstag:

Die ersten, noch müden und verkaterten Metaler versammelten sich langsam gegen Mittag vor den Hauptbühnen. Den Anfang machten für mich an diesem Tag First Blood. Schöner, klassischer Hardcore-Punk aus Amerika. Lautstark schallte die Musik über den Platz. Trotzdem sie wirklich gut waren und sich viel Mühe gaben, war das Publikum einfach noch zu müde, um ausgelassen mitzufeiern.
Da hatte die Band Alestorm um 15 Uhr mehr Glück. Vor der Pain Stage hatten sich zahlreiche Fans versammelt, deren hitzige Gemüter die Feuerwehr erst einmal mit kühlem Nass leicht beruhigte. Als Alestorm die Bühne betrat, erwachten die Fans und gaben, wie die Jungs Vollgas. In den ersten Reihen wurde getanzt und gesprungen und die ersten Crowdsurfer gelangten zum Bühnenrand. Diese häuften sich im Laufe des tollen Auftrittes, sodass die Security ordentlich zu tun hatte. Geniale Stimmung am frühen Vormittag.
Seit 1989 stehen Fear Factory auf der Bühne, sie gehören zum alten Eisen des Death Metals und zogen ihre Anhängerschaft vor die Main Stage. Es ging ein wenig gesitteter zu, viele mussten erst einmal den Blutdruck senken und die ausgetrocknete Kehle nach Alestorm mit Alkohol benetzen. Fear Factory zeigte auf jeden Fall, dass sie sich nicht umsonst so lang gehalten haben und überzeugten mit alten und neuen Songs auf ganzer Linie.
Mir hat am Donnerstag ganz besonders We came as Romans gefallen. Eine absolute Neuentdeckung für mich und so genial. Die Band gründete sich 2005 in Michigan und ist mit ihren drei Alben in Amerika ziemlich erfolgreich. Bei uns reichte es mit dem dritten Album Tracing Back Roots nur zu Platz 85 in diesem Jahr. Mir gefiel vor allem die Mischung aus melodischem und aggressivem Gesang, der sich, wie bei einem Kampf, immer wieder abwechselte. Auch auf der Bühne gaben die Sänger alles, sprangen von einer Seite zur anderen und ließen so sämtliche Aggressionen raus. Auch dem Publikum gefiel der Auftritt, es belohnte die Band mit viel Applaus.
Bei Korpiklaani herrschte weiterhin ausgelassene Stimmung. Allerdings konnten mich die Finnen auch an diesem Tag wieder nicht für sich gewinnen. Die Musik und der Gesang passen für mich einfach nicht zusammen, aber die angeheiterte Meute vor der Bühne fand es gut und das ist ja die Hauptsache.
Der Fehlgriff schlechthin waren Der W. Der ehemalige Bassist und Böhse Onkelz Textschreiber war mit seinem Soloprojekt vor Ort und erntete nicht wirklich viel Beifall und Zustimmung. Der Platz vor der Main Stage hatte sich deutlich geleert und die Buhrufe konnte man noch weit in den hinteren Reihen vernehmen. Musikalisch war es auch nicht wirklich überzeugend und an Bühnenpräsenz fehlte es ebenso komplett. Soll er doch weiter T-Shirts designen und damit sein Geld verdienen.
Wie es richtig und viel besser geht, zeigten im Anschluss Powerwolf auf der kleineren Bühne. Wieder stark und gruselig geschminkt überzeugte die Power Metal Band mit klarem Gesang und einer tollen, ausgereiften Bühnenshow. Die Stimmung auf dem riesengroßen Festivalplatz war grandios, perfekt für den Headliner auf der Main Stage.
Sabaton hatten leichtes Spiel mit dem Publikum. Die Band, fast von allen geliebt, der Sänger ganz besonders wegen seiner sympathischen Ausstrahlung, schaffte es, die Anwesenden bis in die hinteren Reihen zum Headbangen und Singen zu animieren. Ein grandioses Händemeer öffnete sich vor meinen Augen. Der Sound war erstklassig und Joakims Stimme jagte einfach Gänsehaut ein. Mit den Titeln „Attero Dominatus“ und „Primo Victoria“ hatte er das Publikum absolut unter Kontrolle. Es wurde lautstark mitgesungen und friedlich feierte man in die Nacht.
Natürlich durfte der übliche „Noch ein Bier, noch ein Bier…“ Sprechgesang nicht fehlen und Joakim kam der Aufforderung bei den Temperaturen natürlich sehr gerne nach.

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