2012 erschien der erste Unzucht-Longplayer Todsünde 8, am 04.10.2013 legten sie mit Rosenkreuzer nach. Ab dem 12. Oktober beginnt wieder das Tourleben für die unzüchtigen Mannen. Ihr Weg wird sie auch nach München ins Backstage führen (30.11.), das ist erst recht ein Grund, einen Blick auf das zu werfen, was da auf uns zukommen wird. De Clercq, Der Schulz und Blaschke haben sich Zeit genommen meine Fragen zu beantworten:

unzucht_bandfoto_kleinHorusauge: Seit 2011 gibt es Musik von Unzucht zu kaufen, das ist alles auf eurer Homepage nachlesbar. Aber mich interessiert, wie und wann habt ihr zusammengefunden?
Der Schulz: De Clercq, Fuhrmann und ich kennen und mögen uns schon ziemlich lange von früheren Bands, in denen wir uns über den Weg gelaufen sind. Irgendwann, als ich gerade ziemlich die Faxen dicke hatte mit meinen damaligen Kapellen und mit dem Gedanken spielte, als Wanderführer in meine zweite Heimat Spanien zu gehen, rief De Clercq an und fragte, ob ich nicht Bock hätte, wieder in einer düsteren Band zu singen. Ich dachte, okay, mit Daniel wolltest du schon immer mal ne Band starten, also teste das mal an. Als wir uns dann auf der Isla Muerta zum Songwriting getroffen haben, sprudelten die Songs dermaßen mühelos aus uns raus, dass sich alles Weitere von selbst ergeben hat. Als Fuhrmann unsere Songs gehört hat, meinte er nur, dass er von jetzt an unser Drummer ist, was uns auch sofort einleuchtete. Der Blaschke ist als Kumpel von De Clercq dann als letztes dazu gestoßen und hat sich nahtlos in den bandeigenen Wahnsinn eingefügt.

H.: Wer ist bei Euch für die Texte bzw. Kompositionen zuständig? Liegen erst die Töne oder die Worte vor?
D.S.: Das ist unterschiedlich. Wir sammeln alle ständig Ideen und Phrasen, die uns in den Kopf kommen. Meist geht der Impuls für einen neuen Song von De Clercq aus, der oft schon mit ziemlich ausgearbeiteten Playbacks um die Ecke kommt. Dann setzen wir uns zusammen und schreiben die Melodien und fehlende Parts bzw. arbeiten sie weiter aus, wenn schon eine Grundidee da ist. Die Texte kommen meist im in diesem zweiten Stadium dazu, zumindest Arbeitstexte, die dann hinterher meist von mir fertig geschrieben werden.
De Clercq: Ich schraube sehr viel in meinem heimischen Studio zusammen. Ideen, kranke Parts oder satte Gitarrenriffs springen mir immer wieder, bei unterschiedlichen Gelegenheiten, direkt ins Gesicht. Songwriting passiert bei mir nur dann nicht, wenn ich schlafe, aber selbst da wach ich manchmal auf und hab ne Melodie im Kopf.

H.: Begleitend zu Eurer Musik veröffentlicht ihr auf YouTube Videos unter dem Titel „Das Gothic Internat“, mittlerweile sind 51 Folgen entstanden. Aus welcher Laune heraus ist die Idee dazu entstanden?
D.S.: Es passiert einfach so viel Wahnsinn auf Tour, dass wir das irgendwie festhalten und mit der Welt teilen wollten. Es ist einfach eine gute und unterhaltsame Möglichkeit, den Leuten ein kompletteres Bild von uns zu vermitteln und gleichzeitig ein tolles Andenken an jeden einzelnen Gig für uns selbst.
Blaschke: Außerdem müssen wir die freie Zeit zwischen Touren, Studio und all dem anderen Wahnsinn sinnvoll füllen.
D.C.: Eigentlich zeichnen wir nur unsere Therapiestunden auf.

unzucht-cover-todsuende-8_kleinH.: Ein weiterer großer Schritt auf eurem gemeinsamen Weg war sicherlich die umjubelte Co-Headliner-Tour Darkness Kills mit Lord oft the Lost 2012/2013. Was ist das für ein Gefühl, auf der Bühne zu stehen und die Begeisterung des Publikums erleben zu dürfen?
D.S.: Das ist einfach unbeschreiblich. Egal wie anstrengend Tourtage sein können und wie gestresst man vielleicht kurz vorm Auftritt noch war, wenn das Intro läuft, ist das alles vergeben und vergessen, und dann wird zusammen mit den unzüchtigen Fans geflogen.

H.: War es für euch schwierig nach den vielen Shows und Kilometern unterwegs wieder zu Hause anzukommen?
D.S.: Eigentlich nicht. Klar, man ist so auf Adrenalin, da will man am liebsten gar nicht mehr von runter kommen, aber die Pausen sind ja nie wirklich lang. Man schöpft kurz Kraft und dann geht’s ja schon wieder mit Volldampf in die nächste Aktion. Zum Beispiel haben wir direkt nach dem halben Jahr auf Tour mit dem eigentlichen Songwriting für das Album angefangen und das macht ja auch einen Heidenspaß.
B.: Ich muss schon sagen, dass es mir ab und zu schwer fällt. Du bist die ganze Zeit unterwegs, immer Leute um dich herum und zu tun. Dann bist du plötzlich zu Hause und es stellt sich Ruhe ein. Das erst mal als Ruhe zu erkennen ist gar nicht so einfach.

H.: Das Cover zu eurem Longplayer Rosenkreuzer, der am 04.10. erschienen ist, erinnert mich vage an den Film Königreich der Himmel. Ist es einfach nur ein Bild oder steckt mehr dahinter?
D.S.: Schöner Film. Klar hatten die Geheimbünde zur Zeit der Kreuzzüge schon Hochkonjunktur und darauf bezieht sich das Cover auch. Da sind die verhüllten unbekannten Geheimbündler, die zum Teil seit damals die Macht nicht aus den Händen gegeben haben und die bis in der heutigen Zeit die Menschen versklaven. Nur mit anderen, subtileren Methoden als damals, wo man ja gleich merkte „Okay, jetzt hab ich ein Fangeisen um den Hals, das war es dann wohl mit der Eigenbestimmung“.

 

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H.: Im Video zu „Nur die Ewigkeit“ zeigt ihr euch nachdenklich bzw. von Erinnerungen gefangen genommen. Wann kann man euch so antreffen?
D.S.: Oft genug, wie man an den Texten merkt. Ich persönlich lebe meine Emotionen eigentlich in der vollen Bandbreite aus. Wenn ich fröhlich, traurig, nachdenklich oder angepisst bin, merkt man mir das auch an. Als mein guter Freund und Mitmusiker Hagen letztes Jahr einen Tag vor dem Tourauftakt verstarb, sind oft genug Tränen vor, auf und hinter der Bühne geflossen. Ich versuche den Dingen ins Gesicht zu sehen, da kann es einen schon mal unverhofft von den Kufen hauen, gerade bei unseren Texten. Aus dieser heftigen Zeit, in der mir die Musik und die Konzerte unglaublich viel Kraft und positive Energie gegeben haben, resultiert der Text zu „Nur die Ewigkeit“. So wie in dem schönen Video von Christian Beer zu dem Song zu sehen, schreib ich auch am liebsten an Texten – an einem schönen Ort und am liebsten bei Sonnenuntergang.
B.: Nach jedem Wochenende! (lacht)

H.: Unter anderem beinhaltet die neue CD auch den Titel „Triebwerk“ – musiktechnisch fühl ich mich dabei wie bei einem Sturz vom Hochhaus. Wie lautet eure Interpretation?
D.S.: Das passt. Der freie Fall als Assoziation für das Leben im wahnsinnigen Leistungs- und Zeitdruck, der uns im Dienste satter Profite an höhere Stelle anerzogen und suggeriert wird und der die meisten Menschen krank macht und schließlich auch tötet – woran ja auch wieder nicht zu knapp verdient wird.
D.C.: Direkt Faustschlag ins Gesicht und in die Magengrube.

H.: Woher stammt die Idee, „Entre dos tierras“ von Heroes del Silencio zu covern?
D.S.: Nicht etwa vom Halbspanier in meiner Person, sondern vom Fuhrmann.

H.: Bei so manchem Song von euch (zum Beispiel „Feuersturm“, „Das dunkle Tier“) möchte ich eigentlich nur Kopfhörer aufsetzen und los laufen. Ruhe oder Bewegung, was ist euch lieber?
D.S.: Beides muss sich für mich die Waage halten. Ruhe kann man nach Bewegung viel besser genießen und umgedreht. Unsere Körper und Seelen brauchen eigentlich beides, um sich wohl zu fühlen.
B.: Dem stimme ich zu. Beides ist nötig um glücklich zu sein.
D.C.: Die Ruhe vor dem Sturm!

H.: De Clercq, Deine Industrial-Ambitionen würzen die Songs immer wieder. Gibt oder gab es mit Dir andere Musikprojekte in dieser Richtung?
D.C.: Ich habe schon in so einigen Bands und Projekten mitgewirkt, ein paar wenige davon hatten auch einen Industrialeinschlag und elekronisches Geballer intus. Das waren so meine Anfänge und meine Selbstentjungferung harte Gitarren mit Elektronik zu paaren! Meiner Meinung nach der geilste Beischlaf unter Musikinstrumenten!

H.: Bei jedem von mir besuchten Konzert ließ sich Der Schulz über den Köpfen des Publikums durch die Menge tragen. Das birgt ja auch ein gewisses Risiko. Ist dabei schon mal etwas passiert? Oder wurde das Schulzsche Vertrauen in die Menschheit noch nie enttäuscht?
D.S.: Das Vertrauen in unsere Fans wurde tatsächlich noch nie enttäuscht. Das möchte ich aber nicht automatisch auf die ganze Menschheit übertragen wissen (lacht). Tatsächlich hab ich das zum ersten Mal gemacht, als ich letztes Jahr direkt vor Hagens Beisetzung mit eben so einer Sportmaschine, wie sie im aktuellen Video zu sehen ist, zur Show mit Mono Inc. in Kaiserslautern nachgereist bin und mich überwältigt von diesem extremen Tag bei dem Song „Der letzte Tanz“ spontan ins Publikum fallen lies. Seitdem kann ich irgendwie nicht mehr damit aufhören, es macht absolut süchtig.

unzuch_rosenkreuzer_cover_kleinH.: Am 30.11. kommt ihr im Lauf eurer Rosenkreuzer-Tour und im April zum Dark Munich Festival nach München. Auf was freut ihr euch dabei am meisten?
D.S.: Wir freuen uns auf’s Backstage, den Laden mögen wir sehr, auf viele Freunde in München, wie zum Beispiel Megaherz, mit denen wir ja auf Tour waren, und auf ein sehr, sehr geiles Publikum. Und natürlich auch auf ein schönes Helles und eine amtliche „Weißwurscht“!

H.: Wie schaut die Zukunft von Unzucht aus?
D.S.: So wie jetzt, nur höher, schneller, weiter, damit das Kitzeln im Bauch nicht nachlässt.

H.: Gibt es etwas, das ihr euren Fans oder auch den Leser dieser Zeilen sagen möchtet?
D.S.: Wir kommen, mit euch durchzudrehen!
B.: Lasst euch mitnehmen in Form von der Platte oder eines unserer Konzerte – und ihr werdet sehen, was wir meinen.

H.: Vielen Dank für das Interview!

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