CD: The 6ths – Hyacinths and Thistles

Ein perfekter Valentinstags-Song!

Es gibt da diesen entzückenden kleinen Indie-Film Pieces of April – Ein Tag mit April Burns mit einer hinreißenden Katie Holmes, damals noch gefühlte Lichtjahre entfernt von Tom Cruise und Scientology. April versucht an Thanksgiving für ihre Familie einen Truthahn zuzubereiten, stellt dabei das ganze Mietshaus in New York auf den Kopf, macht alle Nachbarn, die Familie und am meisten sich selbst verrückt, mit dem Resultat, dass es das lustigste und berührendste Thanksgiving wird, egal, ob der Truthahn geglückt ist oder nicht.

Dazu gibt es einen Soundtrack, und ein Song daraus hat es mir ganz gehörig angetan, „You You You You You“ von The 6ths.

Ich kenne The 6ths nur von diesem Soundtrack und von zwei anderen Alben namens Wasps‘ Nests (1995) und Hyacinths and Thistles (2000). Gründer der The 6ths ist Stephen Merritt, der auch Songwriter und Instrumentalist der The Magnetic Fields, The Gothic Archies und der Future Bible Heroes ist. Man muss sich einmal vorstellen, wie es zu dem Bandnamen The 6ths kam: Weil es ein klassischer Zungenbrecher ist! Sprecht ihn mal laut aus! Und dann im Anschluss gleich Wasps‘ Nests and Hyacinths and Thistles! Eines Lisplers Alptraum!
Jeder Song ist von Stephen Merritt selbst geschrieben worden, den Gesang übernahmen aber Gäste, teilweise ein Who’s Who der Künstler um die Jahrtausendwende. Viele Musiker sagen selbst mir nichts mehr, aber Melanie – ja, die gute alte Goodbye-Ruby-Tuesday-Melanie! – Gary Numan und Marc Almond ist mit Sicherheit jedem hier noch ein Begriff. Hervorzuheben ist bei den Interpreten, dass die meisten schwul oder lesbisch sind, abgekehrt vom traditionellen Mann-Frau-Rollenverhalten, fast androgyn wie seinerzeit David Bowie als Ziggy Stardust. Das habe ich natürlich nachgelesen, da mir die meisten Namen nichts sagen, ich finde es aber ganz besonders interessant, gerade heutzutage, zu einer Zeit, in der in Firmen zwar allmählich über Gender diskutiert wird, Quotenfrauen eingestellt werden müssen, aber in anderen Teilen der Erde die Entwicklung scheinbar wieder in die andere Richtung geht. Manche Songs aus dem Album Hyacinths and Thistles sind leicht, flockig, mit teils süffisanten Texten unterlegt. Andere wiederum haben fast eine Nick-Cavesche-Schwermut. Man kann sie jederzeit hören, zum Essen, zum Baden, zum Lesen, zum Nichtstun. Track 12, „You You You You You“ (mit Katharine Whalen), hat es mir ganz besonders angetan. Ich könnte es manchmal in Endlosschleife hören:

Even though I met you only recently
I find myself falling in love with you
I don’t know quite how to put this decently
but what’s the chance that you can love me too?

Diese schöne , leichte Frauenstimme, die Banjo-Begleitung, der Synthesizer, so bezaubernd Seventies!

Who who who who who
has made my dreams come true?
And turned my gray sky blue
why it’s you you you you you

Vielleicht weil der Winter sich verabschiedet, der Frühling naht, vielleicht will ich Schmetterlinge im Bauch, eine Last weniger auf den Schultern oder einfach nur Lust auf Leichtigkeit: Mir ist auf jeden Fall pünktlich zum Valentinstag diese kleine Indie-Perle wieder eingefallen. Who turned my gray sky blue? It’s you you you you you!

Die CD ist 2000 bei Rough Trade erschienen. Man kann sie für 72,84 (!) Euro bei Amazon erstehen oder für ein paar Euro bei Medimops, wenn man Glück hat.

Meine Empfehlung: Auf Youtube The 6ths und You eingeben, Rotwein auf, Kerzen an … Happy Valentine’s Day!

<3 <3 <3 <3 <3

 

 

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