Konzert: Funkenflug Festival, 30.12.2014, Zenith

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Mann. Frau. Ein Konzert. Zwei Sichtweisen.

 

Ein verschneiter Mittelalterabend

An einem sehr verschneiten Dienstag Ende letzten Jahres riefen Schandmaul, eine Band aus Gröbenzell bei München, mit Feuerschwanz aus Erlangen und Russkaja aus Wien die Fans zu einem gemütlichen und unvergesslichen Abend zum Jahresabschluss ins Münchner Zenith zu sich.

Am frühen Abend, als ich mich zurecht machte, schaute ich aus dem Fenster und sah, dass es schneite, als ob es nie mehr aufhören wollte. Trotz Kälte und Schneetreiben machte ich mich auf den Weg ins Zenith. Kaum an der U-Bahnstation in der Nähe angekommen, wurde ich schon von einer Gruppe junger Augsburger gefragt, ob man zusammen hinlaufen könne, da sie den Weg nicht wussten. Uns hat der Schnee nicht daran gehindert, uns auf den Abend zu freuen. Gemeinsam liefen wir durch das Schneegestöber und tauschten uns darüber aus, was wir erwarten. Einige freuten sich einfach darauf, die Bands zu sehen, andere auf einen schönen Abend mit Freunden und wieder andere auf die Musik und die Atmosphäre. Als wir ankamen, waren wir einfach froh, aus der Kälte in die Wärme zu kommen. Kaum angekommen und den Mantel abgegeben, traf ich schon einen Freund. Schön, dass es so Momente gibt, wo man merkt, dass man nie irgendwo alleine ist, dass man überall auf tolle Menschen treffen kann, die man kennt. Es waren mehr Tickets verkauft worden als Leute anwesend waren. Einige sind wohl wegen der Wetterverhältnisse nicht gekommen.

Pünktlich um 18.45 Uhr wurde es auf einen Schlag ganz dunkel. Man hörte gleich einige Instrumente aus dem Mittelalter, bevor man die Band Feuerschwanz auf der Bühne erkennen konnte. Sie fingen früher als geplant an zu spielen, was für einige eine Überraschung war.
Von Anfang an brachte der Hauptmann von Feuerschwanz, der Sänger mitsamt seinen Gefolgsleuten, alle Fans in Stimmung. Viele, die die Lieder kannten, sangen und bewegten sich mit. Es war eine grandiose Atmosphäre zum Auftakt. Während der ersten Lieder stellte der singende Hauptmann seine Gefolgsleute vor: Prinz R. Hodenherz III, der Sack- und Rauschpfeifen als auch Uilleann Pipe (Flöte) spielt und mitsingt; Johanna von der Vögelweide ist mit der Geige unterwegs; Sir Lanzeflott ist für den Rhythmus mit dem Schlagzeug zuständig; Felix der Taugenix macht mit dem Bass auf sich aufmerksam und Hans der Aufrechte ist zur Gitarre verdammt. Die Band stellte vor allem ihr Album Aufs Leben vor, das im vergangenen Herbst erschienen ist. Die Namen der Bandmitglieder als auch der Bandname selbst sagt viel über die mittelalterliche Richtung aus.
Mitten im Auftritt wurde das Publikum in zwei Teams geteilt. Im Lied wurde gefragt „Was wollen wir heute Abend?“, worauf das Publikum auf der einen Seite mit „Blöde Frage“ und auf der anderen Seite mit „Saufgelage“ antworten musste.
Dadurch wurde es noch mehr mitgerissen. Nach einiger Zeit wurde eine Dame aus dem Publikum auf die Bühne geholt, die „auf der Burg“ stehen durfte. Der Gag war, dass sie erst wieder ins Publikum durfte, wenn sie die Liebe von Prinz R. Hodenherz III erwidert, der dies in einem Lied ausgedrückt hat. Nach einigen stimmungsvollen Liedern, die auch textlich sehr gut zu dem Abend passten, unterbrach Prinz Hodenherz mit einer kurzen, sehr intimen Rede. Er erklärte, wie es zu dem nun kommenden Lied „Auf Wiederseh’n“ vom neuen Album kam. Aufgrund des Todes seiner Mutter schrieben sie eine Ballade, die nicht so ganz zur Band passt. Dennoch haben sie es sehr gut gesanglich, melodisch als auch textlich umgesetzt. Während des Lieds hat man gemerkt, dass die Stimmung trauriger und mitfühlender wurde und bei einigen die Tränen über die Wangen liefen – wie auch bei mir, da dieses Lied mich an den Tod meines Vaters erinnerte. Einfach zu schön, um wahr zu sein. Danach haben sie sich nach und nach verabschiedet.

russkaja-peter-seidel-metalspotter-19Nach einer 15-minütigen Pause begrüßte uns die Band Russkaja aus Wien. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bislang nur den Namen mal gehört hatte, jedoch kein einziges Lied. Im ersten Moment dachte ich: „Oh, hört sich wie AC/DC an!“, doch zum Glück verlor sich der Eindruck bald. Überraschenderweise kamen Trompete und Potete zum Einsatz, die für einen Hauch von Jazz sorgten. Über das ganze Konzert hinweg hörte man vor allem Ska, Polkabeats wie auch russischen Folk heraus, das mit englischem, deutschem und russischem Gesang kombiniert war. Anfangs wurde vom Sänger erklärt, dass but’sdarof Gesundheit heißt und Russkaja so viel wie „Musik für die Gesundheit“ bedeutet. Danach ging es mit Polkabeats weiter. Die Stimmung in der Menge wurde von Lied zu Lied blendender.
Mitten im Konzert wurde das Spiel dieser Band zum Lied „Traktor“ erklärt. Man sollte linksrum im Kreis laufen und mitsingen, wenn möglich. Falls einer stürzte, würde die Menge anhalten und dieser Person hochhelfen, statt über sie zu laufen. Da machten fast alle mit. Später wurde eine Tradition zu Silvester erklärt, bei der sich alle beteiligen sollten. Bei einem gewissen russischen Wort musste man mit voller Kraft und aus dem Bauch heraus „Jaaaaa“ zum Kosmos schreien, damit die Probleme rausgeschrien werden. Durch diese Interaktionen mit dem Publikum wurde die Atmosphäre erst richtig toll. Und als sie auch noch anfingen, „Wake me up“ von Avicii, das im Radio rauf und runter gespielt wird, auf ihre Weise zu spielen, da kochte die Stimmung über, und alle fingen an mitzusingen. Am Ende haben einige aus dem Publikum noch angefangen Polonaise zu tanzen, zum Erstaunen der Band.

schandmaul-peter-seidel-metalspotter-21Nach einer weiteren Pause begrüßte Schandmaul uns mit einem ihrer bekannten Lieder „In deinem Namen“. Als das Lied zu Ende war, hieß Thomas Lindner, Sänger und Frontmann, alle willkommen und bedankte sich, dass wir trotz des weihnachtlichen Wettereinbruchs gekommen waren. Später spielten sie noch eines ihrer ältesten Lieder: „Teufelsweib“. Die Leute waren begeistert, dass viele der älteren Lieder präsentiert wurden. Aber vor allem sang auch jeder alles vom neusten Album Unendlich mit. Zwischendurch erzählte Thomas Lindner immer wieder kleinere Geschichten. Irgendwann fragte er das Publikum, ob er aus seinem neuen Kinderbuch Das Schandmäulchen vorlesen dürfte. Es gab natürlich ein laut geschrienes „Ja“ aus der Menge. Als er mit dem Vorlesen anfing, kam man gleich in eine Traumwelt. Jeder einzelne hörte gespannt zu, was das kleine Schandmäulchen erlebte. Nach den letzten vorgelesenen Worten tobte der Applaus.
Danach ging die Party weiter. Die Band zeigte unter anderem einen Tanz, den sie sich für die Fans ausgedacht hatten. Dieser ähnelt sehr der Polka. Nach eineinhalb Stunden dachten einige, dass sich der Abend nach diesem Lied langsam zu Ende neigen würde. Nein, falsch gedacht! Es ging weiter! Solche Momente gab es bestimmt dreimal. Ziemlich die letzten Lieder waren „Spielmannsfluch“, „Der Teufel“ und „Euch zum Geleit“. Bei letzterem haben viele ihr Feuerzeug aus der Tasche geholt, die kleinen Flammen in die Höhe gehalten und ergriffen dem Gesang gelauscht.

Mein Resümee für den Jahresabschluss ist, dass der Abend trotz des erschwerenden Wintereinbruchs sehr gelungen war, auch wenn es früher als geplant angefangen und sich sehr lange hingezogen hat. Russkaja hat mit ihrem Stil nicht ganz zu der Richtung der beiden anderen Bands gepasst, hat aber dennoch alle mitgerissen und ein geniales Konzert hingelegt. Zudem fand ich die Tontechnik von Feuerschwanz und Russkaja sehr gut – besser kann man es nicht machen. Bei Schandmaul war leider anfangs die Harmonie zwischen Instrumenten und Gesang verzerrt, was sich später zum Glück eingerenkt hat. Im Zenith ist eine gute Akustik zu hören und erst recht bei den Konzerten zu erleben. Es ist ein gemütlicher Ort, an dem man sich wohl fühlen kann.

Mein persönliches Highlight des Abends aber war, als am Schluss der Sänger Georgij Alexandrowitsch Makazaria von Russkaja auf mich zukam und fragte, ob ich vom Finanzamt sei, weil ich mir etwas abseits noch Notizen gemacht habe. Ich habe ihm lächelnd erklärt, dass ich nur für das Webzine vom Schwarzen Bayern unterwegs sei.
Er würde sich auf ein Interview mit uns freuen, wenn wir eins machen möchten!

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(von pooka)

 

Feuerschwanz ist emotional, Schandmaul ist Sport und Russkaja bringt russische Musik für die Seele

Es ist schwer zu sagen, wie der Abend war, er hat so viele verschiedene Emotionen ausgelöst: Überraschung, Freude, Trauer, Verwirrung.
Feuerschwanz kenne ich eigentlich nur als eine Band, bei der es um Party geht und um die amüsanten Seiten des Lebens. So fand ich das vorletzte Lied „Auf Wiederseh’n“, das ich zum ersten Mal hörte, sehr, nun ja, wie soll ich es sagen? „Erwachsen“? Mir fällt es jetzt viel leichter, Feuerschwanz ernst zu nehmen, und ich weiß nun, dass sich nicht hinter jeder Spaßkanone auch wirklich eine befinden muss.

Spaßkanone ist auch eigentlich das passende Wort für Russkaja. Das dachte ich zumindest, nachdem ich sie das erste Mal vor zwei Jahren gesehen hatte. Ein Kollektiv hat das Publikum gebildet, ja, aber die Band nicht wirklich. Vielleicht ist es nur mir so vorgekommen, aber es sah so aus, als hätten die Musiker keinen richtigen Spaß auf der Bühne gehabt. Einzig und allein dem Sänger Georgij konnte ich ansehen, dass er sich richtig wohl fühlte.

Schandmaul waren und sind super! Gleich von Anfang an nahmen sie mich einmal wieder in ihren Bann, und sie ließen nicht nach. Ganz im Gegenteil: Die beiden Überraschungen waren „Dunkle Stunde“ und „Mittsommer“ – ersteres hörte ich das erste Mal live.
Man fühlte, dass die Band sehr großen Spaß hatte, und das ging dann so weit, dass ich die gesamten zwei Stunden ein Lächeln im Gesicht trug.

Fazit des Abends: Es gab von allem etwas. Und das hat ihn für mich so außergewöhnlich gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass es so einen Abend, so ein Konzert, kein zweites Mal geben wird. Für mich war es ein würdiges Abschlusskonzert für das Jahr 2014!

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 (von Schattenreiter)

Vielen Dank an Tommyknocker für die Bilder!

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