Der Grantler in Lederhose

Im Jahr des 130. Geburtstages Oskar Maria Grafs widmet die Stadt Starnberg dem bekanntesten Dichter der Region eine Ausstellung. Diese befindet sich im Untergeschoss des Museums Starnberger See und ist in mehrere Kapitel gegliedert. Oskar Maria Graf stammt aus einer Bäckersfamilie aus Berg, sie wohnten direkt am Starnberger See. Er war das neunte von elf Kindern. Es war kein reines Paradies, in dem Graf lebte.

Sein großer Bruder war ein Tyrann, sein Umfeld hatte kein Verständnis für seine Schriftstellerei. So verließ er früh seine Familie und ging nach München. Später musste er vor den Nationalsozialisten ins Exil fliehen, das war für ihn zuerst Wien, dann New York. Nach Deutschland kehrte Graf erstmals 1958 als Gast zurück.

Zu sehen ist an der ersten Station seine Kindheit in Worten und Bildern, Original-Fotoalben liegen hinter Glas.

In Starnberg und Umgebung spielte das literarische Werk von Oskar Maria Graf. Seine Bücher liegen aus, man darf sogar darin blättern.

Das letzte Kapitel ist seine Rückkehr als Gast im Jahr 1958. Er traf Prominenz und Politiker – immer in Lederhose, was nicht jedem gefiel. Diese hängt imposant zur Schau gestellt an der Wand. Sie ist aus dem Nachlass des Schriftstellers. Seine Urenkelin Caroline Glas hat sie für die Ausstellung zur Verfügung gestellt, ebenso den Gipsabdruck des Starnberger Bildhauers Max Wagner für seine Skulptur von Oskar Maria Graf gefertigt, die in Aufkirchen steht.

Schön zu sehen und wie aus der Zeit gefallen ist ein Video des BR von 1960. Hier wird Oskar Maria Graf interviewt, Moderator wie auch Graf Zigaretten qualmend. Graf natürlich in seiner Lederhose. Er sei ein „internationaler Bayer“, haben sich beide geeinigt.

Wer von dem gesprochenen Zeitzeugnis noch nicht genug hat, kann vor Ort mit Kopfhörern noch einiges hören. Schauspieler*innen haben hier Graf zu Ehren und als Geschenk an das Museum und das Publikum Texte eingesprochen, auf Spotify oder Soundcloud auch zu Hause gemütlich nachzuvollziehen:

Einführung in die Ausstellung, gesprochen von Benjamin Tillig
Das Leben meiner Mutter (Auszug), gesprochen von Beate Himmelstoss
Verbrennt Mich!, gesprochen von Stefan Wilkening
Unruhe um einen Friedfertigen (Auszug), gesprochen von Philipp Moog
Mein Zimmer, gesprochen von Sibylle Canonica
Heimat überall, gesprochen von Johannes Nussbaum
Gelächter von Aussen (Auszug), gesprochen von Peter Weiß
Ode an New York, gesprochen von Juliane Köhler

Alle Links sind hier zu finden:

 https://www.museum-starnberger-see.de/ausstellungen/vorschau/oskar-maria-graf

Oskar Maria Graf ist notgedrungen ins Exil gegangen und hat mit New York seinen Ort gefunden. Hier blieb er bis an sein Lebensende. Aber er verstand sich als Bayer in der Welt.
Diese Ausstellung ist sehr schön gemacht und wunderbar zu verbinden mit einem Ausflug an den See.

Oskar Maria Graf – Dichter und Antifaschist vom Starnberger See
Museum Starnberger See
Possenhofener Straße 5
82319 Starnberg
Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag 14:00–18:00
Samstag, Sonntag und Feiertage 11:00–18:00
Noch bis 19. Mai 2024

 

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