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Rezension: David Hine, Jeremy Haun – Darkness: Rebirth 1 Der Riss im Dasein

Embrace the dark, Jackie …

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Jackie Estacado hat alles, was ein Mann sich wünschen kann: eine Menge Geld, ein großes Haus, eine wunderschöne Frau und eine süße Tochter.
Doch hinter der friedlichen Fassade bestimmen Gewalt und schmutzige Geschäfte sein Leben. Denn Jackie ist das Oberhaupt eines großen Mafia-Clans in New York City. Überdies gebietet er über eine gewaltige Macht, wodurch er nahezu unbesiegbar ist.
Denn Jackie ist der Träger der Finsternis, eines von 13 übernatürlichen Artefakten, die ihren Trägern Fähigkeiten jenseits jeglicher Vorstellungskraft verleihen. Sollten alle Artefakte zusammengeführt werden, so haben sie das Potential, das gesamte Universum zu vernichten.

Genau hier setzt der Relaunch der Darkness-Saga an: Die Welt stand am Abgrund und es lag an Jackie, sie zu retten. Sein Kind, Hope, das er mit der Trägerin des Witchblade-Artefakts gezeugt hat, war der Schlüssel dazu. Jackie nutzte diese Kraft, vernichtete die Welt und schuf sie neu. Soweit, so gut, doch der Träger der Finsternis konnte der Versuchung nicht wiederstehen, einige kleine aber entscheidende Änderungen vorzunehmen. So ist seine große Liebe Jenny nie gestorben und in der neuen Welt die Mutter seiner Tochter Hope. Jackie ist selbst der Einzige, der sich an die Ereignisse der Pre-Rebirth-Zeitlinie erinnern kann.

Neues Leben, alte Sorgen

Heile Welt, könnte man meinen, doch es gibt noch etwas, das die Familienidylle trügt: Die Finsternis, die immer noch, einem Virus gleich, in Jackies Brust schlummert. Als Jackie in seinem Büro von zwei Mitgliedern der bulgarischen Balakov-Bande angegriffen wird, hat er keine andere Wahl, als sich der Finsternis zu bedienen und damit das Versprechen zu brechen, das er Jenny gegeben hat.
Natürlich erfährt sie davon und stellt ihren Mann vor die Wahl: Entweder seine Familie oder die Finsternis. Der Mafia-Boss hat nun eine Woche Zeit, sich der Finsternis zu entledigen, sonst werden Jenny und Hope ihn verlassen.
Um dieses schier unmögliche Unterfangen zu bewerkstelligen bedient sich Jackie eines mächtigen Hexers, der einst selbst Träger der Finsternis war. Dieser Hexer ist der einzige Mensch, der es je geschafft hat, sie aus seinem Körper zu verbannen. Jackie gelingt es schließlich nach tagelangen Qualen, den Parasiten auszuspeien. Doch wohin geht die Finsternis, wenn sie keinen Wirtskörper mehr hat? Genau: Sie erschafft sich einfach einen eigenen. Sie muss sich zwar immer noch Jackies Willen beugen, doch er hat nicht mehr die volle Kontrolle über sie. Die Finsternis kann jetzt also selbstständig handeln und ist nicht mehr auf einen Wirtskörper angewiesen. Das hat verheerende Folgen für Jackies Umfeld. Denn die Finsternis hat keine Werte oder Ideale, sie lebt davon, Schmerz und Verzweiflung über die Menschheit zu bringen.
Als wäre das nicht schon genug, so taucht nun auch der Anführer des Balakov-Clans persönlich auf, um Jackies Leuten das Leben schwer zu machen. Und das nicht zu knapp, denn es scheint, als würde Mr. Balakov ebenfalls über übernatürliche Fähigkeiten verfügen, die denen der Finsternis in Sachen Grausamkeit und Brutalität in nichts nachstehen.

Jackie steht nun vor der der schier unlösbaren Aufgabe, seine Familie zusammenzuhalten, die Spur des Todes unter Kontrolle zu bringen, die die nun eigenständig handelnde Finsternis hinter sicher herzieht, und sich mit dem Balakov-Clan auseinanderzusetzen. Dabei bemerkt er gar nicht, dass etwas mit Hope nicht zu stimmen zu scheint …

Gelungener Neustart

Top Cow hat sich bei seiner Darkness-Reihe eines Relaunches bedient, um neuen Lesern den Einstieg zu erleichtern. Hierfür nutzt der Autor David Hine das altbewährte „Held verändert Universum“-Konzept, um einen nachvollziehbaren Schluss- und Anfangspunkt zu setzen. Das ist ihnen meiner Meinung nach gut gelungen, denn selbst ohne Vorkenntnisse findet man sich schnell in Jackies Welt zurecht und lernt die Charaktere kennen. Das Ende der Pre-Rebirth-Zeitlinie wird vom Protagonisten selbst am Anfang des Comics zusammengefasst, wodurch man sofort im Bilde ist und sich auf die gut erzählte Story von The Darkness: Rebirth freuen kann. David Hine hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Story ist spannend erzählt und zieht den Leser von Anfang bis Ende in ihren Bann. Hine geizt nicht mit Gewalt, die vom Zeichner Jeremy Haun wunderbar in einem typisch amerikanischem Comic-Stil umgesetzt wurde (sogar eine Prise Erotik ist zu finden). Die Bilder haben eine klare Linienführung und sind mit kräftigen Schatten unterlegt. Alles in allem passt der Zeichenstil gut zu dem düsteren Szenario.

Darkness: Rebirth 1 Der Riss im Dasein ist ein mehr als gelungener Neubeginn der Darkness-Saga, die ursprünglich vom Comic-Großmeister Marc Silvestri erdacht wurde. Der Sammelband vereint die ersten sechs Bände der neuen Zeitlinie, doch man hat nie das Gefühl, die Geschichte würde unterbrochen werden. Erzählerisch sowie auch zeichnerisch bewegt sich der Comic auf hohem Niveau und braucht sich vor den Brachen-Primussen Marvel und DC nicht zu verstecken.
Ich habe die Lektüre sehr genossen und werde mir auch den zweiten Sammelband holen. Für erwachsene Leser, die gerne Gewalt, Sex und finstere Charaktere in ihren Comics haben, kann ich The Darkness nur empfehlen.

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David Hine ist schon seit den späten 80ern als Comic-Autor und –Zeichner aktiv und hat zunächst in seiner Heimat England für die „üblichen Verdächtigen“ der dortigen Comic-Szene gearbeitet, nämlich für die Magazine Crisis und 2000 AD. Seine Mitte der 90er entstandene Horrorminiserie Strange Embrace kann man getrost als Klassiker bezeichnen. In den letzten Jahren war er viel als Autor für Marvel tätig und hat dort u.a. District X, Mutopia X, Dardevil: Redemption, Son of M, Civil War: X-Men, Spider-Man Noir und Silent War abgeliefert. Anschließen war er knapp drei Jahre Autor für Todd McFarlanes Spawn und fertigte zwei spektakuläre Horrorminiserien für Radical an, FVZA: Federal Vampire and Zombie Agency und Ryder on the Storm.
In jüngster Zeit hat er für Image Bulletproof Coffin und Storm Dogs geschrieben sowie Crossed: Badlands für Avatar.
In der Welt der Darkness war er schon einmal aktiv: In Band 5 der PANINI-Reihe erschien seine Miniserie Die vier Reiter.

Jeremy Haun wurde 1975 in den USA geboren und arbeitet seit 2002 als freier Comic-Zeichner. Seine erste große Arbeit war Battle Hymn (Image), gefolgt von The Leading Man (Oni). Danach arbeitete er an kleineren Werken für Marvel und DC, bevor er mit der brutalen Miniserie Berserker (Top Cow) einen Hit landete. Für Arkham Reborn (DC) arbeitete er erstmals mit David Hine zusammen, dann folge Artifacts (Top Cow). Mit dem Neustart der Darkness-Reihe stieg er endgültig in die erste Liga auf.

David Hine, Jeremy Haun – Darkness: Rebirth 1 Der Riss im Dasein
Panini Comics, 2013
116 Seiten
14,95 €
Panini Comics

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