Konzert: Stahlzeit, 31.01.2015 im Kesselhaus (München)

Ein nicht nur musikalisches Feuerwerk im Kesselhaus

 

Samstag, 31.01.2015, ein Termin, der aufgrund von Beschreibungen von Bekannten mit Erwartungen angefüllt ist. Live habe ich weder Rammstein noch deren hier zu erwartende Coverband Stahlzeit vorher gesehen. Das Kesselhaus mit seinem riesigen Lüster in der Mitte und den alten industriellen Schächten scheint aber schon mal die passende Umgebung für diese musikalische Darbietung zu sein.

Das lange Intro beginnt pünktlich um 20 Uhr: Die Bühne ist mit blau-grauem Licht illuminiert, Nebel zieht vor der Bühne auf, die alten Winddüsen im Hintergrund drehen sich. Die Menge wird ungeduldig und klatscht die Stars des Abends auf die Bühne: den Schlagzeuger Thomas Buchberger-Voigt (im typischen Drummer-Outfit), die Gitarristen Matthias Sitzmann (in Alt-Dunkelgrau) und Mike Sitzmann (im schwarzen Mantel), den Bassisten Bora Öksüz (in einem kurzärmeligen Gottesdiener-Dress) und den Mann an den elektronischen Tasten, Thilo Weber (weiß geschminktes Gesicht, hat etwas gespielt Wirres an sich). Zu den ersten Tönen zu „Reise, Reise“ tritt Frontmann Heli Reißenweber ins Scheinwerferlicht. Der muskelbepackte, dreckig wirkende Sänger bringt gleich den ersten funkenwerfenden Sprühregen mit, und Thilo spielt eine riesige elektronische Ziehharmonika – der erste „Wow“-Eindruck! Hier teilt sich einem schon das mit, was den Rest des Abends folgen sollte: ein musikalisches und farbliches Schauspiel, eine große Show. Beim zweiten Stück „Links“ ertönen die Riffs, der doppelseitige Synthesizer wird von Thilo mit flinken Fingern und mit einer entwaffnenden Leichtigkeit bedient. Das rote Licht kreiert eine eigene Stimmung, die Lichtpistole an Helis Händen zaubert Feuer in die Luft. Den Nebeneffekt, dass es ganz schön warm dabei wird, nimmt man gern in Kauf.
Die Herren ziehen ihr Set durch, jeder kriegt seinen Part, seine Aufmerksamkeit, und sie geben ihr Bestes an den Instrumenten. Es wirkt, als ob hier die Originale ständen (was mir von Anwesenden, die das Original kennen, bestätigt wird). Es folgen „Bett in Flammen“ und „Der Meister“. Bei „Asche zu Asche“ brennen die Mikrohalterungen, Mike wird bei seinem Beitrag in buntem Licht illuminiert. Heli ist seinem Vorbild hörbar nahe, jederzeit, da gibt es keine Schwächen. Auch die Lichttechnik ist sehenswert, man muss auch bedenken, dass wir uns hier im Kesselhaus befinden, nicht in einer großen Konzerthalle. Die Farben wechseln von Rot bei „Sehnsucht“ zu einem kühlen Weiß bei „Mein Herz brennt“ – und die Stimme und die musikalische Darbietung halten, was Rammstein vorgemacht haben. Die Titel fliegen bloß so dahin: „Morgenstern“, „Mutter“, „Heirate mich“, „Spieluhr“. Bei „Keine Lust“ und „Benzin“ ist die durchdringende Kraft des Schlagzeugs und die Rifffreude der Saitenexperten wieder verstärkt im Einsatz. Dank Video bin ich jetzt darauf vorbereitet was folgt: Zu „Mein Teil“ werden die Gitarristen in Szene gesetzt, selbst auf dieser kleinen Bühne wird das Original gecovert, mit Topf, Feuerwerfer und Co., toll was auch im kleineren Rahmen so alles geht. Bei „Hier kommt die Sonne“ singt und bebt die Halle. Danach wird der Bassist im Schlauchbot über die Köpfe der Zuschauer bugsiert, es gelingt von vorne nach hinten und zurück, die milden Gaben in Form von CDs und anderem nicht Erkennbaren werden unters Volk gebracht, begleitet wird er dabei musikalisch von Schlagzeug- und Synthie-Tönen. Es wird einfach nie langweilig an diesem Abend. Die Show wird fortgesetzt mit: „Ich tu dir weh“, „Ohne dich“, „See you stripped“, „Du riechst so gut“, „Waidmanns Heil“, „Feuer frei“, „Du hast“ und „Pussy“. Die Musiker und der Sänger immer mit vollem Einsatz, oftmals mit Feuerwerk (manchmal kommt man sich wie an Silvester vor), ein Spiel aus Licht und Schatten, aber immer mit Freude.
Im Mittelteil des Sets hat Heli schon auf die bevorstehende Tour von Märzfeld (dem eigenen musikalischen Projekt von Stahlzeit) zusammen mit Eisbrecher hingewiesen, nach zweieinviertel Stunden (welch gesangliche und instrumentale Ausdauer) verabschiedet sich der Frontmann mit einem „Dankeschön München“ , das heißt, er versucht es, denn so einfach lässt die Menge Stahlzeit nicht ziehen. Mit den Zugaben „Amerika“, „Ich will“ sowie „Engel“ ist es aber gut für heute, den Feierabend haben sich alle Bandmitglieder wahrlich verdient.

Fazit: Eine rockige, kurzweilige Nacht, mit allen damit einhergehenden Qualitäten und darüber hinaus mit vielen Showelementen, die ein solches Konzert unvergesslich machen. Stahlzeit muss sich nicht hinter Rammstein verstecken.

 

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Die Bilder zu diesem genialen Abend findet Ihr bei Metalspotter.de – danke Peter!

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