Buch: Eric Wrede – The End

This is the end

Wrede_EThe_End_193281„The end of laughter and soft lies. The end of nights we tried to die. This is the end.“ Das wussten schon The Doors, das war der letzte Song auf meiner Partyreihe Death Porn Show, und hier schimmert auch der ehemalige Job von Eric Wrede durch: Musikmanager. Diesen hat er jedoch aufgegeben, um seiner Berufung zu folgen: Bestatter. Bitte was? Ja, das klingt sehr ungewöhnlich, und meine Vorlieben für gute Musik und ganz Gothic-klischeemäßig für den Tod machten mich neugierig. Denn „Das Buch vom Tod“ lautet der Untertitel, und ein Sarg prangt auf dem Cover.

Eric Wrede beginnt erst einmal direkt mit seinem Testament. Das überrascht den Leser, zeigt aber auch, hier meint es jemand erst. Dann beschreibt er in The End seinen Werdegang vom Musikmanager über Bestatterlehrling bis hin zur Eröffnung seines eigenen Beerdigungsinstituts Lebensnah, mit dem er neue Wege beschreiten will. Er plädiert für einen neuen und menschlicheren Umgang mit dem Thema Trauer und Bestattungen, weg vom vorherrschenden industrialisierten und auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Prozess. Hier ist ein Wandel in der Gesellschaft nötig, der Tod und seine Folgen für alle Beteiligten muss als Thema enttabuisiert werden. Denn wenn es soweit ist, gilt es in sehr kurzer Zeit sehr viel zu organisieren, und darauf ist kaum jemand vorbereitet. Und die Trauer, an der man zu ersticken droht, kommt noch erschwerend hinzu.
Besser also, man macht sich zu Lebzeiten Gedanken, wie alles ablaufen soll, und das mit Familie und Freunden zusammen. Dazu gehört es auch sich zu informieren. Welche Möglichkeiten der Bestattung gibt es? Welche Rechte hat man gegenüber dem Dienstleister Bestatter? Wie kann eine Trauerfeier ablaufen? Wie sichert man die Hinterbliebenen finanziell ab? Was soll mit dem Nachlass geschehen? Zu allen Fragen gibt Eric Wrede Antworten und Hilfestellungen. Beispiele aus seiner Arbeitspraxis beleuchten das Ganze, egal ob eher traditionell oder ganz unkonventionell. Manche sind rührend, andere wiederum hart zu lesen, und so mag es beim Lesen manchmal ein Tränchen geben, gerade wenn man selbst erst kürzlich einen Verlust erlitten hat. Andere Geschichten regen zum Lachen an, etwa wenn Wrede in einer Nacht- und Nebelaktion eine Urne ausbuddelt, um ein Versprechen zu halten, und dann feststellen muss, die falsche erwischt zu haben.
Interviews mit einigen Prominenten (z. B. Flaake von Rammstein) zum Umgang mit dem Tod lockern das Buch auf und zeigen, wie individuell das ausfallen kann. Zum Abschluss werden die wichtigsten Informationen zum Thema Bestattungen zusammengefasst und Dokumente über die Homepage zum Download bereitgestellt. Die Leidenschaft zur Musik ist Wrede trotz der neuen Arbeit übrigens nicht abhanden gekommen. Das zeigt sich bei den einzelnen Kapiteln, deren Überschriften nach passenden Songtiteln oder Songzitaten benannt sind.

Fazit: The End ist ein überraschend interessanter und unterhaltsamer Ratgeber. Eric Wrede leistet hier jede Menge umfassende Aufklärungsarbeit und beleuchtet die verschiedenen Aspekte von allen Seiten, sei es aus der Sicht der Verstorbenen, der Hinterbliebenen oder der Vorsorge. Trotz aller Informationen bleibt aber auch der humoristische Aspekt nicht auf der Strecke. The End ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt, und das wirklich jeder auch fernab aller Gothic-Klischees lesen kann – und vielleicht sogar sollte. Schließlich ist nichts so tödlich wie das Leben.

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Eric Wrede: The End
Verlag: Heyne Encore, Vö. 29.10.2018
Taschenbuch (Klappenbroschur), 192 Seiten
16,00 €, als Ebook 12,99 €, erhältlich über Randomhouse
Homepage: https://www.randomhouse.de/Paperback/The-End/Eric-Wrede/Heyne-Encore/e538089.rhd
www.lebensnah-bestattungen.de

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