CD: Reverend Beat-Man & Izobel Garcia – baile bruja muerto

Tanz Hexe Tod

VR12109Der Schweizer Musiker Beat Zeller hat bereits 1986 die Psychobilly-Garage-Blues-Trash-Punk-Band The Monsters gegründet und ist darüber hinaus sowohl als Wrestler als auch als Prediger durch die Welt gezogen. In seinen One-Man-Shows spielt er Primitive Rock ’n‘ Roll oder Blues Trash. Außerdem ist er der Kopf hinter dem Indie-Label Voodoo Rhythm Records, das für seine hochwertigen Veröffentlichungen im weiten Feld des Bereichs Rock ’n‘ Roll und Artverwandtem weltweit geschätzt wird.
Die Mexikanerin Izobel Garcia hat in zahllosen kurzlebigen Garage-Punk-Bands in Los Angeles gespielt, seit sie sechzehn ist. Ihre musikalischen Wurzeln liegen im Punk, im Blues, und der mexikanischen Ranchera Music, mit der Band Manos del Chango hat sie einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht.
Kennengelernt haben die beiden sich bei einer Garage Punk Show in Los Angeles und vom Fleck weg ihr gemeinsames Projekt gestartet. Am Schlagzeug sitzen beide, während der Reverend zusätzlich noch Gitarre spielt, bedient Garcia Orgel oder Synthesizer. Eingespielt wurde das Album baile bruja muerto abwechselnd in Italien, der Schweiz und L.A.

Zu Beginn betört Garcia direkt mit ihrer Stimme bei „Pero te amo (but i love you)“ zu einer zart gezupften Gitarre, doch mit dem Refrain setzt auch Zeller mit ein und lässt die E-Gitarre sprechen, und es entwickelt sich eine Art Ballade im Garage-Rock-Stil. Rockig geht es auch mit „Come back Lord“ weiter, die erste Assoziation dazu ist „Tainted love“ von Soft Cell. Das wird gerne von Rockabilly Bands gecovert, indem der Bass die Rhythmusmelodie übernimmt, wie zum Beispiel in der Version von The GoGetters. Der Bass ist hier sehr ähnlich, aber Sixties Beat ist hier die musikalische Grundrichtung vom Beat-Man. In der Strophe täuscht der Song eine Spoken-Word-Predigt von Zeller an, um im Refrain gospelähnlich mit einem hohen Energie-Level zu explodieren. Garcia übernimmt den Gesang zu „I never told you“. Mit Sixties Garage Beat geht es flott nach vorn, und so eignet sich der Song bestens für die Tanzfläche. Nun folgt „Black Metal“ von Venom? Im Ernst? Ja, und das ist gut so, denn die zwei zaubern daraus eine betörende Sixties-Beat-Version, zu der man sich bestens vorstellen kann, wie dazu wie in From dusk ‚til dawn der Alkohol das Schienbein herabläuft. Der Song ist wegen der im Vergleich zum Original äußerst ungewöhnlichen Umsetzung mein Favorit der Scheibe. Tatsächlich sind Venom in den achtziger Jahren die Lieblingsband vom Reverend gewesen, so ungewöhnlich ist diese Wahl also gar nicht, vor allem, wenn man sich dazu zum Beispiel auch mal Venom’s „Sacrifice“ anhört. Im Grunde genommen ist das schneller gespielter Rock ’n‘ Roll, und mit dem rauen Gesang wäre das prädestiniert für eine Psychobilly-Coverversion von Demented Are Go, Sparky klingt schließlich ähnlich. Oder eben für The Monsters themself. „Viva la Figa“ ist ein originelles Stück, schräg, lustig, und stimmungsvoll. Es st schwierig einzuordnen, am ehesten möchte ich es als Mexican Ska bezeichnen, und damit ist klar, dass es ungewöhnlich ist.
Das folgende „Lass uns Liebe machen (Haremos el Amor)“ ist ein zweisprachiges Duett, ein schönes aber schwermütiges Liebeslied, das natürlich tragisch endet. Ein schlichtes Gitarrenthema ist Grundlage des Songs. „Macorina“ ist im Original ein Lied von Chavela Vargas, einer mexikanischen Ikone in traditioneller Folk Noir Musik, die darüber hinaus auch für Frauenrechte in Mexiko kämpfte. Zeller begleitet Garcia auf der Gitarre, die die ganze Tragik und Tiefe mit ihrem Gesang zum Ausdruck bringt. Mit „Love me two times“ von The Doors ist noch eine Coverversion vertreten. Zu einem langsamen, schleppenden Rhythmus intoniert Zeller den Text und verstärkt so die bluesige Wirkung des Originals. Percussion, Orgel und Gitarre dominieren das experimentelle „Nerviosa“. Der Gesang kommt nur entfernt aus dem Off und ist noch dazu leicht verzerrt. Ein wenig erinnert das Stück an Jahrmarktsmusik, die aber um eine Western-Komponente erweitert ist. „I’ll take care of you“ ist eine orgelbegleitete Rockabilly-Ballade, bei der die kratzige Stimme von Zeller im Kontrast zur romantischen Stimmung steht. Der heimliche Star der Aufnahme ist für mich aber das Schallplatten-Knistern im Hintergrund. „My name Reverend Beatman“ am Abschluss des Albums ist eine Art Zugabe, irgendwas zwischen einen Hörspiel und einer Predigt, in der der Reverend mit eindringlicher Stimme seine Version der Schöpfungsgeschichte darlegt. Diesen schrägen Spoken-Word-Track wird man vermutlich nicht allzu oft anhören, aber dafür liegt er ja auch am Ende.

Fazit: Auf baile bruja muerto (zu deutsch: Tanz Hexe Tod) versammelt sich ein ganzes Potpourri verschiedener musikalischer Stile, die aber durch die stets erkennbare Handschrift von Zeller zusammengehalten wird. Die Zusammenarbeit zwischen Reverend Beat-Man und Izobel Garcia ist sehr gelungen. Beinahe wie Yin und Yang ergänzen und inspirieren sich die beiden gegenseitig, und so gefällt mir baile bruja muerto deutlich besser als das letzte Werk Blues Trash von Reverend Beat-Man and the New Wave.

Am 28.02.2019 kann man den Reverend übrigens zusammen mit The Monsters im Münchner Import Export erleben, und wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann: Es lohnt sich!

Anspieltips: Pero te amo (but i love you), I never told you, Black Metal

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

Reverend Beat-Man & Izobel Garcia: baile bruja muerto
Voodoo Rhythm Records, Vö.18.01.2019
CD 16,00 €, LP 16,00 €, MC 11,00 € erhältlich über Voodoo Rhythm Records
https://www.facebook.com/reverendbeatmanofficial
https://www.facebook.com/izobelmusic/
http://voodoorhythm.ch/91-artists/reverend-beat-man.html
http://www.voodoorhythm.com/

Tracklist:
01 Pero te amo (but i love you)
02 Come back Lord
03 I never told you
04 Black Metal
05 Viva la Figa
06 Lass uns Liebe machen (Haremos el Amor)
07 Macorina
08 Love me two times
09 Nerviosa
10 I’ll take care of you
11 My name Reverend Beatman

(687)