Beiträge

Black Metal deluxe

Es ist Montagabend, und ich habe einen Termin. In diesem an Metal-Highlights wahrlich nicht armen Oktober kann man sich nicht mal am Wochenanfang von allen Aktivitäten erholen, denn mit Gaahls Wyrd, Winterfylleth und Gaerea verbreitet ein absolut hochklassiges Tourpackage im Backstage Finsternis, Raserei, extraschwarze Schwärze – und ganz viel Schönheit. Speziell auf Gaahls Wyrd freue ich mich sehr, denn den Auftritt auf dem diesjährigen DEMM hatte die Band kurzfristig absagen müssen. Sehr gespannt bin ich auf Gaerea, die den Status eines Openers eigentlich schon vor dieser Tour nicht mehr innehatten und die den Abend sicher furios eröffnen werden. Winterfylleth sind für den zweiten Tourblock für die Kollegen von Saor eingesprungen und werden die Schotten sicher gebührend vertreten. Weiterlesen

Vertonte Schwermut

Es ist Herbst! Warum diese Jahreszeit so wichtig ist, erfahrt ihr im Laufe meiner Review. Der Name ColdWorld kursiert bereits seit dem Jahr der Gründung 2005 im Black Metal Underground. Das alleinige Mitglied Georg Börner (für alle Instrumente verantwortlich) und sein Projekt ColdWorld gehören für mich seit je her zur Speerspitze des Deutschen Depressive Post Ambient Black Metal (diese Bezeichnung ist nicht weit hergeholt oder gar übertrieben). Alben wie das 2016 erschienene Autumn beinhalten ihre ureigene Magie und Melancholie. Das Ende September veröffentlichte neue Album Isolation hatte ich sehnlichst erwartet. Hier für euch ein kleiner Eindruck der musikalischen Reise in das Album. Weiterlesen

Schwarze Zeremonie

Samael feiern 25 Jahre Passage, das Album, das für sie den endgültigen Durchbruch in der Metalwelt bedeutet, durch die Verwendung von Drumcomputern aber auch viele alte Fans verschreckt hat. Wie auch immer man zu dem klinischen, industriellen Sound des Albums steht, an der Bedeutung zweifelt sicher kaum jemand. Wie so vielem hat das böse C auch Samael und ihren Feierplänen einen Strich durch die Rechnung gemacht, doch jetzt können 25 Jahre Passage endlich angemessen zelebriert werden. Dazu will die Band das Album in voller Länge und der richtigen Reihenfolge spielen, und ich lecke mir danach schon die Finger. Schnell ins Backstage, trotz dem derzeit allgegenwärtigen Schmuddelwetter. Weiterlesen

Das polnische WGT

20220708_180104Eigentlich war es schon länger geplant, die Castle Party zu besuchen, das legendäre kleine „dark independent festival since 1994“, und damit fast so alt wie die große Schwester Wave Gotik Treffen in Leipzig. Doch erst passte es nicht in die sonstige Urlaubsplanung, und dann kam die Pandemie dazwischen. Doch nachdem das Festival bereits letztes Jahr als eines der wenigen überhaupt wieder stattgefunden hatte, sollte uns dieses Jahr nichts mehr aufhalten. Bolków, wir kommen! Weiterlesen

Linksradikaler Black Metal

In der Nachlese über das Dark Easter Metal Meeting (Link Tag 1, Link Tag 2) bin ich über die Anarcho-Band Gravpel gestolpert, und so kommt es zu diesem Artikel. Nachdem wir ja schon linksradikalen Schlager vorgestellt hatten (Link), geht es heute um eine weitere, zunächst etwas überraschend anmutende Musikrichtung: Linksradikaler Black Metal. Dies mag insofern etwas überraschend sein, weil das Genre Black Metal gerne in die rechte Schublade gesteckt wird. Denn natürlich gibt es einige Vertreter, die sich dort wohl fühlen im Bereich des NSBM, des National Socialist Black Metal. Dies darf aber eben nicht verallgemeinert werden, denn für genügend Menschen bedeutet NSBM nichts anderes als Nonessential Shitty Black Metal.
Diese Gegenbewegung nennt sich RABM, Red and Anarchist Black Metal, die sich klar gegen menschenverachtende Ideologien wendet und sich politisch linksorientiert äußert. Weiterlesen

Der unheiligen Ostermesse zweiter Teil 

20220425_085727„Gibt es etwas Schöneres, als am Ostersonntag für den Herrgott zu spielen?“ Auch in diesem Jahr soll an das festivalprägende Zitat von Tom G. Warrior erinnert werden, auch wenn Triptykon 2022 (leider) nicht mit von der Partie sind. Dafür stehen sechzehn andere Bands auf dem Tagesprogramm, inklusive einiger schmerzhafter Überschneidungen, denn heute jagt ein Highlight das andere oder spielt parallel. Wie schade – und wie schön, sich endlich wieder mit solchen Luxusproblemen herumschlagen zu dürfen! Auf geht’s zurück ins Festivalgetümmel und zu den wirklich essenziellen Themen des Lebens: Welche Band schaue ich als Nächstes an? Mit wem fachsimple ich über Musik? Ist die Getränkeversorgung gesichert? Gibt’s Bandshirt xy in meiner Größe? Und: Süßkartoffelpommes gehen immer! Weiterlesen

Endlich wieder eine unheilige Ostermesse

20220425_085736„Geil war’s, bis nächstes Jahr!“ So tönte man 2019, nach dem letzten phänomenalen Dark Easter Metal Meeting. Umso bitterer war es dann, als das traditionell ausverkaufte DEMM 2020 kurz nach Pandemiebeginn verschoben werden musste. Aber alles nicht so wild, wir halten zusammen, und ein Jahr vergeht ja bekanntlich schnell – oder? Gibt’s halt ein bisschen länger Vorfreude, feiern wir dann doppelt. Pustekuchen. Dass es tatsächlich bis Ostern 2022 dauern sollte, bis das Backstage wieder fest in schwarzmetallischer Hand ist, hätten wir alle nicht gedacht. Bis zuletzt haben wir gebibbert, die Veranstalter mussten das Line-up so oft umwerfen, dass von den ursprünglich gebuchten Bands gar nicht mehr so viele übrig waren, eine Woche vorher mussten dann auch noch Gaahls WYRD absagen … Es war alles ein bisschen nervenzerfetzend. Doch dann war es soweit, 32 hochkarätige Bands waren angekündigt, die letzten Corona-Maßnahmen aufgehoben, die Wettervorhersage gut und das größte Hindernis die Stammstreckensperrung der Münchner S-Bahn. Aber echte DEMM-Fans überwinden auch diese Hürde auf dem Weg zu – endlich wieder – Festival, Freunden, Live-Musik und immer einem kühlen Blonden in der Hand. Pack ma’s! Weiterlesen

„Genießt den Abend trotz aller Umstände und die Freiheit!“

Endlich gastieren Lebanon Hanover mal wieder in München, und nicht nur das: Es ist der erste Konzertabend überhaupt nach langer Corona-Durststrecke, der bis auf die 2G+-Regelung ohne irgendwelche Einschränkungen stattfinden kann. Im Vorprogramm treten die Münchner Lokalmatadoren Rue Oberkampf auf und die Niederländer Bragolin. Auf den Shows von Rue Oberkampf, die ich bislang gesehen hatte, haben sie mich persönlich ehrlich gesagt noch nicht richtig überzeugt. Da freue ich mich schon mehr auf Bragolin, deren Name übrigens auf den italienischen Maler Giovanni Bragolin verweist, der vor allem für die Bilder weinender Jungen bekannt ist.
Nach und nach füllt sich das Ampere, und viele begrüßen lange nicht gesehene Freunde oder sichten schon mal den Merchandise-Stand von Young & Cold Records, während die Spannung steigt, was mittlerweile ein fremd gewordenes Gefühl ist. Aber allzulang kann man das gar nicht genießen, weil der Abend pünktlich beginnt. Weiterlesen

Alda – A distant fire

AldaDas vierte Album A distant fire der amerikanischen Band Alda vereint so unterschiedliche Musikstile wie Black Metal, Folk und Post Rock miteinander. Dass die Mitglieder Jace und Stephanie Bruton, Michael Korchonnoff und Timothy Brown dabei alles andere als konventionell vorgehen, zeigt sich schon an der Songdauer, denn die reicht von nur zwei bis zu epischen sechzehn Minuten. Stil-und Tempiwechsel bestimmen das musikalische Bild, und man braucht mehrere Durchläufe, um alles erfassen zu können, und entdeckt doch immer wieder Neues. Weiterlesen