Was zur Hölle?

Urfaust-UntergangDie Gründung der niederländischen Band Urfaust durch IX geht auf das Jahr 2003 zurück. Später stößt dann VRDRBR hinzu und komplettiert die Band zum Duo. Das letzte Werk Teufelsgeist von Urfaust hatte mich schwer begeistert (Link zur Review), um so höher sind nun die Erwartungen an das neue Album Untergang. Denn zur Veröffentlichung bei Ván Records wurde auch die Auflösung der Band verkündet. Damit endet nach zwanzig Jahren und magischen sieben Studioalben ein Zyklus.

Gleich zu Beginn ist der Titeltrack „Untergang“ platziert, aber was zur Hölle? Sind die Kopfhörer kaputt? Ich checke das echt erst einmal, denn es rauscht und knarzt gewaltig. Erst ganz langsam schleicht sich eine Art Melodie ins Bild, und auch die wehklagende Stimme ertönt schließlich. Es ist eine Kakophonie, als hätte H.P. Lovecraft sie komponiert. Sie weist den Weg zum „Höllenkosmos“, der von Drone-Klängen und Ambient dominiert wird. Das ultra langsame Schlagzeug erzeugt mit seinem Nachhall den Eindruck einer großen Halle oder gar Kathedrale, während die Sounds zum Teil nicht von dieser Welt zu stammen scheinen. Das folgende „Leere“ ist mit der zugrundeliegenden repetiven Gitarrenmelodie ungemein zugänglicher. Zu Beginn und Ende des Stücks fühle ich mich an Mönchschöre erinnert, zu denen das Black-Metal-Kreischen einen Gegenpol bildet. Oder es ist das Mahlwerk für den „Reliquienstaub“, der im Wesentlichen aus Orgelklängen und einzelnen Schlagzeugbeats besteht.
Die Grundmelodie in „Vernichtung“ meine ich irgendwie vom Gothic Rock her zu kennen, aber über allem liegt dieses dissonante Rauschen. Ihr kennt doch bestimmt diesen Spruch, dass Black Metal eine Musikrichtung sei, die klinge, als ob ein sterbendes Schwein mit abartiger Geschwindigkeit gegen eine Mülltonne gedroschen wird? Dann ist das hier so etwas wie die Zeitlupenversion. Ein „Atomtod“ sollte wohl schnell gehen, also dauert der Song weniger als zweieinhalb Minuten. Er wirkt dabei aber erstaunlich friedlich, vielleicht bezieht er sich auch auf die Stille danach. Zum Schluss bleibt nur der „Abgrund“, der mit über acht Minuten mit Abstand längste Titel, der musikalisch am ehesten zum Vorgängeralbum Teufelsgeist deutet. Er beinhaltet auch diesen erhabenen sphärischen Gesang, den ich bislang vermisst habe, und dem mensch sich nur schwer entziehen kann.

Fazit: Was zur Hölle? Urfaust scheren sich im wahrsten Sinne des Wortes einen Teufel um irgendwelche Erwartungen seitens der Hörer*innen. Das ist zwar einerseits irgendwie richtig und begrüßenswert, das Experimentelle kann andererseits aber auch enttäuschen oder überfordern. Untergang ist ganz im Gegensatz zu Teufelsgeist ein Album, das ich mir schwer erarbeiten musste. Es beinhaltet zwar auch Ambient Drone Black Metal, ist dabei aber doch ganz anders und ungemein anstrengender. Das ist kein Easy-Listening, aber das waren Urfaust noch nie. Lasst euch bewusst darauf ein und seht, ob es euch in den Bann zieht. Denn eine Ära geht hier zu Ende.

Anspieltipps: Leere, Abgrund

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Urfaust: Untergang
Ván Records, Vö. 18.08.2023
MP3 5,00 € erhältlich über Bandcamp
LP 25,00 €, CD 14,00 € erhältlich über Ván Records
Homepage: https://www.facebook.com/urfaustofficial/
https://van-records.com/

Tracklist:
01 Untergang
02 Höllenkosmos
03 Leere
04 Reliquienstaub
05 Vernichtung
06 Atomtod
07 Abgrund

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