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Konzert: 29.04.2018 – Isolation Berlin + Swutscher, Feierwerk/Hansa 39, München

Pimmel Fotze Hodensack!

P1100603Isolation Berlin sind endlich wieder in München zu Gast, nachdem es zur Lesung im Rahmen des Literaturfestes letztes Jahr zumindest im Anschluss ein paar akustische Lieder gab. Mit ihrer Show im Feierwerk vor zwei Jahren (Link zum Bericht) katapultierten sich Isolation Berlin für mich ad hoc an die unangefochtene Spitze aktueller deutschsprachiger Bands. Heute präsentieren sie ihr aktuelles Album Vergifte dich (Link zur Review).
Als Vorband sind die Staatsakt-Labelkollegen Swutscher am Start. Klingt merkwürdig? Ist es auch, denn Swutscher ist ein Begriff aus dem Plattdeutschen und bezeichnet Herumtreiber und liederlich lebende Menschen. Die Mitglieder, die Gitarristen Sven Stellmach und Velvet Bein, Sänger und Gitarrist Sascha Utech, Drummer Martin Herberg, Bassist Mike Krumhorn und Keyboarder Sebastian Genzink, stammen aus dem sagenumwobenen Rehn (wenn Google Maps nicht lügt) irgendwo an der A7 zwischen Hamburg und Neumünster. Weiterlesen

CD: Moscow Death Brigade – Boltcutter

Straight outta Moscow

MDBMoscow Death Brigade sind ein Phänomen, denn sie haben es geschafft, Hip-Hop, Hardcore/Punk und Thrash Metal derart zu kombinieren, dass auf ihren Shows die Anhänger dieser eher unvereinbaren Musikrichtungen zu einer im Schweiß vereinten Familie zusammenwachsen. Damit haben sie trotz Underground-Status schnell europaweit Fans gewonnen. Auch mich fasziniert die Band, dabei habe ich ansonsten mit Hip-Hop wenig zu tun.
Mit einer linken Einstellung hat man es in Russland derzeit nicht leicht, deswegen verwenden die Sänger stets Sturmhauben, um ihre Identität zu schützen und Übergriffe seitens russischer Neonazis zu verhindern. Gleichzeitig passt das natürlich zur Attitüde und trägt durch das auf diese Weise martialische Auftreten zum Gesamteindruck bei. Zuletzt waren sie im Vorprogramm von den Überfliegern Feine Sahne Fischfilet in Deutschland unterwegs, was den Bekanntheitsgrad deutlich gesteigert haben dürfte. Weiterlesen

Konzert: 16.03.2018 – The Creepshow + Gallows Bound – Backstage Halle, München

Ein magischer Moment

P1080410Kaum eine Band vermag es so mitreißend Punkrock und Psychobilly miteinander zu kombinieren wie die mittlerweile in Montreal ansässigen Kanadier The Creepshow, die dafür auch schon auf dem Leipziger Wave Gotik Treffen gefeiert wurden. Einige Besetzungswechsel hat die Band verkraften müssen, vor allem beim Gesang. Als die Original-Sängerin Jennifer Blackwood nach dem ersten Album schwanger wurde, ist 2007 ihre Schwester Sarah eingesprungen. Mit ihr erschienen zwei weitere Alben, bis sie 2012 mit ihrer zweitenen Band Walk Off The Earth weltbekannt wurde und die Band kurz vor einer bereits geplanten Tour verließ. Die neue Sängerin Kenda Legaspi wurde damals quasi ins kalte Wasser geschmissen und mußte lernen, sich auch gegen Anfeindungen mancher Fans durchzusetzen. Sechs Jahre, zwei Alben und zahllose Konzerte später ist das kein Thema mehr. Die weiteren Bandmitglieder sind Bassist Sean McNab aka Sickboy, Keyboarder Kristian Rowles aka Reverend McGinty, Gitarrist Chuck Coles und Sandro Sanchioni an den Drums.
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EP/LP: FCKR – Rattenblick

„Hallo ihr Ficker,

ich wollte heut‘ mal andecoverrs anfangen als sonst.“ So beginnt die 7″-EP Rattenblick, und diese Einleitung konnte ich mir daher nicht verkneifen. An den Leipzigern FCKR scheiden sich die Geister. Ist das noch Punk, bzw. darf eine Punk-Band so massiv elektronische Sounds einsetzen? Genrekonventionen interessieren sie zum Glück nicht, und so wirbeln FCKR seit 2014 ordentlich Staub auf in der manchmal etwas eintönigen Deutschpunk-Szene. Nach dem Schweine-Demo von 2015 und dem Debütalbum Dummlandschweine von 2016 haben sie nun mit Rattenblick nachgelegt. Weiterlesen

CD: Panika – Enten Eller

Neue Deutsche Neue Deutsche Welle

Viel ist über die Band Panika nicht herauszufinden, die sich 2015 in Berlin gegründet hat. Susi und Chrissi teilen sich Bass, Gitarre, Keyboard und Gesang, Gabor spielt Gitarre und Benny Schlagzeug, soviel verrät die Facebook-Seite. Also einfach mal überraschen lassen.cover Weiterlesen

Konzert: 21.12.2017 – Peter And The Test Tube Babies + Dick York And The Originals – Backstage-Halle, München

Munich Prison Blues

P1060808_2Alle Jahre wieder spielt die 1978 gegründete Punk-Legende Peter And The Test Tube Babies mittlerweile traditionell kurz vor Weihnachten auch in München, um das alte Jahr ausklingen zu lassen. Mit dabei sind im Vorprogramm Dick York And The Originals, auf die ich mich ebenfalls freue. Sie sind aus der Band Cryssis hervorgegangen, die 2009 von Vom Ritchie, Drummer von The Toten Hosen, und Dick York gegründet worden ist. Aber von vorn: Seine Vorgängerband Sta-Prest hat Dick York 1980 verlassen und gründet Cry Dyaan zusammen mit Stephen Smart am Bass und Clive Kemp an der Gitarre. Drummer ist der junge und noch unbekannte Vom Ritchie. 1982werden sie Band of the Year bei der BBC, doch schließlich lösen sie sich auf und beginnen das Arbeitsleben, nur Vom Ritchie macht bekanntermaßen weiter Musik. Nun ist das alte Team wieder zusammen, und als zusätzlicher Drummer zu Vom Ritchie ist Jay Harrison dabei.
Als ich im Backstage ankomme, wundere ich mich zunächst über die vielen Leute, aber die wollen alle ins Werk zur deutschen Heavy-Metal-Legende Udo Dirkschneider. Heute scheint wohl der Tag der Legenden zu sein, da heißt es, Prioritäten zu setzen. Sorry, Udo. Weiterlesen

CD: The Adicts – And it was so!

Ad(d)icted to Punk

The Adicts - And It Was So! - ArtworkThe Adicts sind nicht nur eine Ikone des Punk, sie sind auch eine der dienstältesten Bands des Planeten und damit eine absolute Legende. 1975 gründen sie sich noch unter dem Namen Afterbirth im kleinen Städtchen Ipswich in der englischen Grafschaft Suffolk. Zwei Jahre später benennen sie sich in The Adicts um, beeinflusst von Stanley Kubricks Kultfilm Clockwork Orange, und übernehmen für die Bühne dabei auch die Ästhetik der Gang um Alex. Bemerkenswert ist, dass die Gründungsmitglieder Keith „Monkey“ Warren (Gesang), Pete Dee Davison (Gitarre), Mel „Little Dave“ Ellis (Bass) und Michael „Kid Dee“ Davison (Schlagzeug) alle noch dabei sind. Wie oft kann man das noch erleben? Mit And it was so! präsentieren sie nach fünf Jahren Pause ihr 12. Studioalbum und setzen damit gleichzeitig ein Statement. Weiterlesen

CD: Peter and the Test Tube Babies – That shallot

Zwiebelalarm

Peter And The Test Tube Babies - That Shallot - ArtworkPeter and the Test Tube Babies haben sich bereits 1978 gegründet und sind aller Besetzungswechsel zum Trotz bis heute aktiv. Damit gelten sie völlig zu Recht als eine der Legenden im englischen Punk. Die beiden Gründungsmitglieder, Sänger Peter Bywaters und Gitarrist Derek Greening, werden seit 2003 von Caveman Dave am Schlagzeug begleitet, und auf dem neuen Album That shallot ist der neue Bassist Nick Abnett zu hören. Fünf Jahre sind seit dem letzten Werk Piss ups vergangen, und Peter wurde kürzlich die Einreise in die USA verweigert, weil er bei der letztjährigen Presidential-Tour Donald Trump verunglimpft haben soll. Höchste Zeit also, den Punk mal wieder rauszulassen. Weiterlesen

CD/Sampler: Night Voices – Volume 1

Death Rock a Gogo

Occult Whispers Records - Night Voices- Volume 1 - coverOccult Whispers Records ist ein DIY-Underground-Label aus Chicago, auf das ich über Bandcamp stieß, das vor allem Musik aus den Bereichen Death Rock, Gothic und Punk veröffentlicht, und das zum Teil sogar für Liebhaber auf Tape.
Der Sampler Night Voices – Volume 1 widmet sich dem Death Rock, der schon bei der Geburtsstunde der Gothic Szene dabei war, aber damals wie heute stets eine Nischensparte blieb. Underground selbst im Underground. Die musikalische Grenze zum Batcave verlief dabei immer fließend, das ist auch auf diesem Sampler nicht anders.

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Buch: Michael Muhammad Knight – Taqwacore

Punk und Islam

taqwacoreTaqwacore ist eine Wortschöpfung aus dem arabischen Taqwa für Gottesehrfurcht und der Punkrichtung Hardcore, und damit ist der Kern der Sache schon beschrieben.
Yusef, ein durchschnittlicher Muslim und amerikanischer Collegestudent mit pakistanischen Wurzeln, lebt in Buffalo in einer Hausgemeinschaft muslimischer Punks. Dementsprechend ist dieses Haus mit allerlei schrägen Typen bevölkert. Da ist der Junkie Amazing Ayyub, der immer sein riesiges „KERBELA“-Tattoo auf der Brust präsentiert. Jehangir Tabari trägt einen 30 cm langen gelb gefärbten Irokesenschnitt und betrinkt sich regelmäßig bis zur Besinnungslosigkeit. Fasiq Abasa hat orangefarbene Stacheln auf dem Kopf und raucht Joints, während er den Koran liest. Der Sudanese Rude Dawudd ist ein glühender Ska-Anhänger, Anzug, Krawatte und Pork-Pie-Hut. Muzammil ist offen homosexuell und stellt sich die Frage, ob er während des Fastenmonats Ramadan beim Blowjob schlucken darf. Weiterlesen