Beiträge

Keine Angst vor Dämonen

SJÖBLOM Bandcamp

Auch wenn die Corona-Maßnahmen in Schweden lockerer gehandhabt wurden als bei uns, so hat Johan Sjöblom Eliot offensichtlich auch einige Zeit Zuhause verbracht, die das Mitglied der Stockholmer Post-Punk-Band The Exploding Boy mit Songwriting intensiv nutzte, mit Unterstützung von Robert Eklind, der u. a. Keyboarder bei Malaise und in der Vergangenheit auch schon als Fotograf für The Exploding Boy tätig war. Herausgekommen ist ein neues Solo-Album als SJÖBLOM. Das zweite Album nach 6 (Link zur Review) mit dem Titel Demons ist nun bei Reptile Music erschienen.
Im übrigen hat Jon Bordon das Album in den Stockholmer Joniverse Studios produziert, der sich u. a. auch für Agent Side Grinder und Nicole Sabouné verantwortlich zeichnet, eine richtig schwedische Angelegenheit also, und ich wage es nun, mich den Dämonen zu stellen. Weiterlesen

Wave Gothic Treffen

cover-Lp-aufeinander, und zwar beim Mailander Duo Hidden House. Das hat sich 2019 gegründet und besteht aus dem Gitarristen Fran Cesco und Giò am Bass, der auch für das Programming zuständig ist. Den Gesang teilen sich die beiden auf. Ein bisschen wie früher also, als Drumcomputer noch häufig eingesetzt wurden. Nach zwei EPs haben Hidden House nun ihr Debütalbum Inside the house veröffentlicht, das die EPs und vier neue Songs umfasst. Ob Absicht oder nicht, ein wenig halten sich die zwei tatsächlich versteckt, da ich dem Internet kaum mehr Informationen entlocken konnte. Zeit also das Haus zu betreten, um mehr herauszufinden. Weiterlesen

Electropop-Remixes

Sea of Sin haben sich immer wieder längere Schaffenspausen gegönnt und doch oder gerade deswegen bemerkenswerte Musik veröffentlicht. 2018 gab es ein Comeback-Album (Future Pulse), 2019 erschien Unbroken (Wiederveröffentlichung Mai 2019). Sie sind im Bereich Synthpop, Indie-Pop, New Wave bzw. Electropop angelegt, und im März 2021 haben sie mit The Remixes II einen Longplayer herausgebracht, der in Zusammenarbeit mit anderen Bands entstanden ist. Weiterlesen

Tanz den Widerstand

Kein Projekt wie viele andere. Maren Rahmann, Schauspielerin, Performerin und Musikerin, vertonte historische Arbeiterlieder und Widerstandstexte mit dem Akkordeon, Didi Disko machte derweil mit Collapsing New People Electropop, New Wave, Postpunk. 2016 fanden sie sich zu Laut Fragen zusammen. Zusammen spielen sie Electro-Postpunk, aber nicht nur; man hört auch Anleihen ans 20er-Jahre-Cabaret, (Noise-)Pop, viele (großartige) Wave-Fragmente und immer wieder Noise-Einsprengsel, Geräuscheffekte, akustische Illustrationen. Songs mit Hörspielementen, Hörspiele in Songform, Popsongs mit Irritationen und Brüchen oder musikalische Bruchstücke, die sich zu einem Song-Ganzen fügen; ein bisschen klingt es, wie wenn Ton Steine Scherben Brecht’sches Theater spielen würden. Schon musikalisch ist das Album also eine Ausnahmeerscheinung. Die ungewöhnliche Form ist aber kein Selbstzweck und der Titel kein loses Etikett. Arbeiteten Laut Fragen auf ihrem ersten Album Utopie + Untergang (2017) noch mit eigenen Texten, kamen sie mit Facetten des Widerstandes zur Gründungsidee zurück: Sie vertonen Texte aus dem antifaschistischen Widerstand in Österreich und Zeitberichte von Widerstandskämpfer*innen gegen das NS-Regime. Wie sie im Making-of-Video erklären, war die Frage bei der musikalischen Umsetzung für sie immer: Wie kann, wie sollte genau dieser Text musikalisch umgesetzt werden? Keine leichte Frage: Was ist eine angemessene Form von Musik für Texte, die im Exil, auf der Flucht, in Haft, im KZ entstanden oder vom dort Erlebten erzählen? Weiterlesen

Es sprechen die dunklen Seiten der Achtziger

Fall-ShockFall Shock ist eine italienische Band, die 2018 von Francesco Kay, einem Ghost Producer, Sänger und Schlagzeuger in Personalunion, gegründet wurde. Kurz darauf trifft er den Death Metal Gitarristen Markus O., gemeinsam haben sie den Sound vom Debütalbum Interior entwickelt, das unlängst bei Manic Depression Records erschienen ist. Der Tod mag vielleicht vorhanden sein, doch Metal sucht man dabei vergeblich. Stattdessen wagen sie den Tanz auf dem schmalen Grad zwischen Darkwave und Synthiepop. Weiterlesen

Keine dicke Biene

blinddelon-cd-frontBei dem Bandnamen Blind Delon muss ich als erstes direkt an die amerikanische Band Blind Melon denken, die in den Neunzigern den Hit „No rain“ hatte, in dessen Video ein als dicke Biene verkleidetes Kind die Hauptrolle innehatte. Aber ich vermute, es handelt sich wohl um ein doppeltes Wortspiel, das sich auch auf den französischen Schauspieler Alain Delon bezieht. Mathis Kolkoz hat die Band 2016 zunächst als Soloprojekt gegründet, zwei Jahre später stoßen Coco Thiburs und Théo Fantuz hinzu. Nach dem Debütalbum Discipline 2019 hat Fantuz die Band jedoch verlassen, und als Duo wird nun das neue Album Chimères bei Icy Cold Records und Manic Depression Records präsentiert. Weiterlesen

Nirvana? Langweilig!

Kummer-im-WestenErneut begleiten wir den Protagonisten Anton Kummer, den wir schon mit Düsterbusch City Lights kennengelernt haben (Link zur Rezension), wo er zu Zeiten der DDR mit dem Club Helden des Fortschritts Punk- und New-Wave-Konzerte veranstaltet hat. Mittlerweile ist die Mauer gefallen und die DDR als solche ist Geschichte.
Kummer im Westen, natürlich ist der Titel doppeldeutig zu verstehen. Nach dem Ende der DDR macht Anton Kummer die ersten Erfahrungen im glorreichen Westen. Doch so toll, wie er es sich immer ausgemalt hat, alles, wovon er immer geträumt hat, so toll ist das in der ersten Zeit dann doch nicht. Mit der Wirklichkeit konfrontiert ist er schnell ernüchtert und erleidet einigen Kummer. Weiterlesen

Hoods up! Hoods up!

1_MDBMoscow Death Brigade, die Underground-Sensation aus Moskau, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, nicht nur in Europa, sondern auch in der Punk-Gemeinde im fernen Thailand, wie ich im letzten Urlaub wieder feststellen konnte. Die Crew um Ski Mask G und Boltcutter Vlad findet also weltweit Beachtung, das sieht man auch in den Kommentaren der Videos auf Youtube.
Die Europa-Tour im April musste Corona-bedingt leider ausfallen, doch als Ersatztermin der neuen Tour ist nun der 27.09.2020 für das Münchner Backstage angesetzt. Mit dem aktuellen Maskenzwang dürften sie noch am wenigsten Probleme haben, da sie es gewöhnt sind, ihre Auftritte mit Sturmhauben zu bestreiten, um auf auf diese Weise ihre Identität vor den russischen Neonazis zu schützen. Hoffen wir also das Beste und widmen uns bis dahin dem neuen und dritten Album Bad accent anthems. Ich bin gespannt, welche Entwicklung Moscow Death Brigade eingeschlagen haben. Weiterlesen

Pisse für alle

pisseNein, den Bandnamen muss man nicht verstehen oder mögen, man kann ihn auch für infantil halten. Dennoch lohnt sich die musikalische Auseinandersetzung mit Pisse unbedingt. Bereits 2012 haben sich die vier Jungs zur Bandgründung in Hoyerswerda zusammengefunden, die unbestätigten Gerüchten zufolge allesamt Ronny heißen sollen. Im Internet machen sie sich rar, und dennoch haben sie sich im Punk-Untergrund mit schweißtreibenden Shows und diversen EPs einen Namen gemacht. Bereits im Januar haben sie ihre erste LP herausgebracht, die sinnigerweise den schlichten Namen LP trägt. Weiterlesen

Die Leiden des jungen Wimmer

Stefan-WimmerEs ist der heiße Sommer von 1985 im Münchener Vorort Pasing. Der fünzehnjährige Stefan ist leidenschaftlicher New-Wave-Anhänger und Mitglied der Kajal-Clique. Der Name ist Programm, und zur Schminke gesellen sich Schmuck und schwarze Klamotten. Der Kopf der Gruppe ist der ein Jahr ältere Roderick, und neben Meindorff ist auch noch Deibel dabei, der aber von den anderen immer wieder einmal verspottet wird. Sie hören Bands wie The Cure und Human League, Propaganda, Heaven 17 und Siouxsie and the Banshees. Weiterlesen