CD: JE T’AIME – Je t’aime

Je t‘ aime – moi, je t’aime aussi

Vinyl-JTM_BPISinnigerweise aus Paris, der Stadt der Liebe, stammt die französische Band JE T’AIME, was ja bekanntermaßen übersetzt „ich liebe dich“ heißt. Die drei Mitglieder sind Dany Boy (Gesang und Synthies), Tall BastArd (Bass und Gitarre) und Crazy Z (Bass und Synthies), die fleißig am selbstbetitelten Debütalbum Je t’aime gearbeitet haben, seit die überaus positiven Reaktionen auf den zuerst veröffentlichten Song „The sound“ sie beflügelt haben. So wurde auch Manic Depression Records auf das Trio aufmerksam. Widmen wir uns also der Liebesbotschaft.

Beim Bass schwingt ein bisschen was von The Sisters Of Mercy beim Opener „The sound“ mit, überhaupt ist der Song durch die Kombination von Post Punk mit New Wave ungewöhnlich beschwingt und begeistert mich sofort. Diese Grundstimmung wird auch beim folgenden „Dance“ aufrechterhalten, vor allem der Bass ist ähnlich prägnant. Insgesamt ist der Song aber düsterer gehalten, trotz der beinah Hip-Hop-mäßigen Shouts im Mittelteil, die spätestens jetzt zum Tanzen mitreißen. „The flying Dutchman“ ist zwar energetisch gesehen durchaus auch tanzbar, aber weit weniger fröhlich geraten. Hier vereinigt sich der Post Punk stimmungsmäßig mit Cold Wave, und der Gesang bekommt diese klagende Note, die man so oft aus der Stimme von Robert Smith heraushören kann. Mit einer wunderbaren Melodie besticht „A million suns“, bei dem die bereits bewährte musikalische Melange fortgeführt wird. Bei „Fuck me“ tritt originellerweise „Whip it“ von Devo deutlich zu Tage, und trotz erhöhtem Energiepegel kommt auch die Melancholie nicht zu kurz.
Ob „C++“ ein geheimer Code für The Cure ist? Jedenfalls klingt Dany Boy gesanglich bei diesem Uptempo-Song stark nach Robert Smith. Der Rhythmus gibt die Geschwindigkeit vor, der die anderen folgen. Der Synthie-Anteil steigt mit „Satan’s bitch“ deutlich an, und New Wave dominiert gegenüber Post Punk. Gegen Ende überrascht der Song mit weiblichem Sprechgesang zu sphärischen Klängen. Die elektronischen Klänge von „Hide and seek“ erinnern mich irgendwie an Anne Clark, die Atmosphäre ist insgesamt aber im Cold Wave angesiedelt, wozu der traurige Gesang von Dany Boy bestens passt. „Merry-go-round“ geht vom Rhythmus her schon fast Richtung EBM, ähnlich wie „Blue Monday“ von New Order. Neben dem normalen Gesang wird auch düsterer Sprechgesang eingesetzt, der für eine mystische Note sorgt. Mit „Spyglass“ gibt es nun wirklich EBM-Rhythmus à la Front 242, die Synthies sorgen aber für New Wave Atmosphäre. Es wirkt ein bisschen, als würde Erasure auf The Smiths treffen. Zum Abschied gibt es eine Warnung: „Watch out!“ Diese kommt aber sehr ruhig und gefühlvoll daher. Der Bass weckt bei mir Erinnerungen an „Take my breath away“ von Berlin und damit an erste Teenagerpartys. Wer die nicht in den Achtzigern erlebt hat, kann ja mal den Film La Boum schauen (auch wenn eben genanntes Lied nicht daraus stammt, sondern aus Top Gun).

Fazit: La Boum – Die Fete geht weiter heißt der zweite Teil, und so hoffe ich, dass es auch mit JE T’AIME nach diesem tollen Album weitergeht. Aus New und Cold Wave und Post Punk kreieren sie einen ganz eigenen und abwechslungsreichen Sound. Sie scheuen sich nicht, vielfältige Einflüsse aus den Achtzigern aufzunehmen und diese dann aber modern und eigenständig zu verarbeiten. Sie wirken auf mich wie eine modernere und schnellere Version von The Smiths auf mich. JE T’AIME – ich liebe dich – mag als Bandname etwas profan klingen, zeugt aber gerade dadurch von Selbstbewusstsein. Vielleicht geht es auch auf Jane Birkin und Serge Gainsbourg und deren Duett „Je t’aime,… moi non plus“ zurück. In meinem Fall aber heißt es: Je t‘ aime – moi, je t’aime aussi.

Anspieltipps: The Sound, C++, Hide and seek

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JE T’AIME: Je t’aime
Manic Depression Records, Vö. 13.05.2019
MP3 Download ab 9,00 €, CD 13,00 €, LP 16,00 € erhältlich über Bandcamp
Homepage: https://www.jetaime-music.com
https://www.facebook.com/jetaimetheband
https://jetaimetheband.bandcamp.com/releases
http://manicdepressionrecords.com
https://icycoldrecords.bandcamp.com

Tracklist:
01 The sound
02 Dance
03 The flying Dutchman
04 A million suns
05 Fuck me
06 C++
07 Satan’s bitch
08 Hide and seek
09 Merry-go-round
10 Spyglass
11 Watch out!

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