Beiträge

Harte Sprache, weicher Kern

dogs-in-treesHeute möchte ich noch einen Nachzügler präsentieren, denn manchmal passt es zeitlich einfach nicht, und dann bleibt schon mal etwas liegen, dem man sich trotzdem hätte widmen wollen.
Ob Hunde nun wirklich auf Bäume klettern, sei einmal dahingestellt. dogs in trees aus dem polinschen Gdynia können jedenfalls so einiges. Die Band besteht seit 2010 und hatte nach einigen EPs 2015 ihr erstes Studioalbum pióra mew veröffentlicht. Seit letztem Sommer ist auch ihr aktuelles Album echo erhältlich, das in einer Zusammenarbeit von Icy Cold Records und Alchera Visions erschienen ist. Sänger Paveł Goździewicz, der auch Gitarre und Synthesizer übernimmt, Arkusz Książczak am Bass und Schlagzeuger Tymek Lasota haben sich ganz den dunkleren Emotionen verschrieben, die atmosphärisch umgesetzt werden. Weiterlesen

Wave française

Im Netz macht sich die junge Band Order 89 aus Paris eher rar, viele Informationen liefert ihre Instagram-Seite auch nicht, wenn man von den äußerst gelungenen Fotos einmal absieht. Sie haben aber bereits einige Live-Erfahrungen gesammelt, und sich somit an ihr Debüt Bleu acier gewagt, das letztes Jahr im Herbst erschienen ist. Order 89, das sind Bassist und Sänger Jordi, Flavien, der den Drum Computer und die Synthies programmiert, und Gitarrist Elliot. Mein Französisch ist leider sehr eingerostet, aber inhaltlich setzen sie sich wohl mit den dunklen Seiten der Liebe und dem Tod auseinander. Weiterlesen

Gefangen im Reich der Schatten

Und damit ist ausnahmsweise mal nicht die Erweiterung von World of Warcraft gemeint. Shadowlands stammen aus Portland, Oregon, und sind seit 2013 aktiv. Nach 001 und 002 ist vor kurzem das offizielle Debütalbum mit dem sinnigen Titel 003 bei Icy Cold Records erschienen. Die Band besteht aus Bassist Jesse Elizondo (Ex-The Minds), Drummer Casey Logan, auch bei Murderbait aktiv und Ehemann von Sängerin Amy Sabin (Ex-Phantom Lights), die zusätzlich das Keyboard bedient. Ihre Zwillingsschwester Angie Sabin ist als neue Gitarristin dabei, nachdem Jason Sartain nach vier Jahren die Band verlassen hat. Darüber hinaus ist im Vorfeld der Aufnahmen zu 003 ein enger Freund verstorben, was sich sicherlich musikalisch ausgewirkt hat. Weiterlesen

Gothic Pogo

Aus dem französischen Nantes stammt die Band Bleakness, die sich 2016 gegründet hat und mittlerweile nach Lyon umgesiedelt ist. Sie treten in klassischer Dreier-Besetzung an mit Drummer Jake, Bassist Phab sowie Sänger und Gitarrist Nico. Alle haben zuvor schon Erfahrung in anderen Bands gesammelt, und nach einigen EPs in der Vergangenheit ist Functionally instinct ihr offizielles Debütalbum, das nun bei Icy Cold Records erschienen ist. Der Pressetext verrät, dass die drei ihre Version von Punk als Ventil für die Frustration über die politischen Zustände in Frankreich nutzen, was zunächst wenig überraschend ist. Dass dabei aber punkuntypisch melancholische Melodien integriert werden hingegen schon. Weiterlesen

Geht mal ran

1_coverAuch in Frankreich wird unser Webzine mittlerweile gelesen, wie wir nicht ganz ohne Stolz festgestellt haben, als die Rezensionsanfrage der Band mit dem etwas unkonventionellen Namen [an] Uncoming Call in der Redaktion eingetrudelt ist. Aus Zeitgründen können wir leider nicht alle erfüllen, aber hier bin ich gern dabei. Das klassische Band-Quartett hat sich 2016 gegründet und stammt aus dem französischen Verdun sur Garonne. Die Mitglieder sind wie folgt Julien Beguet, Vincent Fernandez, Vincent Hespeel und Mickaël Galvaire, der außerdem der Hauptsänger der Band ist. Weiterlesen

Alles andere als tot

Dead_DreamsDabei sind die Informationen im Netz zur französischen Band Dead eher rar, was aber auch daran liegen könnte, dass die gängige Suchmaschine bei dem Namen an ihre Grenzen stößt bzw. ca. 3.400.000.000 Ergebnisse liefert, und nun muss man die richtigen herausfiltern. Mit Dead von Mayhem hat sie z.B. nichts gemeinsam. Sie besteht aus Sänger Berne Evol, Brice Delourmel an der Gitarre und Bernard Marie, der den Drumcomputer und die Keyboards bedient. Nach den beiden EPs Transmissions (2012) und Verse (2014) sowie dem Debütalbum Voices (2016) haben Dead mit Dreams ihre dritte EP herausgebracht. Trotz des überaus Gothic-kompatiblen Bandnamens sind sie aber bislang unter meinem Radar hindurchgetaucht, aber das soll sich nun ändern. Weiterlesen

Pic_2Semiotics Department of Heteronyms (SDH) sind Andrea Latorre und Sergi Algiz aus Barcelona. Beide spielen auch in der experimentellen Post-Punk Band Wind Atlas und haben das Label Cønjuntø Vacíø ins Leben gerufen. Letztes Jahr haben SDH mit Semiotics Department Of Heteronyms ein beeindruckendes Synth-Wave-Album veröffentlicht – 8 dunkle, sinnliche und intensive Tracks mit einem Hauch EBM – ein großartiges Debüt! Sie selber beschreiben ihren Sound als „music to cry in late night clubs“. Dieses Jahr waren SDH gemeinsam mit FataMorgana auf Europa-Tour. Für 2020 sind neues Material und weitere Konzerte in Planung.

Weiterlesen

Vereinigung statt Teilung

2438191Aus Stockholm stammen die 2013 gegründeten A Projection, und damit befinden sich die Schweden in bester Gesellschaft, denn auch Henric De La Cour, Kite und The Exploding Boy stammen von dort. Deren Sänger Johan Sjöblom ist es auch, der mich letztes Jahr im Interview (Link) auf die Band aufmerksam gemacht hat. Das Debüt Exit stammt von 2015, Framework erscheint zwei Jahre später, und mit ihrem deutlich 80er-inspirierten Post Punk haben sie mich direkt begeistert. In der Zwischenzeit gab es gesundheitliche Probleme und Besetzungswechsel, Sänger Isak Erikson stieg aus. Doch nach einer schwierigen Zeit ist nun das neue Album Section bei Metropolis Records erschienen, für das Bassist Rikard Tengvall ans Mikro gewechselt ist. Linus Högstadius, Jesper Lönn und Gustav Forneus vervollständigen das Line-Up. Weiterlesen

Maria W Horn – „Ave“

mariawhornMaria W Horn ist eine schwedische Künstlerin, deren Arbeit eng mit ihrer Heimat verbunden ist, der schwedischen Provinz Ångermanland (im Norden des Landes gelegen) – eine nicht immer unbelastete Beziehung. Dementsprechend schwer und beklemmend können die extrem zurückgenommenen, kantigen Geräuschkollagen wirken, dann gibt es aber auch wieder lichte und kraftvolle Momente. Sie verarbeitet in ihrer Musik die wechselhafte und konfliktreiche Vergangenheit und Gegenwart ihrer Heimat (Stichwort: Hexenverbrennungen im 17. Jahrhundert, Arbeiteraufstände u. a.), auch unter feministischen Gesichtspunkten. Und wie klingt das? Kaum zu beschreiben. So weit wie der spärlich bewohnte schwedische Norden, so klaustrophobisch, wie kleine Gemeinschaften sein können, zart und aufrührerisch, verstörend und hoffnungsvoll.

„Ave“ auf Youtube

Maria W Horn auf Facebook

Maria W Horn auf Bandcamp

Weiterlesen

Auf einer trostlosen Überlandstraße in einer gottverlassenen Gegend mitten in der Nacht fährt im Regen ein Auto vorbei

GRÜN-WASSER-CoverGrün Wasser sind Keely Dowd (Vocals & Production) und Essej Pollock (Electronics & Production) aus Chicago. Die beiden Freundinnen gründeten ihr gemeinsames Projekt 2015; 2016 erschien ihr erster Longplayer Nein/9, zwei Jahre später Predator/Prey. Keely Dowd macht kein Geheimnis daraus, dass sie in diesen ersten Jahren der Band mit Alkoholismus und Depressionen zu kämpfen hatte. Sie gewann. In den Lyrics das dritten Albums Not ok with things spielen nicht nur die Folgen von und der Kampf gegen Abhängigkeit und Krankheit eine große Rolle, sondern auch die gesellschaftlichen Strukturen und Mechanismen, die beide hervorbringen oder befördern: Zwänge, Sprachlosigkeit, soziale Hierarchien, destruktive Rollenbilder, toxische Beziehungen. Keine leichte Kost, sollte man meinen, aber wie klingt das in Musik übersetzt? Anders, und: catchy.

Weiterlesen