Düsterpunk
 

Lappel-du-videDie Band L’appel Du Vide wurde trotz des französischen Namens 2019 in Chemnitz gegründet und nach einem ersten Demo durch Corona auch schon wieder durcheinandergewirbelt. Dank einer mittlerweile gefestigen Band ist das Debütalbum Metro bei It’s Eleven Records und Sabotage Records erschienen. Die Mitglieder sind allesamt keine Unbekannten in der Chemnitzer Musikszene, dabei sind nun Sänger Rene Thierfelder (Out On A Limb), Gitarrist Flatty Lugosi (Black Lagoon), Bassist Henry Arthur Hamann (Tooth Paint) und Drummer André ‚Friday‘ Freitag (Void Boyz).

Schon die ersten elektronischen Takte von „Nacht“ faszinieren mich, die dann einsetzende Band steigert meine Aufmerksamkeit, und als der Gesang schließlich einsetzt, werde ich völlig abgeholt. Wie geil ist das denn? Post Punk mit der Betonung auf Punk, meine spontanen Assoziationen sind Kontrolle und Team Scheiße sowie die Energie vom Joy Divisions Vorläufer Warsaw. So geht es auch mit „Verschwiegen“ weiter, wobei die Gitarrenarbeit psychedelische Züge annimmt, die in Richtung Surf tendieren. Das Schlagzeug treibt alle unentwegt voran, und das ändert sich auch durch den „Offenbarungseid“ nicht. Der Gesang von Rene ist angenehm unperfekt, einfach authentisch, nicht glattgebügelt und von einer ganz eigenen Klangfarbe, die einen hohen Wiedererkennungswert aufweist. Die Rhythmus-Sequenz zu Beginn von „Woanders“ baut Spannung auf, bis sich die weniger temporeiche Songstruktur entfaltet. Der Refrain ist besonders eingängig und bietet gewisse Mitsingqualitäten.
Auch „Verbrennen“ beginnt zunächst recht getragen, behält dabei aber eine hohe Intensität. Zugunsten der Stimme nehmen sich schließlich die Instrumente zurück, ein geschickter Schachzug, der außerdem für Abwechslung sorgt. In „Fleisch“ wird der elektronische Anteil im Sound verstärkt, was für eine besondere Stimmung sorgt, bis es Noise-Rock-mäßig abgeht. Das Schlagzeug prägt die „Warteschleife“, und die Saiteninstrumente besitzen einen hohen Drive, eine mitreißende Kombi, bei der der Gesang für den Feinschliff sorgt. Mit einem tollen Basslauf besticht „Ausgeliefert“, bei dem mitreißende Lärm- mit den coolen Textpassagen konkurrieren. Zum Abschluss erzeugt auch „Fragezeichen“ noch einmal eine besondere Intensität, bevor schließlich das Album ruhig ausklingt. Die Stille danach ist irgendwie unwirklich.

Fazit: Ich bin hin und weg. Düsterpunkiger Post Punk, oder einfach Dark Punk, hier stimmt einfach alles. Die Melodien, die Abwechslung, das Zusammenspiel, der leicht schräge Gesang, die unaufgeregte Produktion und der gesamte Indie-Charakter überhaupt. Und nicht zuletzt die Lyrics, die eher direkt sind aber frei von platten Deutschpunk-Phrasen. Über allem liegt stets ein Teppich aus Düsternis und eine spürbare Verzweiflung, daher ist die selbstgewählte Schublade Gloom Punk äußerst zutreffend. Außer den zu Beginn bereits Genannten möchte ich ansatzweise EA 80 zum Vergleich heranziehen oder eine weniger poppige Ausgabe von Turbostaat.

Anspieltipps: Nacht, Ausgeliefert

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L’appel Du Vide: Metro
It’s Eleven Records / Sabotage Records, Vö. 29.03.2024
MP3 7,00 €, LP 16,00 € erhältlich über Bandcamp
Homepage: https://www.facebook.com/lappelduvidedarkpunk/
https://www.instagram.com/lappelduvide_band/
https://www.itseleven-records.de/

Tracklist:
01 Nacht
02 Verschwiegen
03 Offenbarungseid
04 Woanders
05 Verbrennen
06 Fleisch
07 Warteschleife
08 Ausgeliefert
09 Fragezeichen

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