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CD: Panika – Enten Eller

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Viel ist über die Band Panika nicht herauszufinden, die sich 2015 in Berlin gegründet hat. Susi und Chrissi teilen sich Bass, Gitarre, Keyboard und Gesang, Gabor spielt Gitarre und Benny Schlagzeug, soviel verrät die Facebook-Seite. Also einfach mal überraschen lassen.cover Weiterlesen

Buch: Gerrit Meijer – Berlin, Punk, PVC

Mehr als nur drei Akkorde

Berlin-Punk-PVCWelche war die erste deutsche Punk Band? Darüber gehen die Meinungen auseinander, und hundertprozentig nachvollziehen kann man das wohl auch nicht mehr. Fest steht allerdings, dass die 1977 gegründeten PVC ganz vorne mit dabei sind, in Berlin sind sie definitiv die erste.
Das Cover des Buches Berlin, Punk, PVC ziert das berühmte Bandfoto von 1977, PVC an der Berliner Mauer, symptomatisch für die damalige Zeit, aber auch symptomatisch für PVC und deren Hymne „Wall City Rock“. Die Oberfläche fühlt sich rau an, eine originelle Analogie zum Mauerbeton. Auch die einzelnen Buchseiten sind oben und unten angegraut und wirken so etwas schmuddelig, passend zum Thema Punk und Berlin. Weitere Fotos gibt es im Innenteil an passenden Stellen eingestreut. Inhaltlich beginnt das Buch mit einem Vorwort von Bela B. von Die Ärzte, der keinen Hehl aus seinem Respekt vor PVC und Gerrit Meijer macht. Weiterlesen

EP: Necros Christos – Nine Graves

Fernöstliche Klänge aus Berlin

 

Necros Christos lassen natürlich zuerst an dieses düster-geheimnisvolle-schwere Schwarzmetall griechischer Provenienz denken, und damit liegt man gar nicht falsch, auch wenn dieUntitled-1 Herren Mors Dalos Ra (Gitarren, Vocals, Keyboards), Peter Habura (Bass), The Evil Reverend N. (Guitarre) und Iván Hernández (Drums) aus Berlin kommen: Nine Graves, der neuste Output der inzwischen zum Quartett angewachsenen okkulten Death-Doom-Formation, klingt nicht im Mindesten griechisch, ist aber düster, geheimnisvoll, drückend schwer und wartet mit einigen Überraschungen auf. Weiterlesen

CD – Shrike: Sieben

Von den Farben der Sehnsucht

shrike-sieben-artworkDie Berliner Schwarzmetaller Shrike waren sehr, sehr fleißig. Erst im Juni letzten Jahres brachten sie Hinab in die vertraute Fremdheit auf den Markt, jetzt erscheint Anfang April ihr drittes Album Sieben. Der Titel bezieht sich auf die mittlerweile siebenjährige Bandgeschichte, auf die Shrike zurückblicken kann, und mit dem Album soll ein neues musikalisches Kapitel aufgeschlagen werden. Mit Hinab in die vertraute Fremdheit hatte ich noch so meine Probleme, in die Musik von Shrike hineinzufinden – mit Sieben war es ganz anders, weil auch das Album so ganz anders ist. Weiterlesen

News: Blind Passenger – Neue EP „Digital Criminal“ im Februar

Nik Page und Oliver Christen veröffentlichen am 28.02.2014 eine EP, die mit ihren acht Titeln, die immer weiter ausufernde Diktatur des maximalen Profits anprangern. Den Videoclip zum Titelsong „Digital Criminal“ widmen sie allen Aktivisten, die jeden Tag aufs Neue für einen grünen Planeten ohne Krieg, Verzweiflung, Korruption, Macht und Gier kämpfen. Maskiert und vermummt stellten sie sich auf den Potsdamer Platz in Berlin vor die Kameras und nahmen für den Dreh auch gern einen Polizeieinsatz in Kauf. Weiterlesen

Reinhard Kleist und Tobias O. Meissner: Berlinoir (2013)

Vampire dieser Welt, schaut auf diese Stadt!

berlinoir

Arbeitsplätze und Renten sind sicher in Berlinoir: Alles, was die Menschen dafür tun müssen, ist, den Herrschern der Stadt ihr Blut zu spenden. Im Gegenzug sorgen die Vampire, die von ihrem Anführer, dem „Bürgermeister“ Szerbenmundt, auf Linie gehalten werden, für alles, was die Einwohner zum Leben brauchen. Oder zumindest für fast alles.
Unter den Menschen, denen es ja eigentlich gut geht, regt sich eine Widerstandsgruppe um den charismatischen Niall. Sie töten Vampire, die sie einfach nur Kadaver nennen, und leben in ständiger Gefahr, entdeckt zu werden. Eines Nachts verschont Niall die wunderschöne Vampirin Hellen – und verliebt sich in sie. Doch ihre Liebe endet tragisch, als die Widerstandskämpfer einen Aufstand der Bevölkerung anzetteln, in dessen Wirren Hellen den endgültigen Tod findet. Dabei zeigt sich auch, dass der verhasste Szerbenmundt Nialls geringstes Problem war, denn nach der blutigen Niederschlagung des Aufstandes kommt Vampirgeneralin Rada Cadressis an die Macht, die sie rücksichtslos zu nutzen weiß – auch gegen die eigenen Reihen …

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Rezension: Daniel Krause – Tattoo Krause. Deutschlands prominentester Tätowierer sticht zu

Tattoos sind für alle da

krause

Daniel Krause – dank der Fernsehshow „Berlin sticht zu“ und regelmäßiger Auftritte im Sat1-Frühstücksfernsehen einer der prominentesten Tätowierer Deutschlands – erzählt in seinem Buch aus seinem bewegten Leben und was das Tätowieren und die ganze Szene für ihn bedeuten.

Aufgewachsen in Ost-Berlin, gerät er als Punk schon im Teenageralter mit der Staatsgewalt aneinander und landet schließlich kaum volljährig wegen wiederholter Renitenz im Gefängnis. Dort kommt er zum ersten Mal richtig mit dem Tätowieren in Kontakt und ist fasziniert von der symbolischen Bedeutung, die es über die pure Farbe unter der Haut hinaus gerade in einem DDR-Knast hatte. Sich gegenseitig im Gefängnis zu tätowieren wurde nämlich mit hohen Strafen geahndet, und ein Tattoo war die einzig wahre Form der Rebellion dort. Dennoch sollte es noch eine Weile dauern, bis Daniel Krause sein erstes richtiges (abgesehen von einer stümperhaften Rose mit 16) Tattoo bekommt und voll in die Tätowiererszene, die sich nach der Wende in Ost-Berlin erst etablieren muss, einsteigt.

Die Jahre nach der Wende verbringt er als Reisekaufmann und Türsteher, und vor allem letzterer Job bringt ihn mit der rauen Welt der Rockergangs und zwielichtigen Tattoo-Studios in Kontakt. Doch erst 1999 steigt er als Geldgeber in ein Studio ein, das Tätowiererhandwerk lernt er sogar noch später. Seit 1999 existiert das „Classic Tattoo“ (mittlerweile mit mehreren Filialen in Berlin) in Berlin-Mitte und ist zu einer festen Institution im Kiez und der Berliner Tattoo-Szene geworden. Nicht zuletzt durch die Persönlichkeit von Daniel Krause, der redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, oft derb, oft großkotzig, aber immer ehrlich und oft auch mit einer Prise Selbstironie; er präsentiert sich als herzlicher Mann, dem seine Nachbarn, sein Studio und seine Kunden alles bedeuten, der sich aber auch von niemandem dumm kommen lässt. Der Mann mit dem auffälligen Äußeren – muskulös, tätowiert bis zu den Handgelenken, Glatze und kleines Zöpfchen im Nacken – ist aber auch Vegetarier, sehr an Spiritualität interessiert und ein sehr nachdenklicher Mensch, der seinen Horizont auf ausgedehnten Reisen um den ganzen Erdball erweitert.

Einen großen Teil des Buches nehmen dann nach Eröffnung von „Classic Tattoo“ Geschichten über Kunden ein, über verrückte Erlebnisse, über die harte Macho-Welt der Tätowierer, über die unzähligen Frauen, die man in den Anfangstagen der Szene vernaschen konnte, generell über die wilden Zeiten damals. In der zweiten Hälfte des Buches wird es dann zum Glück etwas ernster, die hier vorgestellten Episoden handeln von tragischen und berührenden Begegnungen mit Kunden und von Leuten, deren Leben von ihrer Tattoo-Leidenschaft bestimmt wird. Außerdem werden die Zeit der Doku-Soap-Produktion und die enorme Popularität nach ihrer Ausstrahlung beschrieben, die ihm viele prominente Kunden (darunter Sarah Connor und andere Musiker, Schauspieler etc.) einbrachte.

Das Buch ist ein flüssig zu lesender Abriss von Daniel Krauses Leben und Karriere als Tätowierer und Tattoo-Shop-Besitzer, er will das Tattoo aus seiner Schmuddelecke holen und zeigen, wie normal der Körperschmuck mittlerweile geworden ist, dass er ein Ausdruck von Individualität ist und Respekt verdient. Leider erfährt man für meinen Geschmack zu wenig über das Tätowieren an sich, außerdem haben mich neben der extrem schnodderigen Sprache auch seine hobbypsychologischen Exkurse über das Wesen der Frau, Beziehungen und den Sex genervt – ein kleiner Macho ist Daniel Krause schon.
Wenn man das Buch aber mit dem Anspruch liest, etwas über ihn als Menschen zu erfahren und dabei auch über die für viele sicher fremde Welt des Tätowierens, wird man nicht enttäuscht werden.

:buch: :buch: :buch: :buch2: :buch2: (mit Tendenz zu vier Smileys)

Autor: Daniel Krause
Verlag: Droemer Paperback
Format: Paperback mit Klappenbroschur, 248 Seiten
Preis: € 14,99 (eBook: € 12,99)

Classic Tattoo
Berlin sticht zu

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Rezension: Sonia Rossi – Fucking Berlin

5 Jahre als Studentin, Nutte,
Ehefrau und Geliebte

 

fucking-berlinDie junge Italienerin Sonia Rossi kommt nach Berlin, um Mathematik zu studieren. Die finanziellen Mittel reichen nicht aus, darum verdient sie neben ihrem Studium ihren Lebensunterhalt als Prostituierte in Massagesalons, Bordellen und ähnlichen Etablissements. Im Verlauf dieser Geschichte spielen auch ihr Mann Ladja sowie Milan, ihr Geliebter, und am Ende ihr Sohn eine Rolle. Sie verlässt das Rotlichtmilieu nach fünf Jahren, eine lange Zeit zwischen vielen Männern mit unterschiedlichen Wünschen, verschiedenen Kolleginnen, Erfahrungen in anderen Städten und dem normalen Leben.

Dieses Buch ist ein Erfahrungsbericht über ein Studentenleben in Berlin, gewürzt mit den besonderen Themen „Huren, Freier, Sex u. Co.“. Man kann gut nachvollziehen, dass nach Rossis Ankunft in Berlin nicht alles glatt lief. Nach ihren schlecht bezahlten Jobs, unter anderem als Kellnerin, führt sie ihr Weg über das Internetstrippen in die Welt der Ganzkörpermassage, eines Nightclubs, zur Prostitution in- und außerhalb Berlins (auch in der Schweiz), um den Unterhalt für sich und ihre kleine Familie zu sichern.
Im Laufe der Geschichte lernt man Freund- und Feindschaften („Fotzenneid“) zwischen den Kolleginnen im Sexgeschäft und auch die Alkoholsucht und Drogenabhängigkeit im Bereich der Sexarbeiterinnen kennen. Aber auch die Hilfsbereitschaft einer fremden Kollegin in einem fremden Land, nachdem Sonia ungewollt schwanger wird.
Rossi versucht immer wieder ihren Weg aus der Prostitution zu finden, aber man kann Verständnis dafür aufbringen, dass sie nach Zeiten ohne Geld und des Hungers immer wieder in die Prostitution abrutscht.
Angereichert werden diese Seiten durch die Erzählungen, etwa von einem besonderen Kunden, den sie auch zu Hause besucht hat, weil er freundlich war, Zuwendung brauchte und sich dies im Laufe der Zeit auch bezahlt machte. Nicht wirklich gewundert hat mich die Geschichte über das sehr gute Geschäft mit einem Kunden, der die Vagina einer Schwangeren fotografieren wollte, weil es „nichts Geileres gibt“. Oder das Erlebnis mit einem Freier, der eine besondere Vorliebe dafür hatte, in der Unterwäsche seiner Oma verwöhnt zu werden.
Erschwert wird ihre Arbeit und ihr Leben vor allem durch ihren Mann. Es stellt sich dem Leser öfter die Frage, warum sie diesen Kerl so lange erträgt. Dann ist da noch Sonias Liebe zu Milan, ihrem verheirateten Geliebten, mit allen Vor- und Nachteilen.

Interessant finde ich so manche ihrer Anfügungen zu ihrem Job als Hure, wie zum Beispiel persönliche Bemerkungen zum Outfit und ähnliches, die zu erzielende Wirkung auf die Freier, Besonderheiten im Nightclub, das Preisniveau und den Aufenthalt in einem Laufhaus.
Der Roman ist einfach geschrieben, in der Art eines Erlebnisaufsatzes in der Grundschule. Das Buch gibt heitere und traurige, beklemmende und interessante Zeilen wieder. Man kann es lesen, muss aber nicht.

:buch:  :buch:  :buch:  :buch:  :buch2:

 

Sonia Rossi: Fucking Berlin
Ullstein-Verlag, 2008, 9. Aufl., 2008
€ 8,95
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