Wave Gothic Treffen

cover-Lp-aufeinander, und zwar beim Mailander Duo Hidden House. Das hat sich 2019 gegründet und besteht aus dem Gitarristen Fran Cesco und Giò am Bass, der auch für das Programming zuständig ist. Den Gesang teilen sich die beiden auf. Ein bisschen wie früher also, als Drumcomputer noch häufig eingesetzt wurden. Nach zwei EPs haben Hidden House nun ihr Debütalbum Inside the house veröffentlicht, das die EPs und vier neue Songs umfasst. Ob Absicht oder nicht, ein wenig halten sich die zwei tatsächlich versteckt, da ich dem Internet kaum mehr Informationen entlocken konnte. Zeit also das Haus zu betreten, um mehr herauszufinden.

Der erste Track „Vanity“ ist rhythmisch pulsierend und tanzbar. Während die Art des Gesangs Richtung Gothic Rock weist, bewegt sich die Musik im Feld zwischen Dark und New Wave. Eine Kombination, die Lust auf mehr macht. Und so baut „Stranger“ gleich noch mehr düstere Atmosphäre auf. Die Gitarre setzt hier tolle Akzente, indem sie sich irgendwie im Sound auflöst. In „Diamond Queen“ fällt sofort die Rhythmus-Sektion auf, kalt und düster. Dem schließt sich der Gesang an, der aber im Refrain in dramatische Höhen ausbricht und die Gothic-Rock-Stimmung perfekt transportiert. Zu Beginn von „Hide“ habe ich kurz den alten Szene-Gassenhauer „San Diego“ von The Eternal Afflict im Ohr, doch dann entwickelt sich ein nicht weniger tanzbarer Track, bei dem der Grabesgesang einen gelungenen Gegenpunkt setzt. Irgendetwas in „Passing ghost“ erinnert mich an „A strange kind of love“ von Bauhaus-Sänger Peter Murphy, und das darf man als Kompliment verstehen. Hidden House verstehen es bestens die düstere Stimmung zu übertragen.
In „Here in my soul“ dringt der Bass, der sich sonst mehr dem Gesamtsound unterordnet, etwas mehr in den Vordergrund, was ebenso für Abwechslung sorgt wie der Grabesgesang in „Kiss the night“, der eine ganze Etage tiefergelegt klingt. Wenn das kein Gothic ist, dann weiß ich auch nicht. Die wie durch Nebelschwaden hindurch geflüsterten Parts setzen dem Ganzen die Krone auf. Auch „Ossium“ ist alles andere als fröhlich, aber hier besitzt der Gitarrensound einen sehr coolen Nachhall, der von den Synthies begleitet wird. „Real“ hingegen ist wieder etwas tanzbarer ausgerichtet, bleibt aber düster dank dem Gesang und dem Bassspiel. Dem Titel zum Trotz vermittelt das Keyboard etwas Surreales. Die Melodiefolge könnte gut als Jingle für eine Mystery-Serie dienen. „Love me to death“ ist kein Cover der HIM-Hymne, sondern überrascht erst mit klassischen Arrangements und anschließend mit weiblichem Sprechgesang. Insgesamt weckt das in mir Erinnerungen an Engelsstaub oder Die verbannten Kinder Evas. Mit „Over“ geht es zurück in die Gruftgewölbe, und mit dem wunderbar schwermütigem „My dream“ klingt das Album ruhig aus.

Fazit: Beim ersten Hördurchlauf empfand ich Inside the house als etwas gleichförmig, doch das war zu oberflächlich gedacht. Tatsächlich entfalten sich die Nuancen erst nach und nach, und ich entdecke immer neue Details. Hidden House haben mit ihrem Debütalbum Inside the house eine gelungene Scheibe abgeliefert, und sie brauchen sich weder im Internet noch hinter ihren bekannten Landsmännern bzw. -frauen von Ash Code zu verstecken. Mit der Mixtur aus Gothic, Dark und New Wave haben sie einen eigene Nische besetzt. Ich freue mich darauf, zukünftig mehr von Hidden House zu hören und die Band auch live erleben zu können, vielleicht passenderweise beim Wave Gotik Treffen. Etwas Pech ist es, dass ich sie kurz nach den übermächtigen Kill Shelter & Antipole (Link) zu hören bekomme.

Anspieltipps: Diamond Queen, Hide, Kiss the night

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Hidden House: Inside the house
Self-released, Vö.04.02.2021
MP3 8,00 € erhältlich über Bandcamp
https://hiddenhouse1.bandcamp.com/album/inside-the-house

Homepage: https://www.facebook.com/people/Hidden-House/100063122414996/

Tracklist:
01 Vanity
02 Stranger
03 Diamond Queen
04 Hide
05 Passing ghost
06 Here in my soul
07 Kiss the night
08 Ossium
09 Real
10 Love me to death
11 Over
12 My dream

(1807)