Es sprechen die dunklen Seiten der Achtziger

Fall-ShockFall Shock ist eine italienische Band, die 2018 von Francesco Kay, einem Ghost Producer, Sänger und Schlagzeuger in Personalunion, gegründet wurde. Kurz darauf trifft er den Death Metal Gitarristen Markus O., gemeinsam haben sie den Sound vom Debütalbum Interior entwickelt, das unlängst bei Manic Depression Records erschienen ist. Der Tod mag vielleicht vorhanden sein, doch Metal sucht man dabei vergeblich. Stattdessen wagen sie den Tanz auf dem schmalen Grad zwischen Darkwave und Synthiepop.

Mit „Exterior“ als behutsamen Intro wird Interior eingeleitet, bevor „Feels eternal“ mich in eine andere Zeit katapultiert. Der Beat, die Attitüde beim Gesang, der Sound, alles klingt wie in meinen Teenager-Tagen. „Synthetica“ setzt diese Reise fort, wenngleich auch etwas sperrig, trotz aller Eingänglichkeit. Zu einfach will man es den Hörer*innen auch nicht machen mit dem Synth Wave. Da passt „Illusion“ gut ins Bild, ein bisschen unterkühlt und unnahbar, nicht zu viel Nähe zulassen. Social Distancing ist in diesen Zeiten ja nur konsequent. Deutlich düsterer wird es mit „Retouch“, bei dem die Rhythmus-Sektion den Ton vorgibt und nach einer vernebelten Tanzfläche verlangt. Die Stimmung erinnert mich allgemein an das Debütalbum Voices and images von Camouflage.
„Nude grace“ ist zwar flotter unterwegs, ordnet sich aber dem Gesang etwas mehr unter. Dennoch wird aller Tanzbarkeit zum Trotz dabei keine übertriebene Fröhlichkeit verbreitet. Im Anschluss erscheint mir „Wall of try“ wie ein musikalischer Hybrid zwischen Erasure und Depeche Mode. Gesanglich ist das für mich eine Spur des jungen Dave Gahan, während Vince Clarke für die Synthie-Sounds sorgt. Wobei, der war ja auch Gründungsmitglied bei DM, bevor er lieber mit Andy Bell weitermachte. „The holy rage“ verleitet mich nun dazu, die Augen zu schließen, ich lasse mich in der schwermütigen Stimmung davontragen. Der Schlusssong „Marion Valerie“ schließt sich nahtlos an und lässt Interior filmmusikähnlich ausklingen.

Fazit: Fall Shock schicken mich mit Interior auf eine Zeitreise in meine Jugend. Neben den bereits erwähnten Camouflage, Erasure und Depeche Mode fällt es mir schwer, konkrete Einflüsse auszumachen. Im Grunde genommen ist es einfach die Zeit der Achtziger Jahre, die zu mir spricht, der stilprägende und stellenweise eben düstere Pop und New Wave der damaligen Zeit. Talk Talk, O.M.D., Communards, Dead or Alive – ihr wisst, was ich meine. Und wenn nicht, solltet ihr Fall Shock erst recht einmal anhören.

Anspieltipps: Feels eternal, Retouch, Wall of try

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Fall Shock: Interior
Manic Depression Recoprds, Vö. 25.09.2020
MP3 9,00 € erhältlich über Bandcamp
CD 12,00 € erhältlich über Manic Depression Records

Homepage: https://www.facebook.com/fallshock/
https://www.manicdepression.fr/en/
https://www.facebook.com/manicdepressionrecords

Tracklist:
01 Exterior
02 Feels eternal
03 Synthetica
04 Illusion
05 Retouch
06 Nude grace
07 Wall of try
08 The holy rage
09 Marion Valerie

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